Kunsthandwerk im Freilichtmuseum

Rund 200 Teilnehmer nehmen an der Landesphase der Schülerolympiade in Hermannstadt teil

Sonntag, 26. August 2012

Beim Ausmalen der Ikone braucht Andreea Mihaela Năstase eine ruhige Hand.

Dieser Webstuhl kam nach Hermannstadt aus Covasna.
Fotos: der Verfasser

Hermannstadt - Die 17. Auflage der Landesphase der Schülerolympiade für traditionelle Handwerkerkunst füllte die zahlreichen Häuser im Hermannstädter Freilichtmuseum im Jungen Wald/Pădurea Dumbrăvii mit Leben. Kinder und Jugendliche aus mehreren Regionen des Landes wetteifern um den Sieg in den Kategorien Hinterglasmalerei, Herstellung von traditionellen Masken und Puppen, Holzmalerei, Sticken oder Schnitzerei. Für die Besucher des Museums stellt diese Olympiade die seltene Chance dar, nicht nur die typischen Trachten aus verschiedenen Gegenden zu bewundern, sondern auch alle Schritte der Arbeit verfolgen zu können.

Die beliebteste Disziplin bei dieser Olympiade ist die Hinterglasmalerei – in der sich nur wenige Jungen versuchen, da sie Ausdauer, Geduld und eine ruhige Hand fordert. Das Schwerste dabei ist das Ziehen der Konturen. Bewaffnet mit einem dünnen Pinsel und Tusche oder Temperafarben arbeiten die jungen Maler Stunden oder gar Tage bis der erste Schritt auf dem Weg zu einem Kunstwerk gelingt. Dabei dürfen sie nicht vergessen, dass das Bild spiegelverkehrt, auf der Rückseite der Glasplatte, gemalt wird. Das heißt, man muss sich auch im spiegelverkehrten Schreiben üben. Das Ausmalen der nun abgegrenzten Flächen ist der zweite Schritt und verlangt vom Künstler nicht weniger Genauigkeit ab. Am Ende werden zum Beispiel die Heiligenscheine mit einem hauchdünnen Goldblatt unterlegt, das Bild umgedreht und im Rahmen befestigt.

Abgesehen davon, dass Hinterglasmalerei das zeichnerische Talent der Schülerinnen und Schüler fördert, ist sie auch eine Art Therapie, eine Möglichkeit, dem hektischen Alltag zu entkommen, meinen die Lehrer. Manche junge Künstler trennen sich sehr widerwillig von ihren Werken. So zum Beispiel Andreea Mihaela Năstase, Schülerin der 9. Klasse am Bukarester Goethe-Kolleg. Bisher hat sie sich erst einmal entschlossen, eine selbstgemalte Ikone zu verkaufen: Ihr Werk „Die Abnahme vom Kreuz“ schmückt jetzt eine katholische Kirche im italienischen Turin. In diesem Jahr setzte sich Andreea ein ehrgeiziges Ziel: sie malt eine fast einen Quadratmeter große Ikone des Jüngsten Gerichts. Die anderen Teilnehmer an der Olympiade arbeiten zwar auch gerne in der Technik der Hinterglasmalerei, doch erfinden sie ihre Motive selbst. So wie eine junge Künstlerin aus Bistritz/Bistriţa, die eine ganze Geschichte über die Entstehung eines typischen Huts mit Pfaufederschmuck ausgedacht hat.

In die stille und konzentrierte Arbeit der Maler mischt sich das seltene, klappernde Geräusch eines Webstuhls. Mit flinken Händen weben die Mädchen Tischtücher, Teppiche oder Gobelins. In einem anderen Hof verstecken sich im Schatten eines Baums mehrere Schnitzer aus Suczawa/Suceava, die mit Holz und Horn arbeiten. „Bei uns im Norden ist es viel kühler, also haben wir uns ein schattiges Plätzchen gesucht“, erklärt einer der Lehrer ihr Versteck. Das Tor eines weiteren Hofs wird gerade mit den schreckenerregenden Masken aus Jassy/Iaşi geschmückt. Der Künstler ließ es sich nicht nehmen, sie selber anzubringen.

An der diesjährigen Olympiade, die bis Sonntag andauert, nehmen teil rund 200 Schülerinnen und Schüler im Alter von 6 bis 18 Jahren.

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