Lenau-Absolventen: Jahre später

LMU-Absolvent kehrt in Familienbetrieb zurück

Mittwoch, 27. April 2016

Marketingstrategien im Familienunternehmen: In der Freizeit trainiert Fernando Delgado (Foto) Kampfsport und geht gelegentlich angeln.

Der größte peruanische Unternehmer in Temeswar ist Rufino Delgado, Inhaber von Peruvision und Honorarkonsul Perus.
Fotos: Zoltán Pázmány

Deutsch – Tür zu Studium und Konzernen

 

Zwei Bezugsorte verbinden das noch junge Leben von Fernando Delgado: München und Temeswar stehen als Eckpfeiler für den Mann mit südländischem Namen, der jedoch eher den westeuropäischen Pragmatiker verinnerlicht hat. Dem Sohn eines Peruaners und einer Rumänin wurde nicht nur Deutsch in die Wiege gelegt, sondern er wurde in eine deutsche Wiege gelegt. Nando – wie er unter Freunden genannt wird - wurde nämlich in der Hauptstadt des Freistaates Bayern geboren. „Das kommt daher, dass meine Eltern eine Zeit lang in München gelebt hatten und mein Vater ein Erweiterungsstudium an der TU gemacht und danach in München gearbeitet hat“, erklärt der 25 Jahre junge Mann.

Als Kleinkind mit der Familie nach Rumänien zurückgekehrt „haben meine Eltern mir ein ganzes Repertoire an Sprachen mit auf den Weg gegeben“, sagt Fernando Delgado. „Vor allem mein Vater. Er hat mit mir nur spanisch gesprochen, seitdem ich mich erinnern kann“. Rumänisch kam natürlich automatisch hinzu, deutsch wurde durch Besuch von Kindergarten und Schule zur Pflicht und Englisch gehörte ebenfalls zum „Repertoire“. Nach dem Abitur ging er an die Ludwig-Maximilians-Universität in seine Geburtsstadt zurück.

Dunkler Anzug, das Haar nach hinten gekämmt, große Aufmerksamkeit auf Ausdruck und Umgang: Fernando Delgado ist nach fünf Jahren Studium wieder zurück in seiner Heimatstadt Temeswar, im elterlichen mittelständischen Betrieb für Kommunikationstechnik, Peruvision. Das Marketing leitet da der studierte Fachmann in Kommunikations- und Wirtschaftswissenschaften. „Heutzutage ist ein guter Eindruck unerlässlich, vor allem in einer Kultur, die viel Wert auf Erscheinung legt, wie die Rumänische es tut,“ erklärt er, warum im Job die bevorzugte, lockere Teenagerkleidung dem Anzug Platz machen musste.

Genauso wie der Schüler des Nikolaus-Lenau-Lyzeums das Gymnasium an der anspruchsvollen Klasse für Naturwissenschaften absolvierte, sollte es später auch eine Universität sein, die zu den besten Europas gehört. „Die LMU schaffte es laut dem Londoner Magazin über Themen im Bereich Hochschulbildung, Times Higher Education, im Jahr 2016 sogar unter die Top 30 weltweit“, argumentiert er seine Option.

Kommunikationswissenschaft habe ihm viel in Sachen menschliches Verhalten, vor allem im Bereich Massenmedien-Wirkungen und die Reaktion darauf, geholfen. „Wer Massenkommunikation versteht, hat gute Chancen, ein erfolgreicher Marketing-Mensch zu sein“, sagt der Marketing-Chef von Peruvision. Der empirisch-wissenschaftliche Schwerpunkt an staatlichen deutschen Universitäten bereitet seiner Meinung nach einen Absolventen gut darauf vor, Marktanalysen durchzuführen und strategische Marketing-Entscheidungen für ein Produkt oder eine Firma zu treffen, „vorausgesetzt man hat mindestens einige Monate Zeit gehabt, sich mit dem Spezifischen einer gewissen Branche vertraut zu machen.“ Und schlussfolgernd: „Das Gelernte im Rahmen der Kommunikationswissenschaft kann ich also ziemlich direkt anwenden“.

„Freunde, gute Lehrer, wie z.B. die Geographielehrerin Mirela Popa, Aktivitäten mit dem Deutschen Theater, dem Adam Müller-Guttenbrunn Haus“, aber auch Investitionen in die Karriere, „wie das Deutsche Sprachdiplom“ gehören mit zu den Erinnerungen aus seiner Schulzeit am „Lenau.“ Den Sinn, der deutschen Sprache nachzugehen, hat Fernando Delgado bereits in der 8.-9. Klasse erfasst. „Vor allem, weil sich da immer mehr multinationale Unternehmen aus dem deutschen Sprachraum in Westrumänien und Siebenbürgen ansiedelten“. Da hat er sich zumindest in Gedanken bei seinen Eltern bedankt, dass sie ihn auf eine deutsche Schule geschickt haben. „Ausgesprochen habe ich es, als ich mich an der Münchner Elite-Uni sah.“

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