LENAU-ABSOLENTEN: JAHRE SPÄTER

Für Alexandra Simtion ist Deutschland zur zweiten Heimat geworden

Mittwoch, 17. August 2016

Alexandra Simtion am Ufer der Bega in ihrer Heimatstadt – „der schönste Ort der Welt“, sagt sie. Die Temeswarerin absolvierte die Lenau-Schule 2004 und lebt seitdem in Stuttgart.

Alexandra Simtion ist nach dem Abitur zum Studium nach Deutschland gezogen, wie viele andere Absolventen der Temeswarer Nikolau-Lenau-Schule auch. Die Erfahrung bei der ADZ/ BZ und bei der Zeitschrift „Der Punkt“ halfen jedoch der jungen Lenau-Absolventin, sich schnell für einen künftigen Beruf zu entscheiden. Alexandra ging einem Diplomstudiengang im Bereich Kommunikationswissenschaft in Stuttgart-Hohenheim nach. „Das war ein Mix aus Public Relations und Journalistik, zwei Bereiche, mit denen ich mich schon zu Schulzeiten beschäftigt habe - als Mitarbeiterin der deutschen Zeitung in Rumänien und auch als Mitorganisatorin des Temeswarer internationalen Jugendtheaterfestivals. Beide Bereiche haben damals schon Begeisterung für Kommunikation und Schreiben in mir erweckt“, erzählt die 31-jährige Alexandra Simtion.

Das Schwabenländle (Baden-Württemberg) hat die junge Temeswarerin 2004, gleich nach ihrem Schulabschluss, liebevoll aufgenommen. „Deutsch auf hohem Niveau zu sprechen, das erleichtert sicherlich auch den Umgang mit den Menschen. Ich habe sehr nette Menschen kennen gelernt und erlebt, dass ich immer wieder willkommen geheißen und offen empfangen wurde“, erzählt Alexandra über ihre langjährige Erfahrung in Stuttgart.

Bereits während ihres Studiums in Hohenheim hat Alexandra angefangen, am Lehrstuhl für PR an der Uni zu arbeiten, wobei sie später auf eine Promotionsstelle eingestiegen ist. „Ich durfte PR und Journalistik unterrichten - dabei sind mir die Kenntnisse und die Erfahrung von der Temeswarer Redaktion der ADZ/BZ sehr zunutze gewesen; konnte den Studierenden auch aus der Praxis berichten“, sagt Alexandra Simtion. Ganze sieben Jahre hat sie in Stuttgart-Hohenheim an der Uni gearbeitet. Neben der Lehrtätigkeit hat sie auch an Forschungsprojekten mitgewirkt, Wissenschaft als spannendes Feld erlebt und Unternehmen beraten – erzählt die junge Frau.

Die Promotion schaffte sie April 2015. Ihre Promotionsarbeit heißt „Strategische Stakeholder-Ansprache. Eine Fallstudie zur BtB-Kundenkommunikation auf Messen“. Dabei untersucht sie, wie Unternehmen in bestimmten Situationen mit Stakeholdern kommunizieren. Am Beispiel von BtB-Messen, als ausgewählte Situation, werden drei Strategien der Kundenansprache identifiziert, die designorientierte Unternehmen in Baden-Württemberg anwenden: eine Informations-, eine Erklärungs- und eine Unterhaltungsstrategie. Das Buch ist dieses Jahr im Springer-Verlag erschienen.

Alexandra ist seit Jahren auch im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. engagiert. Die Organisation veranstaltet internationale Jugendbegegnungen in ganz Europa. Der Zweck der Jugendcamps ist, junge Menschen mit dem Ersten und Zweiten Weltkrieg auseinandersetzen zu lassen, so dass sie Frieden nicht als selbstverständlich wahrnehmen, sondern, dass man etwas dafür tun muss, um ihn zu erhalten. Die erste Begegnung mit dem Volksbund machte Alexandra Simtion während ihrer Schulzeit in Temeswar, denn schon seit Anfang der Jahre 2000 sind immer wieder mal junge Leute aus Temeswar zu diesen Jugendbegegnungen nach Deutschland gefahren. Sie war 2003 zum ersten Mal dabei. Seither blieb die Temeswarerin mit dem Volksbund in Verbindung und nahm bereits an zahlreichen Camps als Organisatorin teil. Mittlerweile ist Alexandra Simtion Mitglied im Vorstand des Volksbunds in Baden-Württemberg und hilft im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit aus. 2012 war sie im Deutschen Bundestag mit einer Rede zum Volkstrauertag dabei. Dieses Jahr wurde Alexandra die silberne Ehrennadel des Volksbunds, nach 13 Jahren Jugendarbeit, überreicht.

Beruflich kommt bald ein neuer Abschnitt für Alexandra. Nach dem Abschluss der Promotion wird sie in diesem Herbst die Uni verlassen. „Das ist ein komisches Gefühl nach zwölf Jahren, denn seitdem ich in Deutschland bin, bin ich auch in Hohenheim. Aber ich freue mich jetzt auf die ´Praxis´,“, sagt Alexandra Simtion. Die Lenau-Absolventin wird Pressesprecherin eines mittelständischen Unternehmens in Baden-Württemberg.

Insgesamt beschreibt sie ihre Deutschlanderfahrung bisher als sehr positiv. „Auch wenn von daheim wegzugehen keine einfache Sache ist, man vermisst die Familie und die Freunde und auch das Land und die Menschen. Man ist und bleibt Rumäne, egal, wo man hingeht und das ist auch schön“, sagt Alexandra und gibt auch zu, dass mittlerweile Stuttgart zu ihrer zweiten Heimat geworden ist. „Dies kommt noch lange nicht an Temeswar heran, das ist und bleibt der schönste Ort der Welt“, sagt sie mit vollster Überzeugung. „Inzwischen klappen aber neben ´Sarmale´ (rumänische Krautwickel) auch die schwäbischen Maultaschen ganz gut und ich komme immer wieder gerne nach Stuttgart zurück. Neulich, als ich von Temeswar hierher geflogen bin, habe ich im Landeanflug den Fernsehturm gesehen, das Wahrzeichen der Stadt, und habe gedacht: Gleich bin ich daheim. Bislang hatte ich dieses Gefühl nur, als ich die orthodoxe Kathedrale in Temeswar sah...“, sagt Alexandra Simtion.

 


 

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