Kronstadts Luft ist nicht so frisch wie erwartet

Feinstaub ist einer der unsichtbaren Feinde

Dienstag, 20. September 2016

An manchen Tagen liegt Kronstadt unter einer Dunstglocke

Wer hätte gedacht, dass Kronstadt mit seiner Berglandschaft eigentlich zu den rumänischen Städten mit einer schlechten Luftqualität zählt? Leider erschien die Stadt am Fuße der Zinne zusammen mit Bukarest und Jassy/Iaşi in Unterlagen der Europäischen Union als Beispiel von Ortschaften, in denen die Grenzwerte betreffend Luftverschmutzung durch Feinstaub (Fachbegriff PM10) zu oft überschritten wurden. Das brachte Rumänien in die Lage, von der EU aufgefordert zu werden, in dieser Hinsicht umgehend Maßnahmen zu treffen. Es handelt sich letztendlich um eine EU-Vertragsverletzungsgefahr. Laut Umweltministerin Cristiana Palmer Paşca habe sich die Lage in Kronstadt nun etwas gebessert, vor allem weil die Lokalbehörden ihren Pflichten betreffend Umweltschutz gewissenhafter nachkommen.

Weshalb aber gibt es Probleme mit der Kronstädter Luft?

Bei der Kronstädter Agentur für Umweltschutz (APM), dessen ehemaliger Chef, Ciprian Băncilă, vor einigen Monaten zum Kronstädter Kreispräfekten ernannt wurde, sind diese Probleme seit fast zehn Jahren bekannt und untersucht worden. Allgemein gilt: „Feinstaube entstehen vor allem durch Schadstoffemissionen aus Industrie, Verkehr und Hausbeheizung. Sie können Asthma, Herz-Kreislaufprobleme und Lungenkrebs auslösen und die Lebenserwartung verkürzen.“ Laut EU-Norm sollten in einem Jahr höchstens an 35 Tagen ein Wert von über 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft überschritten werden.

In Kronstadt gibt es vier automatische Messstationen, die die Werte der Luftverschmutzung in regelmäßigen Abständen verzeichnen. Sie haben folgende Standorte: Bukarester Straße, Gării-Boulevard, Castanilor-Straße, Vlahuţă-Boulevard. Hinzu kommt noch eine Messstation in Petersberg/Sânpetru. Die steht nicht zufällig dort. In der Gegend befand sich ein Sammelbecken, wo Abfälle in Form von Schlacke gelagert wurden, die vom Kronstädter Wärmekraftwerk stammten. Da diese Schlacke nicht ständig befeuchtet wurde, trocknete sie und wurde oft vom Wind in Form von Staub aufgewirbelt und in der Nachbarschaft (auch im Naturschutzgebiet Lempesch) verstreut. Mit dem Niedergang der Kronstädter Fernwärmeverteilung dürfte dieses Problem nicht mehr aktuell sein.

Auf der Webseite von APM Kronstadt wird angegeben, dass bei der Messstation am Kronstädter Bahnhofs-Boulevard der PM10-Grenzwert 60-mal (2011) und sogar 81-mal (2012) überschritten wurde. 2009 ist das 72-mal vorgekommen; 2010 genau 35-mal, was am Limit der EU-Norm liegt. Die Überschreitungen dieses Grenzwertes sind inzwischen drastisch gefallen: 2015 war es bei der genannten Messstation 20-mal der Fall, sogar weniger als bei der Messstation in der Bukarester Straße (26-mal). Sicher, am besten wäre es, der Grenzwert würde nie überschritten werden.

Dass die Luftqualität sich verbessert hat, dürfte auch eine Folge der Umleitung des Transitverkehrs aus der Stadt sein. Schwere Lastkraftwagen und all jene, die nicht Kronstadt als Anfahrziel haben, weichen auf die Umgehungsstraße aus. Pkw gibt es auch in Kronstadt viele – aber immer weniger alte Modelle, die bekanntlich viel schädlicher für die Umwelt sind.

Die Kronstädter Industrie dürfte eigentlich nicht so stark wie vor Jahren für die Luftverschmutzung schuldig gemacht werden. Aus einem einfachen Grund: Manche Werke (wie zum Beispiel die Zementfabrik) wurden geschlossen; andere sind vom Stadtgebiet weggezogen. In einem älteren Bericht werden als Quellen von PM10-Emissionen noch verschiedene Geflügelfarmen aus der Kronstädter Umgebung sowie das Kronospan-Werk angegeben.

Aber selbst einfache Maßnahmen wie regelmäßiges und gründliches Säubern der Straßen oder Schutzmaßnahmen beim Anlegen von Baustellen sollten nicht unerwähnt bleiben, wenn es darum geht, den Feinstaub aus der Stadt zu verbannen. Zum Feinstaub kommen auch andere Schadstoff-Emissionen hinzu, die der Luftqualität schaden. Und Grünflächen nehmen leider auch in Kronstadt eher ab als zu. Paradoxerweise ist in einem gewissen Maße auch die geografische Lage Kronstadts Teil des Problems. Da die Stadt eine von Bergen geschützte Lage aufweist, ist die Luftzirkulation eingeschränkt, vor allem im Winter bei stabilen Wetterverhältnissen. So bildet sich manchmal eine regelrechte Dunstglocke über Teilen der Stadt, weshalb dann auch die Feinstaubmenge größer ist. Das kann man fallweise auch von oben aus den Bergen beobachten.

Kronstadt muss also weiter um seine reine Luft kämpfen – nicht nur den Touristen zuliebe.

Kommentare zu diesem Artikel

Tourist, 21.09 2016, 00:51
Kronstadt ist eine Verkehrshölle, zumindest unter der Woche. Wollte unlängst einmal von Neustadt nach Sacele, was eigentlich gar nicht weit ist und habe über eine Stunde durch die Stadt gebraucht. Die sogenannte Centura ist ein Flickenteppich mit Baustellen, am besten fährt man weiträumig um Kronstadt herum, auch wenn man so 40 km Umweg macht, geht aber trotzdem schneller.

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