Landwirtschaft nach deutschem Muster

BanatFarming bewirtschaftet seit zehn Jahren Agrarflächen in Westrumänien

Dienstag, 09. August 2016

Marcel Wiesehoff ist der Geschäftsführer von BanatFarming.

Am Standort in der Nähe von Orawitza: Das Getreide wird in acht Silos gelagert.

Sojaanbau bei BanatFarming Fotos: Andreea Oance

Er war gerade mal 31 Jahre alt, als er damals, vor elf Jahren, nach Rumänien kam, um sich über Möglichkeiten zu erkundigen, hierzulande in der Landwirtschaft tätig zu werden. Wenn Marcel Wiesehoff heute an die Anfänge der BanatFarming-Gruppe denkt, muss er lächeln: „Es hat am Anfang schon Momente gegeben, wo ich ans Aufgeben gedacht habe“, gesteht er. Diese Augenblicke kamen aber eher selten vor – dafür war die Motivation, weiterzumachen, das Geschäft stets weiterzuentwickeln, viel stärker. Dass es sich gelohnt hat, ist nicht zu übersehen: Marcel Wiesehoff ist heute ein erfolgreicher Landwirt. Das Agrarunternehmen „BanatFarming“, dessen Geschäftsführer er ist, bewirtschaftet aktuell 5.500 Hektar Ackerboden in Rumänien – hinzu kommt ein Schweinemastbetrieb mit 8000 Mastschweinen pro Serie, der vor eineinhalb Jahren ins Leben gerufen wurde.

„Ich habe mich damals für Rumänien entschlossen, weil es hier Flächen gab, die bewirtschaftet werden konnten. Auch die Mentalität der Menschen hat mir gefallen – die Leute waren sympathisch und offen“, sagt Marcel Wiesehoff, der nach Abschluss seines Landwirtschaftsstudiums in Stuttgart-Hohenheim mit dem Gedanken spielte, sich selbstständig zu machen. Auch das Klima war ein sehr gutes: „Es gibt viel natürlichen Niederschlag im Banat“, erklärt Wiesehoff. Da die Aussichten in Deutschland, auf dem kleinen Hof im Sauerland, wo Marcel Wiesehoff herkam, nicht so rosig waren, entschied er, nach Osteuropa zu gehen. Hier bereiste er Ungarn, Tschechien und Rumänien, auf der Suche nach einem Standort für sein künftiges Geschäft.

 

Langjährige Brachflächen aufgedüngt

Nachdem die Entscheidung für Rumänien gefallen war, wollte er anfangs, auf klassischer Art, die Agrarflächen pachten. „Ich habe aber relativ schnell festgestellt, dass durch diese kleine Flächenparzellierung, die es im Banat seit der Zeit von Maria Theresia gibt, es sehr schwierig ist, größere Pachtflächen zusammenhängend zu bekommen“, sagt Marcel Wiesehoff. Hinzu kam ein weiteres Problem: Da die meisten Böden viele Jahre brach gelegen waren, mussten diese zunächst wieder urbar gemacht werden. „Es gibt hier ein sehr saures Milieu – der pH-Wert ist also sehr niedrig. Anderseits gibt es keinen Phosphor und kein Kali im Boden. Es ist eine teure und zeitaufwändigen Geschichte, die Böden wieder aufzudüngen“, erklärt Dr. Marcel Wiesehoff. Pachtverträge für mehr als fünf-sechs Jahre waren nicht möglich, der Boden selbst hätte drei-vier Jahre bearbeitet werden müssen, um sein größtes Ertragspotenzial zu erreichen. Somit war es rentabler, die Flächen aufzukaufen. Das Geschäft von Marcel Wiesehoff begann mit 500 Hektar Boden im südwestlichen Banat. Als er vor zehn Jahren hierher kam, waren die meisten Flächen unbebaut. Schaut man sich heute um, so merkt man, dass der Boden in der relativ ebenen  Orawitzaer Senke bewirtschaftet wird. Einen großen Beitrag dazu hat die BanatFarming-Gruppe geleistet.

Aktuell besitzt BanatFarming 4.800 Hektar Boden, weitere 1000 Hektar sind dazugepachtet. Zwei Karten hängen an der Wand im BanatFarming-Büro im Zentrum von Orawitza. Darauf sind alle Flächen zu sehen, die das Unternehmen bewirtschaftet. „Das sind meine wichtigsten Karten. Darauf schauen wir immer, wie wir die Flächen tauschen oder arrondieren können“, erklärt Marcel Wiesehoff. Die gelben Flächen auf der Karte links sind Eigentum von BanatFarming – auf der Karte rechts sind alle Flächen eingetragen, die das Unternehmen bewirtschaftet. Zwei Standorte besitzt das Unternehmen im Banat: Neben Orawitza gibt es auch noch in Großscham/Jamu Mare im Kreis Temesch Flächen, die das Unternehmen bewirtschaftet. „Dort konnten wir etwa 900 Hektar am Stück erwerben. Der Preis war damals, 2007, zwar sehr hoch, doch das war es uns wert, denn wir konnten großflächig bewirtschaften. In Großscham besitzen wir 1200 Hektar“, sagt Marcel Wiesehoff. Vor drei Jahren übernahm die Firma eine altes Getreidedepot mit Zuganbindung. Nachdem die Bahnlinie wieder autorisiert wurde, konnten da Züge mit Getreide und Ölsaaten verladen werden. „Wir haben letzte Woche einen Zug Raps verladen, der nach Italien ging“, sagt Marcel Wiesehoff. „Morgen geht ein Zug zu Coceral Dolj nach Konstanza“, fügt er hinzu. „Wir verkaufen in der Regel an Händler, hier vor Ort. 80 Prozent der Ware geht an Händler aus Rumänien“, sagt der Unternehmer.

 

Jüngstes Projekt: Schweinemast- und -zuchtbetrieb

Angebaut werden Gerste, Weizen und Raps als Winterungen, zu den Sommerungen gehören Sonnenblumen, Soja, Sorghum und Mais. Am meisten wird Weizen angebaut. Prozentuell gesehen, sieht das bei BanatFarming etwas so aus: 40 Prozent der Flächen sind mit Weizen bebaut, 10 Prozent mit Gerste und 15 Prozent mit Raps. „Die Erträge waren bei Raps phänomenal gut. In diesem Jahr wurden 4,3 Tonnen pro Hektar geerntet“, berichtet Marcel Wiesehoff. Im vergangenen Jahr wurden nur 1,5 Tonnen Raps pro Hektar geerntet – der Raps starb im Winter ab, weil permanent Wasser auf den Flächen lag. „Raps ist eine Kultur, die immer sehr stark schwankt“, erklärt der Landwirt.

In diesem Jahr lagen die Erträge bei Weizen bei 6 Tonnen pro Hektar, was eine Steigerung im Vergleich zum Vorjahr (5,5 Tonnen/Hektar) darstellt. Auch die Qualität des Weizens ist sehr gut in diesem Jahr, sagt Marcel Wiesehoff. Die schwache Weizenernte in Frankreich soll auch auf BanatFarming einen Einfluss haben. „Wenn viel Futter auf dem Markt ist und wenig Qualität, dann steigen auch die Preise. Die Preise an der Pariser Börse, an der Matif, sind für uns entscheidend“, sagt Marcel Wiesehoff. „Den Maisanbau haben wir stark reduziert. Er wird nur angebaut, um an die Schweine verfüttert zu werden“, sagt Marcel Wiesehoff. Die BanatFarming-Gruppe arbeitet ohne Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen. 

Aktuell beschäftigt BanatFarming 60 Mitarbeiter. „Außer zwei-drei Personen hat in zehn Jahren keiner gekündigt“, sagt Marcel Wiesehoff. „Wir haben sehr gute Mitarbeiter hier“, freut sich der Unternehmer. Für ihn ist es wichtig, dass die Leute fleißig ihrer Arbeit nachgehen und sorgfältig mit den Maschinen umgehen. Immerhin sind die Mitarbeiter für Landwirtschaftsmaschinen zuständig, die mehrere hunderttausend Euro das Stück kosten. Dass eine Maschine bei der Ernte ausfällt, sei natürlich nicht wünschenswert, sagt der Unternehmer. 

Das jüngste Projekt der BanatFarming-Gruppe ist ein Schweinemastbetrieb bei Orawitza. Dieser wurde eröffnet, nachdem Marcel Wiesehoff die Marktlage genau unter die Lupe genommen hatte. Gründe, die für ein solches Unterfangen sprachen, gab es viele. „Bei den Schweinen haben wir in Rumänien einen Selbstversorgungsgrad von 40-50 Prozent. Das könnte aber noch schlechter werden, weil die Subsistenzlandwirtschaft zunehmend aufhört“, erklärt Wiesehoff. „Zum Einen ist das ein sehr guter Markt, weil das Schweinefleisch hier nachgefragt wird, andererseits haben wir sehr günstiges Futter für die Schweine“, fügt er hinzu. Bis zu 70 Prozent des Futters für die Schweine wird in eigener Regie hergestellt – der Rest wird dann von woanders zugekauft. Sojaschrot und Zuckerrübenschnitzel werden, zum Beispiel, aus dem nahen Serbien erworben, um an die Schweine verfüttert zu werden.

Seit Anfang des Jahres werden also bei Orawitza (wieder) Schweine gemästet. Die Ferkel werden aktuell in Deutschland gekauft und nach Rumänien gebracht. „Wir sind gerade dabei, an zwei Standorten neue Ställe zu bauen, wo wir die Ferkel selbst züchten“, sagt Marcel Wiesehoff. Zur Zeit ist das Unternehmen auf der Suche nach Mitarbeitern. Diese werden drei Monate lang auf einem Schweinezuchtbetrieb in Deutschland ausgebildet und kehren dann nach Rumänien zurück.

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