Kronstädter bildende Kunst in den Nachkriegsjahren

Rückschau auf die Zeitspanne 1945 – 1989 im Kunstmuseum

Sonntag, 31. Mai 2015

Museumsdirektor Bartha Arpad, selbst ein bekannter Grafiker, bietet viel Information zu der gegenwärtigen Ausstellung.
Foto: Dieter Drotleff

Die am 15. Mai l.J. im Kunstmuseum am Rudolfsring eröffnete Ausstellung unter dem Titel  „Arta Braşoveană Postbelică 1945 – 1989“ (Kronstädter Kunst der Nachkriegszeit 1945 – 1989) und der zu diesem Anlass herausgebrachte Katalog sind empfehlenswert nicht nur für die Kronstädter, sondern allgemein für Kunstliebhaber. Geöffnet bleibt die Ausstellung bis 12. Juli 2015 und bietet einen Einblick in repräsentative Arbeiten der wichtigsten in dieser Zeitspanne lebenden Künstler. Es ist eine Zeit, der auch der von Liane-Gudrun  Ittu im Vorjahr im Verlag der Rumänischen Akademie herausgebrachte  Band gewidmet wurde, sich aber konkret nur auf das Schaffen der rumäniendeutschen Künstler dieser Zeitspanne bezieht und den wir in unserer vorangegangenen Ausgabe ausführlich vorgestellt haben.

In der Kronstädter Kunstgalerie sind  in den drei Ausstellungsräumen  insgesamt 66 Arbeiten, vor allem Gemälde in Öl, Aquarell  und Grafik ausgestellt, aber auch Skulpturen der in dieser Zeitspanne  lebenden und schaffenden Künstler. Einige Namen sollten eingangs erwähnt werden: Ştefan Mironescu, Friedrich Bömches,  Waldemar Mattis-Teutsch, Hermann Morres, Heinrich Schunn, Helfried Weiss. Dinu Vasiu, Eftimie Modâlcă, Renate Mildner-Müller, Margarete Depner, Harald Meschendörfer, Kaspar Teutsch, Albert Zoltan,  Abraham Jakab, [tefan Bilciu, Karl Hübner u.a. Betrachtet man die Exponate von dieser geschichtliche Periode, sollte man nicht voreingenommen, Werteinschätzungen treffen. Es ist die Zeitspanne der kommunistischen Diktatur, des sozialistischen Realismus, dem sich auch die Künstler gelegentlich in mehr oder weniger prägnanter Form oder verschleiert  beugen mussten.

Die Zeitspanne kann in zwei Perioden geteilt werden. Die nach dem Kriegsende bis 1965 zum 9. Kongress der RKP, als offiziell vom sozialistischen Realismus abgesehen wurde, und von diesem Jahr  bis zur politischen Wende von 1989,  eine Zeit in der die politischen Einschränkungen etwas gelockert wurden, die Künstler durch neue Ausdrucksformen diesen auszuweichen versuchten.

Auch einige organisatorische Ereignisse dieser Zeitspanne beeinflussten auf größere oder kleinere  Weise das Schaffen der bildenden Künstler.  1944 wurde die Gewerkschaft  der Schönen Künste wieder gegründet und der Gewerkschaftsverband der Künstler, Schriftsteller und Journalisten ins Leben gerufen. 1947 fand dessen Kongress statt, wobei die „Kulturrevolution“ eingeleitet wurde. Drei Jahre später wurde die Gewerkschaft der Schönen Künste aufgelöst und der Verband der Bildenden Künstler (UAP) gegründet. 1956 wurde die Kronstädter Filiale von UAP ins Leben gerufen. 1966 erscheint in Kronstadt die Kulturzeitschrift „ASTRA“ , die außer den Pflichtmaterialien im Inhalt auch  auf das Schaffen der bildenden Künstler und Schriftsteller einging. Eine besondere Schau wurde 1983 in Kronstadt anlässlich der „50-jährigen revolutionären Tätigkeit und des Geburtstages von Nicolae Ceauşescu“ organisiert, in der nur Arbeiten, die dem Diktator Huldigungen brachten, ausgestellt wurden.

Im Lauf dieser Jahre wurden Arbeiten bei Künstlern bestellt, die vielleicht mit ihrer Gesinnung nicht übereinstimmten. 1949 wurden Mattis-Teutsch. Karl Hübner, Johann Barthel und Minerva Cristea mit der  Verwirklichung eines Denkmals des sowjetischen Soldaten beauftragt. Dieses wurde am 12. November gleichen Jahres im Zentralpark enthüllt.  Mit dem Stalin gewidmeten Denkmal wurde nicht ein Kronstädter Künstler beauftragt. Dieses wurde von Dorio Lazăr geschaffen und am 6. November 1951 enthüllt.  In regionalen Ausstellungen von 1960 bzw. 1965 wurden ebenfalls Arbeiten zur Schau gestellt, die den Zeitansprüchen entsprechen mussten. Das von Eftimie Modâlcă geschaffene Porträt unter dem Titel „Huldigung“ schmückte  das Titelblatt der ASTRA-Zeitschrift Nr. 1/1986. Modâlcă, der mehrere Jahre dem hiesigen Verband der Bildenden Künstler vorgestanden ist, hat mehrere Arbeiten  geschaffen, die den Forderungen entsprachen.

In der Ausstellung sind aber auch andere seiner Gemälde zu sehen (Akt, 1967), die von seiner künstlerischen Begabung zeugen. Von Friedrich Bömches sind die „Gießer“ (1961) oder der „Staudamm“ (1972), von Harald Meschendörfer „Der Hügel“ (1971),  zu sehen. Hermann Morres ist mit „Ansichten aus der alten Stadt“ (1951), Heinrich Schunn mit „Dorfrand“ (1956), Helfried Weiss mit der „Finsternis“ (1969), Renate Mildner-Müller mit „Die Schaffenden“ (1971) vertreten. Die Aufzählung könnte fortgesetzt werden, doch nehmen wir dem Besucher nicht die Vorfreude,  sich einen weiteren Eindruck über  das Schaffen der Kronstädter bildenden Künstler zu machen.

Der anlässlich dieser Ausstellung herausgebrachte Kunstkatalog, redigiert und nach einem Konzept des Kurators der Ausstellung Radu Popică entworfen,  bildet durch die ausführlichen Betrachtungen zum Kronstädter Kunstgeschehen, der Reproduktion der Exponate, durch die Namensliste der aktiven bildenden Kronstädter Künstler dieser Zeitspanne mit kurzen biographischen Angaben, eine umfassende Arbeit und ein weiteres Dokument zur Kronstädter Kunstgeschichte.

Kommentare zu diesem Artikel

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*