Kritik an Intensivtherapie nach Brandkatastrophe im „Colectiv“

Drei Patienten an Krankenhausinfektionen gestorben

Samstag, 05. Dezember 2015

Bukarest (ADZ/Mediafax) - Nach Angaben aus der Spezialklinik für Verbrennungen, denen zufolge mehrere Opfer der Brandkatastrophe im Club „Colectiv“ an Krankenhausinfektionen gestorben seien, bestätigt der Leiter der Abteilung für Intensivtherapie, Dr. Adrian Stănculescu: Von den 27 internierten Verbrennungsopfern seien drei der sechs Verstorbenen Infektionen erlegen –  bekanntermaßen eine der größten Gefahren bei Großflächenverbrennungen, nicht nur in Rumänien.

Wegen der ständigen Verwendung von Desinfektionsmitteln ist die Entstehung resistenter Keime in solchen Spezialkliniken häufig. Lediglich die Infektionsrate könne durch Einrichtung isolierter Intensivtherapie-Einzelzimmer gesenkt werden. Dies sei jedoch nur in einem neuen Gebäude sinnvoll, worauf man das Gesundheitsministerium in Anbetracht der 23 Jahre alten Klinik mehrmals vergeblich hingewiesen habe.

Doch selbst hochentwickelte Länder verfügen nur über wenige solche Spezialzentren und wären bei einer vergleichbaren Katastrophe überfordert. Das Nationale Institut für öffentliche Gesundheit und die Direktion für öffentliche Gesundheit Bukarest sollen nun eine Analyse der Situation einschließlich Probennahme vornehmen und einen Maßnahmenplan erstellen, so das Gesundheitsministerium.  Dieses hat das Budget für Intensivtherapie von 200 Millionen Lei nach der Brandkatastrophe um 23,6 Millionen aufgestockt.

Kommentare zu diesem Artikel

Tourist, 07.12 2015, 11:43
das Problem gibt es wirklich überall, in den USA ist es noch schlimmer als in Westeuropa, weil dort noch sorgloser mit Antibiotika umgegangen wird und immer mehr resistente Keime entstehen. Einzig in Skandinawien ist es ein bisschen besser. Die sind strenger im Umgang mit Antibiotika (auch in der Landwirtschaft), eventuell hilft auch das kühle Klima dort und die geringere Bevölkerungsdichte. Eigentlich müsste man solche Intensivzimmer einmal im Jahr ausbrennen, oder den Putz komplett erneuern. Aber dann trägt man es womöglich über die medizinischen Geräte wieder herein. Ein Teufelskreis.
Paul Langermann, 07.12 2015, 10:45
Vor einem Jahr schrieb bspw. die FAZ: "Experten seien sich sicher, dass die Zahl der Infektionstoten deutlich höher liege als vom Bundesgesundheitsministerium angegeben. Statt der 7500 bis 15.000 Toten gebe es „mehr als 30.000 bis 40.000 Todesfälle, wahrscheinlich weit mehr“, zitieren die Medien den Vizepräsidenten der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene, Walter Popp."

Und wie es Volker Pispers es so schön überspitzt ausdrückte, es es angesichts der Keime, die nur in Krankenhäuser vorkommen, durchaus sicherer sich auf einem ukrainischen Feldweg operieren zu lassen.
Kritiker, 06.12 2015, 11:23
Unser Herr Lehrer Sraffa hat gesprochen! Sie gehören auch zu der Kategorie die versuchen immer alles schön zu reden! Es wäre besser wenn Sie manchmal nichts schreiben würden.
Sraffa, 06.12 2015, 03:39
Gefährliche Keime in Kliniken sind nicht nur ein permanentes Problem in Rumänien, sondern auch in entwickelten Staaten wie Deutschland; auch nach dem die Hygiene-Organisation in den Kliniken in den letzen Jahren stark verbessert wurde steht das Thema nach wie vor ganz oben in der Organisation jeder guten Klinik ! Hautgeschädigte sind natürlich allererste Opfer solcher Keime.
Sorin Frunzaverde, 05.12 2015, 19:59
Der mittlere Textabschnitt ist fehlerhaft!
Die Anwendung von Desinfektionsmitteln, speziell die korrekte Händedesinfektion aller Mitarbeiter, sowie das Tragen von frischer, sauberer Schutzkleidung bei jedem Betreten einer Pflegeeinheit gehört zu den unabdingbaren Voraussetzungen auf einer Intensivstation mit Risikopatienten wie bei Transplantationen oder Verbrennungen. (In einem Privathaushalt ist die Anwendung von Desinfektionsmitteln normalerweise übertrieben.)
Der zweite Satz müsste wohl korrekt so heißen:
"Die Infektionsrate könne nur durch Einrichtung isolierter Intensivtherapie-Einzelzimmer gesenkt werden."
Falls dies bei den Verbrannten nicht so gehandhabt wurde, braucht man sich nicht zu wundern.
Der letzte Satz ("neues Gebäude") hört sich seltsam an: sollte man nicht in der Lage sein, eine Intensivstation sauber zu halten, oder was soll das bedeuten?

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