Leben solange die Minderheit lebt

„Banater Zeitung“ feierte 20. Geburtstag mit Podiumsdiskussion

Dienstag, 19. November 2013

Hat die ADZ in seiner Browser-Favoriten-Liste gespeichert: Der Konsul der Bundesrepublik Deutschland in Temeswar, Rolf Maruhn, sieht in der BZ eine unentbehrliche Informationsquelle.

Die deutschsprachige Presse verbindet, wo geografische Entfernungen trenen: ADZ-Chefredakteurin Rohtraut Wittstock gratulierte der Redaktion der „Banater Zeitung“ zum Geburtstag.
Fotos: Zoltán Pázmány

Ginge es nach Siegfried Thiel, hätte die Presse einer Minderheit kaum mit Nachteilen zu kämpfen. Seit 1993 arbeitet er für die „Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien“ (ADZ) sowie der wöchentlich erscheinenden Beilage „Banater Zeitung“ (BZ). Thiel hat sowohl als Redakteur als auch als Chef vom Dienst Höhen und Tiefen erlebt. Und trotz des Bevölkerungsschwunds der deutschen Minderheit aus Rumänien bleibt er ein Optimist. Er glaubt an den Fortbestand einer deutschsprachigen Zeitung in Rumänien unter der Voraussetzung, dass sie sich nicht ausschließlich an die verbliebenen Rumäniendeutschen richtet, sondern auch an die Zugewanderten sowie an die zunehmend nichtdeutsche Jugend, die Deutsch in den Schulen lernt.

Weniger optimistisch zeigte sich Goran Mrakic, Redakteur des serbischen Wochenblattes „Nasa Rec“, weil die Zahl der Leser schwindet und die Zeitung auf staatliche Fördergelder angewiesen bleibt. Was ihn als Redakteur zudem frustriert, ist die kleine Leserschaft. Oft werden gut geschriebene, gut recherchierte Artikel kaum beachtet, weil sie nicht in der Sprache der Mehrheitsbevölkerung geschrieben wurden. Auch Zoltán Pataki von „Nyugati Jelen“ sieht die Zukunft schwarz: Die ungarische Tageszeitung wird nicht vom Staat subventioniert und muss darum mit wirtschaftlichem Druck und gegen sinkende Auflagen kämpfen.

Selbstreflexion zum Geburtstag

Seit inzwischen 20 Jahren erscheint die „Banater Zeitung“ als Beilage in der „Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien“. Das runde Jubiläum feierte die Redaktion am 13. November im Festsaal des Adam-Müller-Guttenbrunn-Hauses, dem Sitz des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat – dem Herausgeber der Wochenbeilage. Im Rahmen der Festveranstaltung fand eine zweistündige Podiumsdiskussion zum Thema „Vor- und Nachteile der Minderheitenpresse“ statt. Der langjährige Chefredakteur der BZ, Werner Kremm, moderierte die Gesprächsrunde, zu der Vertreter der serbischen sowie ungarischen Presse aus dem Banat eingeladen wurden. Auch Ştefan Both, Redakteur der rumänischen Tageszeitung „Adevărul“, nahm an der Podiumsdiskussion teil. „Ich schreibe zwar für die rumänische Mehrheitsbevölkerung, aber ich bin auch Angehöriger einer Minderheit“, so Both. Er sei nicht nur zur Hälfte Ungar, sondern er hätte auch eine deutsche Großmutter gehabt. Darum bestünde eine gewisse Verbundenheit zu den Kollegen von den Minderheiten, bei denen sich der Journalist oft nach interessanten Themen umhört.

Große Unterschiede zwischen ihm und einem Journalisten wie Thiel gibt es nicht. Die Probleme, die auch die Presse im deutschsprachigen Raum in den letzten zehn Jahren zu bewältigen hatte, plagen auch rumänische Verlagshäuser. Die wachsende Bedeutung des Internets zwingt viele, vom Print auf Online umzusteigen, was sich auch auf die Qualität der Arbeit auswirkt. „Wie schafft ihr es überhaupt noch, anspruchsvolle Artikel zu schreiben“, wollte Both von seinen Kollegen aus der Minderheitenpresse wissen. Schließlich würden sich nur noch Sensationsblätter verkaufen. Als Beispiel führte er die Boulevardzeitung „Click“ an, für die der Redakteur gelegentlich einen Beitrag schreiben muss. „Skandale sind für unsere Leserschaft uninteressant“, entgegnete Kremm. Die BZ könnte nicht bestehen, würde sie auf ein Format wie „Click“ umsteigen. Das würde die Leser vergraulen.

Leser bestimmt die Zukunft

Und die Leser haben immer das letzte Wort, das betonte Thiel. Als es vor einigen Jahren darum ging, aus der „Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien“ ein Wochenblatt zu machen, seien die Leser auf die Barrikaden gegangen. Der Aufschrei war so groß, dass das Demokratische Forum der Deutschen eine Kehrtwende machte. „Unsere Leser wussten, dass etwas verloren geht“, so Thiel.

Was in den Minderheiten heute verloren geht, ist besonders die Sprache, findet Mrakic. Darum sei es umso wichtiger, dass man als Zeitung die Hochsprache pflegt. Es sei die wichtigste Rolle eines Minderheitenblattes. Sie sei, so der Redakteur, die letzte Hochburg zur Bewahrung der Schriftsprache und darum müsste man auch Erziehungsarbeit leisten. Seiner Meinung schloss sich auch Zoltán Pataki an. Zwar gebe es im Ungarischen nicht viele Dialekte, es sei eine sehr einheitliche Sprache, die konstant geblieben ist, aber wenn er sich den Kommentarbereich auf der Onlineseite der „Nyugati Jelen“ durchliest, stellt er mit Sorge eine Qualitätsminderung des sprachlichen Ausdrucks fest.

Trotz der schwierigen Zeiten, in denen die Leserschaft zunehmend altert und das Interesse der Jugend für Zeitung und Print schwindet, wollte keiner der Redakteure seine Zeitung abschreiben. Stefan Both fürchtet allgemein um die Presse, weil immer mehr Kollegen aufgrund des finanziellen Drucks dem Beruf den Rücken kehren. Das Rezept für einen erfolgreichen Fortbestand der Minderheitenpresse beinhaltet stets die Beteiligung der Jugend.

Deutsche Zeitung verbindet die Minderheit

An der Jubiläumsveranstaltung der „Banater Zeitung“ nahm auch die ADZ-Chefredakteurin Rohtraut Wittstock teil. In ihrer Ansprache vor der Podiumsdiskussion unterstrich sie, dass es nicht ausschließlich ein Fest für die Zeitung und die Redaktion sei, sondern auch für die Leser selbst. Denn die „Banater Zeitung“ wird nicht ausschließlich im Banat gelesen, sondern auch in den anderen Gebieten des Landes, wo es noch eine deutsche Minderheit gibt. Und das sei das Besondere einer deutschsprachigen Zeitung, sie verbindet dort, wo geografische Entfernungen trennen. Die „Allgemeine Deutsche Zeitung“ sowie die darin enthaltenen Wochenbeilagen, die BZ und die „Karpatenrundschau“, erfüllen somit eine Brückenfunktion.

Der Vorsitzende des Banater Forums, Karl Singer, resümierte die 20-jährige Geschichte der „Banater Zeitung“ in drei Worten. In den Anfängen hätte man von einem Entstehen gesprochen, dann ging es um das Stehen und heute müsste man sich mit dem Bestehen auseinandersetzen.

Und der Bestand wird durch treue Leser gesichert, die auch die Onlineseite der ADZ, wo auch die „Banater Zeitung“ eine Unterseite besitzt, bei den Favoriten im Browser speichern. Ein solcher treuer Leser ist der Konsul Rolf Maruhn, der der deutschsprachigen Zeitung die Rolle eines Nachrichten- und Dokumentationsdienstes zuspricht. Und besonders die BZ war für ihn als Neuankömmling eine unentbehrliche Informationsquelle. Maruhn schloss sich auch Wittstocks Meinung an: Die „Banater Zeitung“ ist nicht nur eine Plattform zur Vereinigung der Minderheit, sondern auch eine Brücke zu den zugereisten Deutschen.

Kommentare zu diesem Artikel

Armin, 22.11 2013, 12:39
Eine mögliche Geschäftsfelderweiterung wäre der werbefinanzierte Druck von Broschüren mit Informationen für Neubürger.

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