Kulturerbe wird ins Bewusstsein gerückt

Mittelalterliche Burgen im Kreis Kronstadt bereiten sich auf die Besucher vor

Sonntag, 23. April 2017

Nach vier Jahren Bau- und Sanierungsarbeiten wird die Marienburg Ende Juni wieder eröffnet.
Foto: Ralf Sudrigian

Die Repser Burg wurde im Jahr 2016 von 86.000 Touristen besucht.
Foto: Wikimedia Commons/Diana Popescu

Auf dem Fahrradsattel malerische Dörfer erkunden, am Wochenende in einer noch unbekannten Ortschaft ein Konzert in einer Kirche besuchen, einen Ausflug durch Siebenbürgen unternehmen und dabei Burgen entdecken und fotografieren – in den vergangenen Jahren wurden mit Erfolg mehrere Projekte durchgeführt, deren Ziel es war,  die siebenbürgischen Kirchenburgen für Touristen attraktiv zu machen. Die „Transilvania Card“ gewährt Touristen kostenlosen Eintritt zu über 40 siebenbürgischen Kirchenburgen. Auch die Radtour „Bike and Like“ soll für die siebenbürgischen Kirchenburgen werben und zu einem Anstieg der Besucherzahlen führen. Das Konzertreihen-Projekt „Musica Barcensis“ nimmt sich vor, das reiche Kulturerbe der siebenbürgischen Landschaft ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. In diesem Sommer gibt es auch eine Neuigkeit: „Transilvania Train“, der erste touristische Zug, der Touristen durch Siebenbürgen führen wird. Dieser wird am 31. August in Kronstadt starten und ein paar Tage durch Siebenbürgen fahren. Die Fahrgäste werden dabei ein umfangreiches Kulturprogramm genießen und Speisen aus der traditionellen siebenbürgischen Küche kosten. Im ganzen Zug gibt es 180 Plätze- und die meisten von ihnen sind schon ausverkauft, obwohl man zu diesem Preis einen Sommerurlaub im Ausland buchen kann: 650 bis 780 Euro kostet eine Karte. Doch auch für Touristen, die auf eigene Faust Siebenbürgen erkunden wollen, gibt es Neuigkeiten. Die Repser Burg, die Marienburg und die Burgen in Fogarasch und Rosenau werden bald in neuem Glanz erstrahlen.

Das Repser Land hat viel zu bieten

Die Schönheit der Landschaften in der Gegend von Reps kennen schon viele in- und ausländische Touristen dank der Haferland-Woche oder des inzwischen weit über die Landesgrenzen bekannten Dorfes Deutsch-Weisskirch/Viscri. Der prominenteste Besucher, Prinz Charles von Wales, Schirmherr der Stiftung „Mihai Eminescu Trust“, die sich um die Erhaltung der Kirchenburg und der Bausubstanz des Dorfes bemüht, hat viel zum Ruhm der Ortschaft beigetragen. Auch die Repser Burg, die vor einigen Jahren mit europäischen Mitteln renoviert wurde, ist inzwischen eine Attraktion geworden. 2013, als die Burg für Touristen wieder eröffnet wurde, kamen 39.500 Besucher. 2014 waren es 61.000, im nächsten Jahr 71.000 und 2016 86.000. Laut Bürgermeister Nicolae Bărdaş rechnet man in diesem Jahr mit über 100.000 Besuchern. Vorläufig können die Touristen die Informationen von Infotafeln ablesen, in Zukunft will man jedoch einen Touristenführer für die Burg anstellen. In Zukunft ist auch die Einrichtung eines Museums geplant.  Laut Bărdaş sind in diesem Sommer auch einige Veranstaltungen in der Burg geplant. Darunter ein Tiermarkt und ein Freiluftkino. Ebenfalls werden in diesem Jahr ein paar Events im Rahmen der Haferlandwoche hier stattfinden. Auch das ethnografische Museum im Zentrum der Stadt und die Privatkollektion der Familie Wagner sind sehenswert. In Zukunft wird eine Eintrittskarte für die Repser Burg auch den Eintritt zu den beiden Museen ermöglichen, meint Bürgermeister Bărdaş. Ebenfalls ist die Gegend um Reps in den letzten Jahren auch für ihre Fahrradwege beliebt. Der Weg zwischen Deutsch-Weisskirch und Bodendorf ist vielleicht der beliebteste von ihnen. Man plant, das Fahrradwegnetz zu erweitern.

Die Marienburg  öffnet Ende Juni

Auch in Marienburg wurde die alte Burg, die eine Ruine war und nicht besichtigt werden konnte, wieder aufgebaut. Nach vier Jahren Bau- und Sanierungsarbeiten wird die Burg Ende Juni wieder eröffnet, hat Bürgermeister Sorin Taus unlängst auf einer Pressekonferenz bekanntgegeben. Die vom Kronstädter Kreisrat getragenen Bauarbeiten haben 13,8  Millionen Lei gekostet. Die Ruinen der alten Burg sind von einer Burg-Replik ersetzt worden, die den Anspruch hat, möglichst originalgetreu auszusehen. Die Lokalbehörden hoffen, dass auch diese Burg zur Touristenattraktion wird. „Sie ist für Autofahrer sichtbar, die auf der DN13-Nationalstraße von Kronstadt nach Schäßburg fahren. Mit Sicherheit werden sie anhalten und die Burg besuchen. In unserer Ortschaft gibt es auch andere wichtige Sehenswürdigkeiten: die evangelische Kirche aus dem 13. Jahrhundert und das Studentendenkmal, das an die Schlacht vom 16. Oktober 1612 erinnert. Was die Kirchenburg in Rotbach betrifft, deren Turm leider im vorigen Jahr eingestürzt ist, wollen wir zusammen mit den Vertretern der Evangelischen Kirche einen Projektantrag für Europäische Mittel erstellen, um den Turm wieder aufzubauen“, meint Taus.  

Burgen in Rosenau und Fogarasch werden renoviert

Auch die mittelalterlichen Burgen in Fogarasch und Rosenau werden renoviert. Vor Kurzem gab die Regionale Entwicklungsagentur Zentrum (ADR) bekannt, die Finanzierungen für die beiden Burgen genehmigt zu haben. Für die Rosenauer Bauernburg beträgt die Finanzierung laut Antrag 3,6 Millionen Euro und für die Fogarascher Festung 4,9 Millionen Euro. Im Falle der Rosenauer Bauernburg werden Arbeiten vor allem am oberen Teil vorgenommen, um sie möglichst originalgetreu (wie im 17.-18. Jahrhundert) aussehen zu lassen. Dabei sollen alle von den italienischen Pächtern in den Jahren 2000 bis 2006 illegal vorgenommenen Eingriffe beseitigt werden. „Der Waffenturm und der gotische Turm werden neu aufgebaut. Ebenfalls wird das Tor zum Waffenturm neu errichtet. Anschließend haben wir vor, ein Museum, sowie ein paar Werkstätten für Handwerker zu errichten“, gab Vize-Bürgermeister Liviu Butnariu bekannt. In der Fogarascher Festung, eine der am besten konservierten mittelalterlichen Burgen in Europa, wird man die Türme renovieren, zwei Holzbrücken über den Wassergraben errichten und eine Schmiede in der Burg einrichten. „Nach Beendung der Arbeiten haben wir vor, in der Burg verschiedene Veranstaltungen zu organisieren. Dabei sollen die Touristen für einige Minuten ins mittelalterliche Leben eintauchen“, meint Bürgermeister Gheorghe Sucaciu.

Kommentare zu diesem Artikel

dan, 06.05 2017, 10:20
Hauptsache englische Begriffe.... Lächerlicher Artikel: all´ die genannten Burgen wurden durch die Restaurierung zerstört, doch sagt der Artikel kein Wort darüber.
Mit allen diesen Burgen wurde und wird von einigen wenigen Neureichen und Behördenmitarbeitern illegal Geld verdient, während 90% der Bevölkerung bettelarm ist und bleibt, und vor Armut oft zur Auswanderung gezwungen wird nach Westeuropa oder in die Städte.
Alle die im Artikel genannten Burgen wurden von den Sb. Sachsen erbaut und gehören zu derem Kulturerbe.
Im Artikel kein Wort darüber, wohl aber, daß in Zukunft immer mehr Billiggeld verdient werden soll mit Massenveranstaltungen schlechtester Qualität, so wie sie schon aus Sighisoara, Sibiu, Brasov etc. bekannt sind.
Hauptsache, das sb.sächsische Kulturerbe wird weiterhin zerstört... Nur dass diese dumme Zerstörung dem Land schadet, daran scheint niemand zu denken.
Denn Gebäude, Dörfer und Städte, von denen irgendwann niemand mehr weiß, wer sie und warum erbaut hat, werden dann in Zukunft leer und tot sein, weil niemand sich damit identifizieren kann.
Was ja schon in vielen verlassenen Dörfern der Sb. Sachsen geschehen ist.
Anstatt Kultur, Natur, Traditionen, Geschichtsentdeckung für die, die noch nichts wissen über die Sb. Sachsen erfolgt eine Vernichtung von allem, was an die Sb. Sachsen erinnern kann.

Alle, die an der Zerstörungs-Renovierung dieser Burgen mitgemacht haben, und mitmachen, gehören eingesperrt.
Denn sie verdienen viel Geld, indem sie kaputt machen, und das Land damit um einen Kulturschatz ärmer machen.
Wenn es so weitergeht, wird es irgendwann nur noch Betonburgen, große Parkplätze und Billigtourismus in einem Siebenbürgen ohne Burgen, Wälder und Geschichte geben.
Bravo ADZ, die sowas auch noch unterstützt.

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