Landwirte mit Absatzschwierigkeiten

Banater Bergland: Milch, Fleisch und Wolle schwer zu verkaufen

Mittwoch, 05. September 2012

Entgegen den landläufigen Eindrücken von Idylle: Schäfer führen ein Leben der Knochenarbeit. Foto: Zoltan Pazmany

Milch wird entweder auf den Bauernmärkten als Frischmilch und Käse verkauft, oder – ein kleiner Teil – von der Käserei in Orawitza aufgekauft. Ansonsten gibt es laut Angaben der Landwirtschaftsdirektion im Banater Bergland aus unterschiedlichsten Gründen keine Firmen mehr, die von den Landwirten Milch aufkaufen.

 Trotzdem, so die Leiterin des Statistikbüros der Direktion für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, Mariana Brujan vor dem Präfekturalkollegium in Reschitza, wird im Banater Bergland nach wie vor relativ viel Milch produziert: in der ersten Jahreshälfte 2012 waren es 520.000 Hektoliter Kuhmilch, 158.000 Hektoliter Schafsmilch und 37.000 Hektoliter Ziegenmilch.

Unorganisierter Absatzmarkt

Auf den Bauernmärkten in Reschitza ist neben frischer Kuhmilch aber bloß Schafkäse in allen Formen (vom Frischkäse, über gesalzenen Käse und geräucherte Schafskäsespezialitäten bis zum Molkenkäse „urda“) sowie Topfen aus Kuhmilch zu haben (selten andere Käsespezialitäten aus Kuhmilch), Ziegenkäse aber so gut wie nie, ganz selten Ziegenmilch. Als Erklärung für diese einseitige Vielfalt gibt die Landwirtschaftsdirektion den unorganisierten Aufkauf- und Absatzmarkt für Frischmilch aller Sorten an sowie die mangelnde Seriosität der Aufkauffirmen, die wegen langfristig hinausgeschobenen Zahlungsterminen ihre Kunden verloren haben.

Selbst die Fabrica de Produse Lactate aus Orawitza und ihr Hauptaktionär, der Kreisrat Karasch-Severin, erwägen die Einstellung der Tätigkeit aus Mangel an Rentabilität und wegen Überschuldung.

Mariana Brujan von der Landwirtschaftsdirektion Karasch-Severin informierte das Präfekturkollegium auch, dass die Landwirte große Probleme mit dem Absatz des Schweine- und Rindfleisches, bzw. von Schlachtvieh haben, weil einerseits die kleinen Schlachthäuser immer rarer werden und andererseits die großen Fleischverarbeiter es vorziehen, Schlachtfleisch in Form von Schweine- und Rinderhälften aus Westeuropa oder aus Polen und Ungarn zu importieren, statt von den Bauern Schlachtvieh aufzukaufen. Importfleisch kommt zudem biulliger zu stehen und ist qualitativ besser (höherer Fleischanteil).

Auch Schafzüchter haben ihre Probleme

Wenn sie es trotzdem tun, so bieten die Schlachthäuser den Landwirten – die in der Regel immer noch in traditioneller Art die Tiere füttern, also ohne Mast- und Treibmittel und auf naturnahe Art – so miserable Ankaufpreise an (etwa für ein mehrere hundert Kilo schweres Mastrind Summen um die 1000-1500 Lei, für die begehrteren Schweine 150-400 Lei), dass den Bauern die Lust ausgetrieben wird, überhaupt noch Schlachtvieh zu halten.

Die Schafzüchter können traditionell meist nur vor Ostern ihre Schlachtlämmer loswerden – und das neuerdings meist in Richtung Italien. Die Italiener haben sich darauf spezialisiert, mit ihren Lastwagen an die Schafhürden der Züchter heranzufahren, direkt auf dem Feld zu wiegen und auch an Ort und Stelle die (meist weit unter dem Marktpreis liegenden, aber durch Masse Kompensation schaffenden) Preise cash zu zahlen – wodurch letztendlich die Preise für Lammfleisch auf dem einheimischen Markt hochgeschraubt werden.

Masthammel werden im Herbst (Oktober) verkauft. Da aber der Handel mit Hammeln in der Hand von drei aus Saudiarabien stammenden Firmen/Familien liegt, die regelmäßig untereinander Preisabsprachen treffen, sind die Schafbesitzer diesen total ausgeliefert. Was einst unter Schafzüchtern die Sicherung des Winterfutters für ihre Herden war ist zu einem zunehmenden wirtschaftlichen Unsicherheitsfaktor geworden und immer wieder besteht die Gefahr, wie vor drei Jahren geschehen, im Spätherbst zu Spottpreisen auch noch Zuchttiere verkaufen zu müssen, um den Rest der Herde mit Winterfutter versorgen zu können, weil der Preis der Masthammel so gering war, dass man die Herde vom Erlös nicht mehr versorgen konnte.

Ähnlich heikel ist die Lage auch mit der Schurwolle. Laut Mariana Brujan befanden sich zu Ende des ersten Jahresquartals 2012 im Banater Bergland noch an die 453 Tonnen Schafwolle von der vorjährigen Schur auf Lager, die wegen ihrer Rauhigkeit (immer noch ziehen die Züchter die traditionellen Schafrassen, wegen ihrer Robustheit und Anspruchslosigkeit, vor und nehmen dafür geringere Milchmengen und deren rauhe, kratzige – manche sagen: die Blutzirkulation anregende - Wolle in Kauf) kaum verkäuflich ist. Selten – alle paar Jahre einmal - kommen Vertreter der Teppichknüpfereien aus dem Orient vorbei und kaufen dann massenweise die Wolle rumänischer Schafzüchter auf. 

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