Leben und leben lassen

Oder von tierischen Menschen und viel zu menschlichen Tieren

Montag, 24. September 2012

Foto: sxc.hu

Feuer ist heiß, Wasser ist nass. Wilde Tiere sind gefährlich, wenn man sie angreift. Das scheint aber zumindest drei Männern aus der Ortschaft Moroieni im Kreis Dâmboviţa nicht bewusst gewesen zu sein. Die Auseinandersetzung mit einem Bären endete für einen der Bewohner tödlich.

Nachdem der 63-jährige Möchtegernjäger sein Territorium zu einer großen Falle umgestaltet hatte, gelang es ihm tatsächlich einen Bären zu fangen. Der heldenhafte Mann ging nur mit einer Hacke bewaffnet auf den „König des Waldes“ los, der nach letzten Erkenntnissen seit drei Tagen in der Falle steckte. Erstaunlicherweise ließ sich der Bär nicht bereitwillig abschlachten und wehrte sich. Die Schlacht zwischen Wild und Zivilisiert ging nicht zu Gunsten des Letzteren aus: der Angreifer erlag den Verletzungen.

Erstaunlich ist in dieser ganzen Geschichte nicht ihr tragischer Ausgang, sondern die an die Dummheit grenzende Naivität der Dorfbewohner. Die Gemeinde Moroieni liegt in unmittelbarer Nähe der dicht bewaldeten südlichen Ausläufer der Karpaten. Bären gehören in diese Gegend wie sie für viele Westeuropäer in die Märchen gehören. Man hätte also denken müssen, die Dorfbewohner kennen sich mit diesen wilden Tieren aus. Welcher Mensch, im Besitz seiner geistigen Kräfte, würde auf einen in der Falle steckenden Bären losgehen? Auch gefangen und womöglich verletzt, hat das Tier eben „Bärenkraft“.

Nun wird die Tat des Bären, die im Falle eines Menschen als Selbstverteidigung eingestuft wäre, als Mord verschrien. Der „Mörderbär“ taucht in allen Nachrichtensendungen auf und blickt von vielen Zeitungsseiten. Mehr noch, jetzt wird das höchstwahrscheinlich verletzte Tier zwecks „Bestrafung“ gejagt. Es ist bereits der Zweite in der Gegend. Der erste schuldige Bär wurde schnell gefunden und erlegt. Nachdem die Tierärzte den Tierkadaver untersucht haben, stellten sie Tollwut fest. Im Fall von Moroieni gibt es noch keinen Bärenkadaver und somit keinen Verdacht auf Tollwut, dafür aber genügend Gründe, am psychischen Zustand des leider verstorbenen Menschen zu zweifeln.

Im Jahr 2006 zog ein unerwünschter Gast aus Österreich begleitet von großem medialen Interesse durch das schöne Land Bayern. Der Bär Bruno wurde am Ende seines etwas chaotischen Spaziergangs auch erschossen. In bayerischen Wäldern tummeln sich jedoch eher bayerische Löwen als Bären. Der letzte deutsche Bär soll 1835 in Ruhpolding, in Oberbayern, erlegt worden sein. Und die Rumänen scheinen ebenfalls an diesem lobenswerten Projekt zu arbeiten. Man sollte nicht vergessen, dass Bären in erster Linie pflanzliche Nahrung zu sich nehmen. Gut, eigentlich fressen sie alles, aber die Pflanzen und Beeren wehren sich nicht.

Der Mensch dringt weiterhin, ungeachtet der Verluste und Folgen, in den ursprünglichen Lebensraum der entthronten Könige der Wälder ein. Manchmal, wenn das Wetter wie dieses Jahr übel mitspielt und das Fressen nicht ausreicht, kommen die Bären in die Täler. Denn sich freiwillig mit den Menschen zu treffen wollen nicht einmal sie. Ihnen sind der gemeine Charakter und die mörderische Begabung der Menschen schon seit Jahrhunderten bekannt. Das Territorium, das der Mensch als „Eigentum“ betrachtet, schützt er mit vielfältigen Mitteln. Doch der hungrige Magen ist bekanntlich ein schlechter Ratgeber.

Gewiss wird die Ermordung auch dieses oder eines ähnlich aussehenden Bären nicht die Ruhe in die Dörfer am Rande der Karpaten bringen. Die Bären werden gezwungenermaßen auch nächstes Jahr kommen, sollte der Sommer wieder so trocken sein. Und der Mensch wird sie töten oder zu töten versuchen. Nächstes Mal wahrscheinlich besser bewaffnet, als nur mit einer Hacke. Es stellt sich demnach die Frage, wann Rumänien ein bärenfreies Land wie Deutschland sein wird.

Kommentare zu diesem Artikel

sraffa, 25.09 2012, 12:38
Noch immer ist die Rumänische Gesellschaft Vorbild hinsichtlich des nachhaltigen Respektes vor der Natur; die Existenz der vielen Carnivoren in dieser Natur ist Beweis. Da dies aber nicht so bleiben wird sollte schon jetzt ein umfassendes nachhaltiges Öko-Management des Umganges mit dieser Natur aufgesetzt werden.

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