Leistungsbilanzdefizit steigt um 45 Prozent

Wechselkurs am Montag auf historischem Tief / Ausländische Direktinvestitionen legen im September zu

Mittwoch, 15. November 2017

Bukarest (ADZ) - Das Leistungsbilanzdefizit ist im Zeitraum Januar bis September 2017 verglichen zu demselben Zeitraum im vergangenen Jahr um 45 Prozent von 2,885 Milliarden Euro auf 4,191 Milliarden Euro angestiegen. Dies kündigte die Nationalbank (BNR) am Montag an. Der Anstieg geht hauptsächlich auf das erhöhte Defizit im Warenhandel – 8,187 Milliarden Euro gegenüber 6,487 Milliarden Euro in den ersten drei Quartalen 2016 – zurück, wobei auch der Überschuss bei Sekundäreinkommen (private Transfers und Transfers der öffentlichen Verwaltung) um 210 Millionen Euro kleiner ausgefallen ist (1,788 Milliarden Euro gegenüber 1,998 Milliarden Euro im Vorjahr). Eine gegensätzliche Entwicklung wurde bei den anderen beiden Komponenten, welche die Leistungsbilanz ausmachen, verzeichnet. Das Defizit bei den Primäreinkommen (Einkommen unter anderem aus Investitionen, Finanzaktiva, Steuern und Subventionen) ging von 4,172 Milliarden Euro im Zeitraum Januar-September 2016 um 562 Millionen Euro auf ein Minus von 3,610 Milliarden Euro im entsprechenden Zeitraum dieses Jahres zurück. Der Überschuss in der Dienstleistungsbilanz stieg leicht um 42 Millionen Euro auf 5,818 Milliarden Euro.

Vergangene Woche erklärte Nationalbank-Gouverneur Mugur Isărescu, dass das Defizit im Außenhandel weiterhin Druck auf den Wechselkurs ausüben werde. Dieser verzeichnete am Montag auch ein historisches Minimum von 4,6495 Lei für einen Euro – knapp über dem Wert von 4,6481 Lei für einen Euro im Sommer 2012. Die Wirtschaftsplattform economica.net zitiert den BCR-Chefökonomen Horia Braun, der aussagt, dass „momentan nicht von einer alarmierenden Entwicklung des Wechselkurses gesprochen werden kann, zumal Mugur Isărescu kürzlich angegeben hat, dass der Leu flexibler sein werde.“ Eine jährliche Entwertung zwischen null und drei Prozent sei normal, der Kurs habe lange um den Wert von 4,6 Lei pro Euro verharrt, nun suche der Leu ein neues Gleichgewicht. Der Präsident von BCR Pensii Radu Crăciun sowie andere Experten weisen darauf hin, dass die ausländische Direktinvestitionen das Defizit der Leistungsbilanz nicht mehr abdecken, weswegen eine weitere Abwertung des Leu wahrscheinlich ist, möglicherweise bis auf etwa 4,7 Lei für einen Euro gegen Ende des Jahres.

Die ausländischen Direktinvestitionen lagen laut BNR-Daten zwischen Januar und September 2017 bei 3,352 Milliarden Euro, leicht höher als in demselben Zeitraum im Vorjahr (3,307 Milliarden Euro). Zwar verzeichneten die Direktinvestitionen einen deutlichen Anstieg im September (für den Zeitraum Januar-August 2017 gab die BNR einen Wert von 2,518 Milliarden Euro an), liegen aber anders als im vergangenen Jahr dennoch unter dem Defizit in der Leistungsbilanz. Die gesamten Auslandsschulden Rumäniens stiegen von Anfang Januar bis Ende September dieses Jahres um 294 Millionen Euro auf 93,204 Milliarden Euro.

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