Kurzer Blick in die Geschichte der Deutschen im Altreich

Buchpräsentation und Ausstellungseröffnung im Schillerhaus

Dienstag, 03. November 2015

Im Gespräch über die Deutschen im Altreich (v.l.): Nicolae Şerban Tanaşoca, Autor Alexandru Ciocâltan, Ionel Cândea, und Dr. Klaus Fabritius
Foto: die Verfasserin

Eine Landkarte von Honterus aus dem 16. Jahrhundert, auf der auch die Stadt Câmpulung Muscel als Langenau eingezeichnet ist, Momentaufnahmen von dem sächsischen Pfarrhaus aus dem 16. Jahrhundert in Câmpulung, eine Karte mit den Wegen in der Region im 19. Jahrhundert, ein gotischer Türrahmen vom Eingang in die evangelische Kirche, Grabsteine mit Inschriften und das einzige Dokument, das in Câmpulung 1525 auf Deutsch verfasst wurde: Durch solche Bilder kann man sich vorstellen, wie das Leben in einer deutschen Gemeinde im Mittelalter im Altreich, also in den rumänischen Fürstentümern Walachei und Moldau, aussah.

Diese und weitere Bilder werden im Rahmen der kleinen Ausstellung „Das Leben der Deutschen im Altreich“ gezeigt, die letzte Woche im Bukarester Schillerhaus eröffnet wurde. Die Vernissage war aber die Nebenveranstaltung: Präsentiert wurde das im Verlag des Museums „Istros“ (Brăila) in rumänischer Sprache erschienene Buch über die deutschen Gemeinschaften südlich der Karpaten (13. -18. Jahrhundert) von Alexandru Ciocâltan. Am Gespräch haben Dr. Klaus Fabritius, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen im Altreich, Nicolae Şerban Tanaşoca, Direktor des Instituts für Südosteuropäische Studien der Rumänischen Akademie, und Univ.-Prof. Ionel Cândea, Direktor des Museums „Carol I.“ in Brăila und der Autor Dr. Alexandru Ciocâltan teilgenommen. Alexandru Ciocâltan betätigt sich als Wissenschaftler am Geschichtsinstitut der Rumänischen Akademie „Nicolae Iorga“. Unter anderem beschäftigt er sich mit ethnischen und konfessionellen Problemen im Mittelalter und der Geschichte der Siebenbürger Sachsen in dieser Periode.
Vergegenwärtigt wurden verschiedene Fakten aus der Geschichte der deutschen Minderheiten außerhalb des Karpatenbogens: Die vorgestellte Studie, das Resultat jahrelanger Forschungsarbeit, hat das Ziel, eine Lücke in der Geschichte zu füllen.

Hervorgehoben wurde das Schicksal der Deutschen in Câmpulung: Durch den Übertretritt zum evangelischen Glauben haben die Sachsen im Altreich ihre eigene Identität bewahrt und dadurch die Verbindung zu den Sachsen in Siebenbürgen gehalten. Die Gegenreformation, die  mit Hilfe der herrschenden Klasse durchgesetzt wurde, hat dazu geführt, dass die evangelische Gemeinschaft in Târgovişte zum Beispiel zum Katholizismus übergetreten ist: Das Verschwinden der Gemeinde erfolgte schließlich durch die Assimilation mit der rumänischen orthodoxen Umgebung.

Am besten dokumentiert ist das Schicksal der sächsischen Gemeinde in Câmpulung. Ursprünglich repräsentierten die Sachsen 20 Prozent der Stadtbevölkerung. Es dauerte zwei Jahrhunderte, bis die Gemeinde aufgelöst wurde: Rund um das Jahr 1640 haben die Sachsen hier ihre Sprache und Konfession verloren. Noch im 17. Jahrhundert identifizieren sich die Sachsen mit Hilfe von Ethnonymen, im 18. Jahrhundert wird meistens der Begriff benutzt, der sich auf die Konfession bezieht. Bewahrt haben sie  andere Elemente der deutschen Kultur, so wie etwa die Tracht. Die Gegenreformation hat die Verbindung zwischen den Sachsen in Siebenbürgen und den Sachsen im Câmpulung zerstört. Diese Bindung war wesentlich für die Bewahrung der deutschen Identität. Eine Quelle aus dem 17. Jahrhundert zeigt, dass die Sachsen in Siebenbürgen jene in Câmpulung nicht als Sachsen betrachten, weil sie die zwei fundamentalen Elemente verloren hatten – die Sprache und die Konfession.

Doch welche Faktoren genau haben die Entwicklung der Deutschen im Altreich beeinflusst? Welches waren die Elemente, mit denen sich die Deutschen aus dem Altreich im Laufe der Zeit  identifiziert haben? Wie hat sich die deutsche Gemeinde entwickelt? Welche Beziehung gab es zu anderen deutschen Gemeinden? Und: Wie sind die deutschen Gemeinden verschwunden? Durch die Studie über die deutschen Gemeinschaften südlich der Karpaten vom 13. bis 18. Jahrhundert versucht Alexandru Ciocâltan diese Fragen zu beantworten. Das Buch kostet 50 Lei und kann über die Internetseite www.muzeul brailei.ro bestellt werden.

Alexandru Ciocâltan: „Comunităţile germane la Sud de Carpaţi in Evul Mediu (Secolele XIII-XVIII)“, Istros-Verlag des Museums Brăila „Carol I”, Brăila, 2015, 517 Seiten

Kommentare zu diesem Artikel

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*