Kronstädter Tourismus unter der Lupe

Gute Marketingstrategie ist erwünscht

Dienstag, 25. Oktober 2016

Kronstadt ist ein beliebtes Touristenziel, doch sollte sich das Angebot besser an die Bedürfnisse des modernen Touristen anpassen.

Die Schwarze Kirche, das sagenumwobene Schloss Törzburg/Bran, die Skipisten der Schulerau/Poiana Braşov, die malerischen Bergdörfer am Fuße des Königssteins/Piatra Craiului – das sind nur einige der Attraktionen Kronstadts, das schon immer ein Touristen-Magnet war. Die Besucherzahlen steigen von Jahr zu Jahr, die Hotels und Pensionen sind an manchen Wochenenden fast ausgebucht, das Angebot für Freizeitgestaltung wird immer reichhaltiger. Trotzdem könnte es noch besser sein, meinen Tourismus-Experten. Der Gegend um Kronstadt fehlt noch eine gut durchdachte Marketingstrategie und die Kommunikation zwischen verschiedenen Tourismus-Anbietern aus dem öffentlichen und privaten Bereich. Was sucht ein Tourist, der Rumänien besucht, auf Google? Einer von zehn gibt Begriffe in die Suchmaschine ein, die mit Kronstadt zu tun haben. Das gab Ana Sipciu, Industry Manager von Google Rumänien, vorige Woche auf der Konferenz „Das Management der Reiseziele: Online und Offline“ bekannt. Die Veranstaltung wurde von der Nationalen Tourismusbehörde in Zusammenarbeit mit der rumänischen Industrie-und Handelskammer organisiert. Auf Platz eins der Google-Suchen befindet sich Bukarest, auf zwei Konstanza/Constanţa an der Schwarzmeerküste.
 

Erfolgsmodell Rosenau

Jedes Jahr gibt es von Google eine neue Studie über den Weg, den die Touristen gehen, um zu ihrer Reiseentscheidung zu kommen. Diese Studien werden anschließend auf der Seite „Think with Google“ veröffentlicht, wo man die Vorjahresstudien auch nachlesen kann. Laut den Angaben der letzten Studie reisen die Menschen, um ihre Perspektiven zu erweitern (71 Prozent), um sich frei zu fühlen (62 Prozent) und um andere Kulturen kennenzulernen (47 Prozent). „Über 40 Prozent der Reisenden sind sich am Anfang der Reiseplanung noch nicht sicher, wohin es gehen soll. Informationen aus dem Internet helfen ihnen, sich anschließend für das eine oder andere zu entscheiden”, meint Sipciu.

Aus den 3,5 Milliarden Begriffen, die täglich auf Google eingegeben werden, sind 5 Prozent zum Thema „Reisen“. „Es ist sehr wichtig dass die Lokalverwaltungen mit dem privaten Medium kommunizieren“, erklärte Anca Nedea, Vorsitzende des ANT (Nationale Tourismusbehörde) während der Konferenz. Ein Verband des Managements für Reiseziele würde eine Verbindung zwischen privat und öffentlich schaffen und helfen, dass das betreffende Gebiet touristisch gut vermarktet wird. Man müsste auch das Problem der fehlenden Arbeitsplätze im Tourismus lösen. Und daran denken, die Kurortgebühr wieder einzuführen. Alle Ortschaften, die einen hohen Aufwand für den Tourismus betreiben, sollten Gebühren von Gästen erheben können.

Alle Touristen sollten einen kleinen Beitrag zahlen – das wäre eine gute Grundlage für Investitionen in die touristische Infrastruktur. Die Tourismusbehörde nimmt sich auch vor, alle Touristeninformationszentren, die in den letzten Jahren mit europäischen Geldern gebaut wurden und zur Zeit leer stehen, wieder zu eröffnen. Adrian Ve{tea, Vorsitzender des Kronstädter Kreisrats, sprach über die Erfolgsgeschichte der Stadt Rosenau/Râşnov, deren Bürgermeister er 12 Jahre lang war. In der kleinen Stadt, 20 Kilometer von Kronstadt entfernt, blüht heute der Tourismus. Der moderne Aufzug zur Bauernburg und der Dinosaurierpark sind nur zwei der Attraktionen, die man hier besuchen kann. „Im Jahr 2004 gab es in Rosenau nur 100 Übernachtungsplätze, heute gibt es fast 2500. Wie es auch in anderen Städten der Fall war, gab es eine Periode, wo viele Staatsbetriebe in Privatbesitz überführt wurden. Das führte zu einer hohen Arbeitslosenzahl. Heute ist aber Rosenau nach Kronstadt und der Schulerau die am meisten besuchte Ortschaft im Gebiet“, meint Veştea.
 

An Bedürfnisse des Touristen anpassen

Kronstadt hat riesige Ressourcen, was den Tourismus anbelangt. Man hat in dieser Hinsicht viele Schritte getan. Aber leider fehlt auch im Tourismusbereich der Dialog zwischen öffentlich und privat. Auch zwischen Kronstadt und den anderen Lokalverwaltungen existiert wenig Dialog. Es gibt fast keine Zusammenarbeit. Man sollte aber zusammen an einem Produkt arbeiten, das auf internationaler Ebene bekannt sein soll. Um eine erfolgreiche Marketingstrategie zu erarbeiten, muss man seine Zielgruppe immer im Auge haben. Die Tendenzen im Tourismus wechseln von einem Tag auf den anderen, also muss man sich immer neu erfinden. „Niemand ist genügend vorbereitet auf den modernen Reisenden, den smart Traveller. Dieser sucht nicht nur ein Reiseziel, sondern er sucht neue Erfahrungen. Er will nicht mehr den ganzen Tag im Lusxushotel verbringen. Er will aus dem Hotel weggehen und mit den Bewohnern der Ortschaft in Kontakt kommen. Er hat keine Lust mehr, an einem einzigen Tag Museen und Denkmäler abzuklappern. Das bringt nur Müdigkeit. Deshalb müsste man in der Marketingstrategie auf die neuen Bedürfnisse des Touristen besonders achten“, meint Nedea.
 

Tourismus mit Kultur und Hi-Tech verbinden

Dem modernen Touristen werden immer mehr Wünsche erfüllt. Von Extremsportarten in den Bergen bis hin zum Entdecken eines Dorfes auf dem Fahrradsattel – fast alles ist möglich. Auch wird immer öfter daran gedacht, dass die meisten Touristen mit Smartphone oder Tablet unterwegs sind. In Kronstadt wurden in den letzten Jahren verschiedene Projekte entwickelt, in denen Tourismus und Technik sich die Hand reichen. Touristen, die beispielsweise einen Ausflug auf die Zinne unternehmen wollen, haben es leichter, den Berg zu erkunden. QR Codes („quick response“, auf Deutsch „schnelle Antwort“) helfen ihnen, das beliebte Ausflugsziel zu entdecken. Doch nicht nur die Zinne ist high-tech. Dank einer mobilen App können die Touristen mehr Informationen über die Gebäude erfahren, an denen sie vorbeigehen. Die App „Urbane Geschichte“ (Poveste Urbană), die auf Smartphones und Tablets gespeichert werden kann, enthüllt die Geschichte der alten Bauten in Kronstadt.

Was den Kulturtourismus betrifft, steht Kronstadt schlechter als andere Städte wie Hermannstadt oder Klausenburg. Trotzdem wurden auch hier einige mutige Schritte in dieser Richtung getan. Es geht genauer gesagt nicht um Kulturevents in der Stadt, sondern in kleineren Ortschaften. Der Tourist hat somit die Gelegenheit, eine ihm noch unbekannte Ortschaft zu erkunden und gleichzeitig an einem kulturellen Event teilzunehmen. Im Sommer wird in mehreren evangelischen Kirchenburgen um Kronstadt herum die Konzertreihe „Musica Barcensis“ organisiert. Veranstalter ist die Stiftung für Kultur und Patrimonium „Forum ARTE“. Auch in Neustadt/Cristian tut sich seit einigen Jahren etwas. Beim Kulturfestival C’Art Fest gibt es jedes Jahr ein reichhaltiges Programm mit Konzerten, Theatervorstellungen, Lesungen, moderierten Diskussionen mit Schriftstellern, Workshops für kreatives Schreiben, Filmen und Ausstellungen. Viele Events des Festivals finden in der evangelischen Kirche der Ortschaft statt. Es ist eine gute Gelegenheit, die jahrhundertealte und gut erhaltene Kirchenburg zu besichtigen.

Kommentare zu diesem Artikel

Manfred, 26.10 2016, 07:24
Das kann ich bestätigen,Joachim.Auch ich habe schon mehrmals dort Station gemacht und mich immer wohl gefühlt.
Joachim, 25.10 2016, 14:45
Das zu lesen tut mir gut. Rosenau-Rasnov besuche ich sehr oft und habe den Aufschwung mitverfolgt. Man hat ganz vergessen die Biatlon-und Skisprunganlage zu erwähnen. Und dieser Aufschwung hat auch ohne Flughafen funktioniert. Während Poiana Brasov für normal Sterbliche schon zu teuer ist, bekommt man in Rasnov dafür alles.
Ein Flughafen wäre durch den Lärm, dem Tourismus eher abträglich.

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