Leitung des Kulturinstituts tritt aus Protest zurück

Patapievici: Neue Agenda des ICR nationalistisch, nicht europäisch

Donnerstag, 02. August 2012

Bukarest (ADZ) - Die Leitung des Rumänischen Kulturinstituts (ICR) um Direktor Horia-Roman Patapievici will am Donnerstag geschlossen zurücktreten, nachdem das Verfassungsgericht am Dienstag die von der Regierung beschlossene neue Schirmherrschaft des Senats über das Institut für verfassungskonform befunden hatte. Bisher war das ICR bekanntlich dem Staatsoberhaupt unterstellt gewesen, die Regierung unter Premier Ponta hatte Patapievici jedoch „Propaganda“ für den zurzeit suspendierten Staatschef vorgeworfen.

Patapievici kündigte den Rücktritt der gesamten ICR-Leitung bereits am Dienstag an, nachdem das Finanzministerium das diesjährige Budget des Instituts um ein Drittel kappen ließ und die Regierung auf Empfehlung des Kulturressorts zudem eine umgehende Kursänderung verordnete: Das Rumänische Kulturinstitut habe ab sofort die „vernachlässigte“ nationale Identität der Auslandsrumänen zu fördern – dies bedeute, dass die bisherige europäische Agenda durch eine nationalistische ersetzt und das Institut faktisch in eine „Propaganda-Agentur“ umgewandelt werde, erläuterte Patapievici.

Gegen einen derartigen Kurs des ICR hatten jüngst bereits die Literatur-Nobelpreisträger Herta Müller, Elfriede Jelinek und Tomas Tranströmer protestiert. Der rumänische Schriftsteller Mircea Cărtărescu geißelte am Dienstag den von den Machthabern begangenen „Kulturmord“.

Kommentare zu diesem Artikel

Helmut, 03.08 2012, 13:22
Auf Grund eigener Erfahrungen konnte ich feststellen,daß nicht alle Kulturinstitute im Ausland ,ihren Aufgaben nach gekommen sind.Das sich nicht nur Diktaturen, in die Politik von Kultur und Kunst einmischen zeigen zahlreiche Parlamentsdebatten aus den verschiedenen Ländern Europas(TV-Übertragungen).Einmalig in Europa,daß ein Staatspräsident für die Kulturinstiute verantwortlich war. Dadurch gab es auch keine parlamentarische Kontrolle der Finanzen.In Zukunft wird diese aber gewährleistet sein.Die Aufregung von Herrn Patapieveic scheint sogar etwas verständlich,wenn man weis wie sehr er Herrn Basescu,aus den verschiedensten Gründen,zum Dank verpflichtet ist. Niemand im Land zweifelt an den Qualitäten von Frau Müller und Herrn Catarescu.Beide haben aber nicht die politische Weisheit für sich alleine gepachtet.
Ottmar, 03.08 2012, 12:33
Lieber Herbert, wenn Rumänien stolz auf Herta Müller sein soll, muss ich dir wiedersprechen.Mit den Worten von Helmut ausgedrückt beschmutzt diese " Deutsche Nobelpreisträgerin" Rumänien. Es lebe die Rumänische AntiDemokratie!
Herbert, 02.08 2012, 15:52
Der Rücktritt ist sehr schade aber durchaus nachvollziehbar! Lediglich in Diktaturen mischt sich die Politik in Kunst und Kultur ein. Was für ein Armutszeugnis für einen Mitgliedstaat der Europäischen Union? Wem wundert’s wenn der Außenminister eines solchen Landes in einem Interview kein Hehl aus seiner Bewunderung für Putin macht!
Das Land sollte stolz auf Schriftsteller wie Herta Müller und Mircea Cărtărescu sein.
Helmut, 02.08 2012, 15:20
Die Entscheidung des Verfassungsgerichtes ist zu begrüssen.Die Tätigkeit eines Kulturinstitutes im Ausland soll die nationale Identiät eines Landes im Gastland fördern.Warum soll das schlecht sein? Selbstverständlich darf auch der Gedanken der europäischen Agenda ,bei dieser Arbeit nicht vernachlässigt werden.Kein Regierungmitglied hat jemals das Gegenteil verlangt.Dies ist eine Unterstellung von Seiten des Herrn Patapievici.Tatsache ist ,daß sich in den letzten Wochen Kulturinstitute zu indirekten oder direkten "PROPAGANDA-AGENTUREN "für Herrn Basescu entwickelt haben.Welche private, politische Meinung, die jeweiligen Mitarbeiter der Kulturinstitute haben, ist ihre eigene Angelegenheit. Parteipolitische Propaganda, innerhalb der Tätigkeit in eines Kulturinstituts zu betreiben, gehört nicht zu den Aufgaben .Egal für welche Person oder Partei. Die Kulturinstitute sollen in erster Linie ,Werbeträger für die nationale Kultur ,Geschichte und Interessen ihres Landes sein.Alle Kulturinstitute der verschiedensten Länder, im Ausland, verfolgen diese Linie.Nur bei Rumänien,soll es anders sein,warum???.Herrn Patapievici,passt es halt nicht,daß das ICR nicht mehr dem Staatpräsidenten unterstellt ist und in Zukunft auch die Finanzgebahrung ,für das ICR, der Kontrolle des Parlaments unterliegt.Manchmal wunderte man sich schon,über die Finanztätigkeit der Kulturinstitute im Ausland.Wurden die Finanzen jährlich genau überprüft?
Ist es "Kulturmord" wenn die nationale Identität im Ausland gefördert wird???.Wer dies behauptet,lügt bewußt.

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