Landwirtschaft im Zwischenbericht

Eine ziemlich realistische Einschätzung der Ist-Lage im Banater Bergland

Dienstag, 12. September 2017

Nach dem Besuch des PSD-Chefs und Präsidenten der Abgeordnetenkammer, Liviu Dragnea, und des Landwirtschaftsministers Petre Daea auf einer nach kommunistischen Vorbildern organisierten Landwirtschaftsschau in Südrumänien, fühlten sich wohl auch andere Landwirtschaftsdirektionen bemüßigt, vorläufige Bilanzen des Landwirtschaftsjahrs 2017 bekannt zu geben. Auch jene des landwirtschaftlich kaum ins Gewicht fallenden Verwaltungskreises Karasch-Severin. Der Bericht hatte sogar weitgehend glaubhafte realistische Nuancen.
Dass er mitten im Landwirtschaftsjahr veröffentlicht wurde, hat wohl denselben Grund wie die südrumänische landwirtschaftliche Selbstbeweihräucherung der PSD-Größen mitten im August: die Bilanz der Frühjahrssaaten, vor allem Mais und Sonnenblumen, deren Ernte gerade erst beginnen sollte, fällt wegen der langanhaltenden Dürre schlecht bis katastrophal aus – also lieber ein positiver Zwischen-, als ein besorgniserregender Endbericht.
Im Banater Bergland sind in diesem Jahr 81.299 Hektar bestellt worden. Das sind mehr als in anderen Jahren, aber insgesamt bloß 63 Prozent der gesamten landwirtschaftlich nutzbaren Fläche. Als absolute Zahl sieht die Landwirtschaftsdirektion diese Ziffer trotzdem positiv, denn es ist auf alle Fälle mehr als in anderen Jahren.

Nach wie vor nehmen, mit über 40.000 Hektar, Weizen und Mais die größten Flächen im Banater Bergland ein. Sie machen 47 Prozent aller Kulturen aus. Es folgen die Futterpflanzen und die Ölfrüchte, Raps und Sonnenblumen. Gemüse und Kartoffeln wurden 2017 im Banater Bergland auf neun Prozent der kultivierten Fläche angebaut. Damit ist das Banater Bergland weiterhin von Zulieferungen mit Gemüse aus anderen Verwaltungskreisen (vor allem Oltenien) angewiesen, und Kartoffeln müssen weiterhin aus den beiden Szekler Verwaltungskreisen Siebenbürgens und aus der Bukowina herangeschafft werden. Durch die nicht unbeträchtlichen Transportkosten sind diese Produkte im Banater Bergland teurer als anderswo. Dasselbe gilt etwa für Zucker- und Wassermelonen, die kaum aus den Anbaugemeinden der Banater Ebene, dafür etwa aus dem Raum Calafat in Oltenien herbeigekarrt werden.

Die Ernte der Wintersaaten war, wie überall im Land, auch im Banater Bergland ausgezeichnet (selbst im Vergleich zu jenen auf überdüngten und chemisch behandelten Flächen in kommunistischer Zeit): Weizen – 5284 kg/ha im Durchschnitt, Roggen – 3761 kg/ha, Gerste – 4428 kg/ha, Braugerste – 4189 kg/ha, Triticale – 3162 kg/ha, Raps – 2666 kg/ha. Betont wird seitens der Landwirtschaftsdirektion in Reschitza, dass diese Ernten „trotz kapriziöser klimatischer Verhältnisse“ erzielt wurden. „Kapriziös“, das durchaus der Realität entspricht, hat wohl auch einen Präventivcharakter: Die Ernte bei den Frühjahrssaaten – vor allem Mais und Sonnenblumen – kündigt sich auch im Banater Bergland als schlecht an. Das dürfte mit ein Grund sein, warum sowohl Dragnea und Daea, als auch die Landwirtschaftsdirektion Karasch-Severin ihre Bilanz jetzt ziehen, bevor die Ernte der Frühjahrssaaten abgeschlossen ist. Denn die Durchschnittserträge dürften wegen der Langzeitdürre auf unbewässerten Flächen alles andere als Grund zum Triumphieren liefern. Wie allerdings Dragnea bei seinem Selbstbeweihräucherungsbesuch im heimatlichen Südrumänien draufgekommen ist, bereits Mitte August von Rumänien als „drittgrößtem Sonnenblumenproduzenten der EU – nach Frankreich und Deutschland“ – zu sprechen, das dürfte, wie vieles andere bei ihm, sein Geheimnis bleiben, wenn er sich nicht auf lange zurückliegende oder noch bevorstehende Jahre bezogen hat.
Der Bericht aus Reschitza ist da wirklichkeitsnäher: „Die Alternanz von Dürreperioden und Wochen mit Hundstagen hat spürbar vor allem die Frühjahrssaaten, und unter diesen vor allem den Mais und die Sonnenblumen, negativ beeinflusst, was bewirkte, dass diese heute auf weiten Flächen schwer betroffen sind.“

Als „negativsten Aspekt“ bezeichnet der Bericht der Landwirtschaftsdirektion Karasch-Severin „die 37 Prozent unbebautes Ackerland“ im Banater Bergland, das sind etwa 45.000 Hektar. „Diese Fläche ist großteils im Besitz von Kleinbauern“, schreibt die Landwirtschaftsdirektion mit Unterschrift ihres Generaldirektors, Marius Zarcula. „Aber leider befindet sich unter jenen, die ihr Feld nicht bebauen, auch ein Großgrundbesitzer, ein Ausländer, der sich vorwiegend mit dem Handel mit Ackerland beschäftigt. Ihn interessiert der immer lukrativere Kauf und Verkauf von Grund und Boden mehr, als dessen Kultivierung.“ Sein Name wird nicht genannt. Zu den von der Dürre betroffenen Flächen gehören auch die Naturweiden und Heuwiesen. „Langanhaltende Dürre im Wechsel mit Hundstagen haben die natürlichen Wiesen und Weiden stark in Mitleidenschaft gezogen“, sagt der Bericht. „Allein das Vorhandensein ausgedehnter Wiesen und Weiden, mit hochqualitativen Gräsern, hat es ermöglicht, dass trotz sich immer häufiger wiederholender Dürreperioden der Weideviehbestand verdoppelt wurde.“

Weniger optimistisch ist die Aussage zur Obstbaumzucht: „Von den 11.200 Hektar Obstplantagen werden nur 4443 abgeerntet. Die restlichen sind entweder Jungpflanzungen oder nicht mehr gepflegte alte Pflanzungen, die allmählich zugrunde gehen. Die noch fruchtenden Pflanzungen sind allerdings kaum hochproduktiv“, heißt es weiter. Bezüglich des Weinbaus steht das Banater Bergland nach Auflösung der staatlichen Weingüter in Tirol/Königsgnad und im Raum Neumoldowa weiterhin wenig glänzend da. 787 Hektar werden von der Landwirtschaftsdirektion noch als Weingärten geführt, von denen 570 Hektar als tragende Weingärten gelten. Zum Großteil seien sie mit veredelten Sorten besetzt, heißt es im Bericht, „kleine Flächen von hybriden Sorten“. Letztere gäbe es vor allem in Privatgärten im Raum Neumoldowa – die allerdings bekannt sind für ihre ausgezeichneten Rotweine, muss hinzugefügt werden.
Zuletzt gibt die Landwirtschaftsdirektion bekannt, dass auf die Aufforderung des Ministeriums für Landwirtschaft und Ländliche Entwicklung (MADR) und aufgrund der beharrlichen Werbeaktionen der Landwirtschaftsdirektion Karasch-Severin sich neun Interessenten gemeldet haben, die in öffentlich-privater Partnerschaft Gemüse- und Obstlager mit Kühlanlage und Gasatmosphäre bauen möchten, sowohl als Zwischen-, als auch als Langzeitlager.

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