Kunst für den Moment

Interview mit dem deutschen Slammer Tobias Kunze

Samstag, 25. Oktober 2014

Tobias Kunze während einer Performance
Bild: Marvin Ruppert

Das erste Internationale Sound & Slam Festival fand in Craiova zwischen dem 16. und 19. Oktober 2014 statt und wurde vom Kulturhaus „Traian Demetrescu“ in Craiova und der Abteilung Literarischer Übersetzer - Bukarest des Rumänischen Schriftstellerverbandes, unter der Schirmherrschaft des „Vereins Craiova Europäische Kulturstadt 2021“ organisiert. Es war das erste Festival dieser Art in Rumänien. Tobias Kunze aus Hannover war einer der neun ausländischen Dichter, die in Craiova aufgetreten sind. Der Schriftsteller Peter Sragher, Präsident der Abteilung Literarischer Übersetzer - Bukarest des Rumänischen Schriftstellerverbandes, stellte dem deutschen Künstler Tobias Kunze einige Fragen.

Du hast nicht nur als Slammer bei dieser erstmaligen Kulturveranstaltung in Rumänien teilgenommen, sondern auch einen Workshop mit Studentinnen und Studenten aus Craiova durchgeführt.

Die Aufgabe war, eine Präsentation zu erarbeiten, aber vor allem den Teilnehmern Slam Poetry näherzubringen und sie selbst einmal Erfahrungen mit Schreiben und Auftreten machen zu lassen. Es war eine große, gemischte Gruppe mit etwas Fluktuation, aber am Ende hat der Kern dieser Gruppe eine tolle Lesung im Club Arcade in Craiova aufgeführt.

Hast du das Gefühl, dass wenigstens einer deiner Studenten diese poetische Richtung wählen würde?

Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen, aber bei vielen ist das Interesse an Slam Poetry geweckt. Es gab in der Gruppe einen Rapper, eine Songschreiberin, eine Lyrikerin und eine Theaterautorin. Slam kann alle diese Richtungen vereinen. Egal in welche Richtung das Talent geht, auf der Slambühne ist jede Textform berechtigt. Sie haben die Wirkung ihrer Texte ausprobiert und sicher gute Erfahrungen gemacht. Das sah man vor allen an dem Spaß, den die Gruppe hatte.

Bei deinem ersten Auftritt, im Kolleg „Carol I“ in Craiova, wurdest du schnell zu einem beliebten Dichter, nachdem du dein Gedicht „Hinterher“ performt hast. Es war ein Enthusiasmus unter den Schülern entstanden. Hast du das gespürt?

Ja, ich habe es gespürt. Ich gebe sehr viel Energie in meinen Performances und gerade bei jungen Leuten, die mich verstehen, bekomme ich sie zurück. Ich habe ein großes Pflichtgefühl und da es mein erster Auftritt in Craiova war, habe ich – auch um etwas Werbung für alles Folgende zu machen – einen meiner besten Texte gewählt.

In deinem letzten Auftritt, in dem Arcade Club in Craiova, hast du auf deine Texte verzichtet und direkt mit drei Musikern improvisiert.

Dies war der späten Stunden geschuldet. Es war Sonntagabend und die Nacht war lang geworden, weshalb ich wieder etwas Energie hineingeben wollte. Ich liebe Improvisation, weil sie die Atmosphäre des Moments und die beteiligten Menschen miteinbezieht. Ich habe spontan Musiker dazu ermuntert, ohne Probe drauf los zu jammen und mich zu rhythmischem Freistil zu begleiten. Es kamen ein Drummer, ein Keyboarder und ein Gitarrist. Zu meiner Überraschung, obgleich ich so etwas auch beabsichtigte, gesellten sich spontan noch zwei Flaschenbläser und ein Chor aus drei jungen Damen hinzu!!! Dies feuerte meine Motivation umso mehr an. Ich habe – in diesem Auftritt – etwas über Craiova, die Reise von Hannover nach Rumänien und über europäische Slam Poetry erzählt, in zwei Sprachen: deutsch und englisch. Vor allem bin ich sehr dankbar für die Einladung zum Festival und über die Bereitschaft der Studenten, diesem Geschehen beizuwohnen. Deshalb gab ich mein Bestes, um zum Abschluss des Festivals ein interaktives Highlight darzubieten. Es war Kunst für den Moment.

Kurz vor dem Craiova Sound & Poetry Festival warst du auf einen Festival in Malawi, wo du auch einen Workshop absolviert hast.

Das war eine ganz besondere Erfahrung. Meine Heimatstadt Hannover hat dort mit Blantyre eine aktive Städtepartnerschaft. Ich war zum ersten Mal in Afrika und hatte anfangs Angst vor dem fremden Land, ob alles klappt und ob ich gesund bleibe. Am Ende waren meine Sorgen unberechtigt. Es war alles deutlich einfacher. Es ist zwar ein armes Land, aber die Leute denken genauso wie wir, können sehr gut Englisch und auch dort gibt es eine große, vielfältige Spoken Word-Szene.

Welches sind deine Zukunftsprojekte?

Als Nächstes trete ich für Hannover bei den deutschsprachigen Meisterschaften in Dresden an und direkt danach geht es nach Madrid. Dort gebe ich Workshops am Lycée Français. Zudem erarbeite ich zusammen mit Poetinnen und Poeten aus Spanien und Frankreich derzeit ein mehrsprachiges Bühnenprogramm namens „beat attitude“ über die – bisher weniger bekannten – Dichterinnen der so genannten Beat Ära.

Erstmals wurde deine Arbeit vom Goethe-Institut unterstützt, welches Partner dieses Festivals war.

Ich habe mich über die Vermittlung sehr gefreut. Ich war bereits in vielen Ländern zu Gast: Estland, Finnland, Russland, Frankreich, Spanien, aber all diese Poesiefestivals waren anderweitig gefördert. In Rumänien wurde zum ersten Mal der Kontakt zum Goethe-Institut hergestellt.

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