Kronstadt, Hauptstadt der Magnolien

Eine Initiative von 2012 zeigt Blüten

Freitag, 21. April 2017

In den letzten Jahren gepflanzte Magnolien im Stadtpark „Nicolae Titulescu“
Foto: der Verfasser

Im Kronstadt der 60er und 70er-Jahre erfreuten jeden Frühling vielleicht zwei Dutzend Magnolienbäume die Stadtbewohner. Die meisten wuchsen in Kleingärten in den weniger dicht bebauten Randvierteln, weniger waren es auf der Südseite des Schlossberges und noch weniger in den engen und schmalen Gärten der Altstadt. Zwei davon waren allerdings stadtbekannt und eine diente sogar als Ortsangabe: „Bei der Magnolie vor dem Kindergarten“, war für so manchen Kronstädter ein sehr genauer Begriff. Später, nach Umgestaltung des Platzes vor der ehemaligen Schiel-Fabrik (Hidromecanica), nach dem Abriss der baufälligen Bauten und der Errichtung des heutigen Verwaltungszentrums, blieb die von sehr vielen bewunderte Magnolie noch bis etwa 1995 hinter einem Bauzaun stehen und blühte eifrig. 1996 wurde sie dann gefällt, um einer Straße Platz zu machen.

Es ist schwer nachzuvollziehen, wann und unter welchen Umständen die ersten Setzlinge in Kronstadt aufgetaucht sind, doch ein Gärtner, der bis nach 1980 einen Blumengarten in der Fabrikstraße/Str. Mihai Viteazul betrieben hat, züchtete sorgfältig Setzlinge für den Verkauf. Dabei wandte er die einfachste Methode an: Von seinem Baum pflanzte er im Frühling und Herbst leicht holzig gewordene Äste in Blumentöpfe, bis diese Wurzeln schlugen. Von den 265 verschiedenen Magnolienarten sind jedoch nur einige in Europa vertreten, am häufigsten ist dabei die sommergrüne „Magnolia soulangeana“ oder Tulpenmagnolie (eine der ältesten Züchtungen überhaupt, 1820 im Königlichen Gartenbauinstitut in Fromont bei Paris entstanden), mit rosafarbenen, runden, selbstständig auf dem Ast wachsenden, großen Blüten anzutreffen. Diese kann, wenn sie nicht einer Straße weichen muss, sehr alt werden – bis 5 Meter hoch werden und da ihre Äste die Tendenz haben, waagerecht zu wachsen, einen Kronendurchmesser von bis zu 8 Metern erreichen.

Für diese Art machte sich 2012, während einer Verschönerungskampagne der Stadt, die „Transilvania Expres“-Stiftung stark und strebte ein ehrgeiziges Ziel an: 20.000 Setzlinge sollten in den nächsten zwei Jahren (d. h. bis 2014) in Parks, Grünanlagen, nahe an Spielplätzen aber auch in Kleingärten gepflanzt werden. Den Auftakt machten die Stadtväter, Bürgermeister und Stadtratsmitglieder im April 2012, als sie im Stadtpark und auf dem Rasen neben dem Verwaltungszentrum der Stadt rund 140 Setzlinge pflanzten. Zu diesem Anlass wurde die Parkanlage des neuen Verwaltungszentrums „Magnolienpark“ getauft, auch in Erinnerung daran, dass die Magnolie vor dem Kindergarten sehr nahe gestanden hatte.

In einer vor dem ersten Spatenstich abgegebenen Erklärung bekräftigte der damalige und jetzige Bürgermeister George Scripcaru, dass Kronstadt bis 2015 „Magnolienstadt“ werden wird. Vertreter der Forstverwaltung „Kronstadt” setzten sich tatkräftig für dieses Ziel ein und stellten zwei spätere Anpflanzungen unter die Devise: Jede Straße soll wenigstens eine Magnolie haben. 20.000 war ein etwas hoch gesetztes Ziel, doch heute – wir haben April und bis Mitte Mai stehen sie noch in Blüte – zieren mehr als tausend Exemplare Kronstadt – und die Pflanzungen gehen weiter. Anteilmäßig im Gleichgewicht wachsen jetzt in Kronstadt die Arten „Grandiflora“ und „Soulangeana“, beide einander ähnlich in Wuchs und Blüte. Die beiden Arten gehören allerdings nicht zu den in der 2007 auf den neusten Stand gebrachten Liste der 132 vom Aussterben bedrohten Arten, sondern zu den von fast allen Baumschulen und Händlern angebotenen Magnolien. Das macht sie auch besonders preiswert: Für die Anpflanzungen der letzten Jahre wurden höch-stens 40 Lei pro Setzling angesetzt, und das für die edleren Exemplare, deren Blüten intensiv rosa sind. Übrigens ist die Magnolie ein Nationalsymbol von Nordkorea, aller-dings handelt es sich um eine subtropische weiße Art mit offenen kleinen Blüten und starkem Duft.

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