Kronstädter Kulturpreise wurden vergeben

Musikalisches Projekt „Musica Coronensis“ unter den Gewinnern

Sonntag, 12. März 2017

Der Kronstädter Organist Steffen Schlandt bei der Preisverleihung

In diesem Jahr fand die Gala nicht mehr in der Redoute statt, sondern in lockerer Atmosphäre am Multikulturellen Zentrum der Transilvania-Uni.
Fotos: Corona-Kulturkonsortium

Was bleibt nach dem Jahr 2016? Welche Kulturprojekte waren wichtig für Kronstadt? Welche neuen Initiativen sollten gefördert werden? Das sind die Fragen, die sich das im Jahr 2014 gegründete Kulturkonsortium „Corona“ stellte, als seine Mitglieder die Entscheidung trafen, wieder einmal die Gala der Kronstädter Kulturpreise zu organisieren. Am letzten Februartag fand die Preisverleihung im Multikulturellen Zentrum der Transilvania-Universität statt. Die Preise für herausragende Leistungen im Bereich Kultur wurden zum dritten Mal vergeben. Vor zwei Wochen hatte „Corona“die Nominierungen für die Preisträger der neun  Kategorien bekanntgegeben. Jede Privatperson und jeder Verein aus Kronstadt konnte ein Projekt oder eine Person für eine bestimmte Kategorie nominieren, indem sie ihre Vorschläge dem Kulturkonsortium mitteilten. Es wurden 48 Nominierungen eingereicht.

Neben der Internet-Publikumswahl bestimmte eine unabhängige und nicht in Kronstadt lebende Jury als Gremium über die Preisträger mit. Die Entscheidung setzte sich zu 50% aus der Publikumswahl und zu 50% aus dem Votum der Jury zusammen. In diesem Jahr bestand die Jury aus Iulia Popovici, Theaterkritikerin, Anna Maria Popa, Intendantin des „Andrei Mureşanu“- Theaters in Sanktgeorgen und Tiberiu Alexa, Leiter des Kunstmuseums in Baia Mare. Wichtig waren bei der Entscheidung vor allem die Qualität,aber auch Resonanz in den Medien, gute Werbung und Publikumserfolg gedoppelt. „Weil sie keine Kronstädter sind, haben die Jurymitglieder viele der Veranstaltungen, die für den Preis vorgeschlagen wurden, nicht besucht. Aber das Kronstädter Publikum war dabei, und in fast allen Fällen hat ihre Wahl mit der Wahl der Jury übereingestimmt“, meinte Adrian Lăcătuş, Dekan der Kronstädter Philologie-Fakultät und Mitglied des Kulturkonsortiums.

Ein Jahr ohne wichtige Ereignisse

Das Jahr 2016 stand, was das kulturelle Leben der Stadt betrifft, im Zeichen der Proteste beim Dramentheater. Dabei ergab sich die Frage, wie oft und bis zu welchem Punkt sich die Lokalbehörden in die Angelegenheiten einer Kulturinstitution einmischen sollten. Obwohl der rumänische Theaterverband UNITER und die damalige Leitung des Kulturministeriums auf die Krise aufmerksam geworden waren und die Kronstädter Lokalverwaltung zu einem Dialog eingeladen hatten, wurde ihre Initiative einfach ignoriert. Auch über die Situation bei Philharmonie und Oper wird geschwiegen. Die beiden Kulturinstitutionen haben noch immer keinen Intendanten. Wenn es für Institutionen schwer ist, die von Lokalgeldern finanziert werden, ist es für private Kulturvereine noch schwerer. Wenn wenig Geld da ist, kann auch nur wenig getan werden. Trotzdem schafften es einige. 2016 wurden Projekte, die schon zur Tradition geworden sind, erfolgreich fortgeführt (Musica Coronensis, Musica Barcensis, Amural, Dracula-Festival, Komödien-Festival, Patria-Kinemathek usw) und es wurde auch versucht, die Kulturszene mit neuen Festivals zu beleben, wie zum Beispiel „Neoteric“, ein Festival für zeitgenössischen Tanz, das in diesem Jahr leider nicht mehr stattfinden wird.  

48 Nominierungen, neun Preisträger

Aus den 48 eingereichten Nominierungen wurden neun Preise vergeben. Das „Buch des Jahres“ ist eine Sammlung mit vier Theaterstücken des Dramatikers Mihai Ignat („Alle schauen nach vorne. Vier bittere Komödien, Tracus Arte-Verlag) und das Konzert des Jahres war „It´s a long way to Transilvania“, ein Jazzkonzert, das im Rahmen des „Etnovember“-Festivals beim Multikulturellen Zentrum der Transilvania-Universität stattfand. Bei der Kategorie „Debut“ gewann „Kruhnen Musik Halle“, ein Klub, der seit einigen Monaten geöffnet hat und periodisch Konzerte mit den beliebtesten Bands aus Rumänien organisiert. Die Ausstellung des Jahres 2016 ist „Die Kronstädter Kunst zwischen den beiden Weltkriegen“, die beim Kunstmuseum besucht werden konnte. Das musikalische Projekt des Jahres ist wieder einmal das „Braşov Jazz and Blues Festival“, das vom Kulturverein Fanzin organisiert wird und jedes Jahr im Dezember große Stars des Jazz nach Kronstadt bringt. Zum Kulturprojekt des Jahres wurde „Geschichte zur ersten Person“ des Museums „Casa Mureşenilor“ gewählt.

Die Theatervorstellung des Jahres 2016 ist ein Projekt des „Arlechino“-Puppentheaters und nennt sich „Metamorphose“. Das Fetstival des Jahres 2016 ist „Musica Coronensis“, ein Projekt der Evangelischen Kirche A.B. in Kronstadt. „Für uns ist es jedesmal eine wunderbare Überraschung, wenn wir sehen, dass in der Schwarzen Kirche, inmitten unserer Gemeinschaft, im Herzen der Stadt, eine so schöne Veranstaltung stattfindet, an der sowohl unsere Gemeindemitglieder als auch andere Bewohner der Stadt und viele Künstler teilnehmen“, sagte Frank Ziegler, Leiter der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit des Kronstädter Stadtpfarramtes. Als letzter Preis wurde der Preis für den Kulturverein des Jahres an das Multikulturelle Zentrum der Transilvania-Universität vergeben. „Das Kronstädter Kulturleben macht Schritte nach vorne. Obwohl einige sich eine Revolution gewünscht haben, fand eine einfache Evolution statt“, meinte zu Ende der Veranstaltung Dragoş David, Leiter der Metropolitanischen Agentur Kronstadt. Die Organisatoren wünschen sich weiterhin, dass die Gala der Kulturpreise auch in den nächsten Jahren stattfinden wird. Zu den Gründungsmitgliedern des Kulturkonsortiums gehören unter anderen die Evangelische Kirche A.B. in Kronstadt, die „Transilvania“-Universität, die Kreisbibliothek „George Bariţiu“, das Dramentheater „Sică Alexandrescu“, das Kunstmuseum, die Vereine „KunStadt“ und „Forum Arte“, das Arlechino-Puppentheater, und das „Casa Mureşenilor“-Museum. Das Ziel des jungen Vereins ist, mit der Zeit die Rolle eines lokalen Kulturministeriums zu erfüllen.

Elise Wilk



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