Kronstadt will sich als europäische Kulturhauptstadt bewerben

Das Konzept „Braşovia 2021“ umfasst auch das Burzenland

Samstag, 26. Juli 2014

Der Marktplatz in der Inneren Stadt ist oft Schauplatz von Kulturveranstaltungen, wie z. B. die Kronstädter Buch- und Musikmesse.

Zum kulturellen Reichtum und Potenzial Kronstadts gehören auch die Kulturveranstaltungen des Deutschen Forums. Im Bild: „Bunter Abend“ in der Weberbastei.
Fotos: der Verfasser

Nachdem Hermannstadt/Sibiu es 2007 vorgemacht hatte, wollen nun gleich mehrere rumänische Städte 2021, wenn Rumänien und Griechenland je eine europäische Kulturhauptstadt stellen, diesen prestigeträchtigen Titel für sich beanspruchen. Es handelt sich in einer zufälligen Aufzählung um: Temeswar/Timişoara, Jassy/Iaşi, Klausenburg/Cluj-Napoca, Craiova, Arad, Großwardein/Oradea, Karlsburg/Alba Iulia, Sfântu Gheorghe/Sankt Georgen, Brăila, Bukarest und Kronstadt/Braşov.
In Kronstadt weiß man, dass dafür ein solides Konzept notwendig ist, das von Fachleuten ausgearbeitet werden muss und das anschließend mit vereinten Kräften der Behörden, der Kulturträger und mit Unterstützung der Bevölkerung umgesetzt werden sollte. Noch ist man in der Anfangsphase, während andere Mitbewerber bereits mehr vorweisen können, einschließlich an Lobbyarbeit.

Fest steht der Name „Braşovia 2021“ für das Kulturhauptstadt-Konzept – ein Konzept, für dessen Erarbeitung auch der Stadtrat Kronstadt vor einigen Wochen durch einen Beschluss seine Zustimmung erklärt hat. „Um uns in diesem Wettstreit mit den anderen rumänischen Großstädten zu behaupten, müssen wir uns in einer originellen eigenen Weise dieser Herausforderung stellen. Dabei müssen wir alle Pluspunkte berücksichtigen, die uns das Burzenland bietet“, sagte Bürgermeister George Scripcaru.
Das Konzept hat also einen regionalen Charakter und setzt nicht nur auf die Stärken Kronstadts. Diese wären, laut dem Kronstädter Bürgermeister: die Schwarze Kirche, die erste rumänische Schule in der Oberen Vorstadt/Schei, das Sică Alexandrescu-Theater, die Oper, die Philharmonie, das Junii-Stadtfest, der multikulturelle Hintergrund, die Brassovia-Burg, die mittelalterlichen Zünfte. Hinzu kommen die siebenbürgisch-sächsischen Kirchenburgen und die mittelalterlichen Burgen des Burzenlandes. Es fällt in dieser Aufzählung die Brassovia-Burg auf, die bisher „im Schatten“ der anderen mittelalterlichen Baudenkmäler der Stadt stand (Stadtmauern, Basteien, Wehrtürme, Rathaus, Katharinentor, Bartholomäer Kirche), obwohl eine bessere touristische Nutzung der zur Zeit schwer erkennbaren Ruinen in der Nähe des Zinnengipfels angeregt wurde.

In einem sogenannten „Weißen Buch“ soll nun protokolliert werden, was sich dieses Konzept vornimmt und wie die Zusammenarbeit der verschiedenen Behörden auf mehreren Ebenen laufen soll. Angesprochen sind dabei die Stadtverwaltung, der Kreisrat, die Metropolitan-Agentur Kronstadt und die Agentur zur nachhaltigen Entwicklung des Kreises Kronstadt. Zu ihnen gesellt sich das unlängst offiziell vorgestellte Kronstädter „Kulturkonsortium Corona“ als Vereinigung und Interessenvertretung der am städtischen Kulturleben beteiligten Ensembles, Behörden, Kulturschaffenden. Dessen Gründungsmitglieder sind bekanntlich: die Transilvania-Uni, die evangelische Kirche A.B. in Kronstadt, die Kreisbibliothek, das Theater, das Volkskundemuseum, das Kunstmuseum, das Mure{enilor-Gedenkhaus, der Verein KunStadt, die Stiftung „Forum Arte“und die Agentur zur nachhaltigen Entwicklung des Kreises Kronstadt. Zurate gezogen werden auch Experten, Berater, Kultursachverständige, Leute, die für diese Kandidatur im In- und Ausland Lobbying machen können. Unterstützung erhofft man sich auch aus der ehemaligen Kulturhauptstadt und gegenwärtigen Partnerstadt Linz, sowie aus Nürnberg – die Stadt, mit der Kronstadt im Rahmen eines Freundschaftsvertrags enger zusammenarbeiten will. Bürgermeister Scripcaru will auch von der Erfahrung seines Hermannstädter Amtskollegen Klaus Johannis Nutzen für Kronstadt ziehen.

Bis September soll das Konzept „Braşovia 2021“ fertig sein und dann vorgestellt werden. Studien und Analysen stehen bevor, die eine noch per Ausschreibung zu bestimmende Firma vornehmen wird. Dabei geht es um näher zu ermittelnde Indikatoren, und zwar wie die Kronstädter ihre Stadt wahrnehmen, der empfundene und der latente Kulturbedarf, Kulturpolitik, die Haltung gegenüber Ausländern/Europäern, die Wirkung, die eine Kulturhauptstadt-Nominierung Kronstadts hätte, das Ausmaß an Verantwortung, die in diesem Fall individuell und institutionell übernommen würde. Eine Überprüfung des gegenwärtigen Standes aus soziologischer, wirtschaftlicher, städtebaulicher und kultureller Sicht soll berücksichtigt werden, um den Ausgangspunkt der zu erarbeitenden Strategie besser zu definieren. Es scheint, noch viel zu tun zu sein. Aber, so meint man beim Bürgermeisteramt, die Bewerbung lohne sich durchaus. Außer einer höheren Besucherzahl kommen auch nachhaltige Entwicklungen hinzu: Die Stadt werde über eine modernere Infrastruktur im Kulturbereich verfügen, ihr Image wird auch in kultureller Hinsicht aufgewertet, manche Events könnten auch nach 2021 in der Kronstädter Kulturszene ihren festen Platz finden.

In der nächsten Zukunft wird sich bald zeigen, ob die Einbeziehung der Region in dieser Bewerbungskampagne (die angeblich nur die Kronstädter vorweisen können) für den Erfolg ausreicht und diejenigen überzeugt, die den Kulturhauptstadt-Titel für Rumänien vergeben.
Über Kronstadts Schwächen betreffend z. B. Kulturlogistik und -management wie auch über die Kosten und deren Deckung, wenn es um niveauvolle und darum auch kostspieligere Kulturevents geht, wird zur Zeit, irgendwie verständlich, weniger (zumindest nicht öffentlich) gesprochen.

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