LENAU-ABSOLVENTEN: JAHRE SPÄTER

Radu Băncilă rief die deutsche Abteilung für Bauingenieurwesen ins Leben

Mittwoch, 22. März 2017

Prof. Dr.-Ing. Radu Băncilă hat 1962 die deutsche Nikolaus-Lenau-Schule in Temeswar abgeschlossen. „Es tut mir überhaupt nicht leid, dass ich nicht ausgewandert bin“, sagt der geschätzte Hochschullehrer heute.
Foto: Zoltán Pázmány

Es war 1991, als Prof. Dr.-Ing. Radu Băncilă die erste Abteilung für Bauingenieurwesen in deutscher Sprache an der TU Politehnica in Temeswar ins Leben rief – „das offene Fenster Richtung Europa“, wie er den Studiengang bezeichnet. An dieser Abteilung studierten im Laufe der Zeit Hunderte von jungen Ingenieurinnen und Ingenieuren – die große Mehrheit brachte es beruflich sehr weit. Viele der Absolventinnen und Absolventen leben und arbeiten heute im deutschsprachigen Raum. Für sein Engagement zur Förderung der deutschen Sprache und der deutsch-rumänischen Beziehungen wurde Radu Băncilă im Jahr 2012 mit dem Bundesverdienstkreuz I. Klasse ausgezeichnet.

Dass er seinen Erfolg unter anderem dem Erlernen der deutschen Sprache zu verdanken hat, das möchte Radu Băncilă nicht zu einem Geheimnis machen. Ganz im Gegenteil. Sein Vater hatte dafür gesorgt, dass Radu Bãncilã mit der deutschen Sprache und Kultur aufwuchs. „Mein Vater war Straßenbauer. Er hat die Deutschen sehr bewundert“, sagt Radu Băncilă. So kam es, dass er den deutschen Kindergarten und später die Nikolaus-Lenau-Schule besuchte. „In unserer Klasse waren wir nur zwei Rumänen“, erinnert sich Radu Băncilă an seine Schulzeit zurück. Und das war gut so: Denn so mussten sich die beiden Rumänen an das deutsche Umfeld anpassen. „Wir hatten sehr gute Lehrer an der Lenau-Schule. Professor Bong, Frau Fuchs, Herr Lux, Frau Prexl... das waren alles Ausnahmeprofessoren“, sagt Radu Băncilă. Das Lyzeum absolvierte er 1962. „Die Lehrer waren zwar sehr streng, aber wir durften frei denken – das war eine große Sache damals“, erinnert sich der Hochschullehrer.

Radu Băncilă ist 1945 in Temeswar geboren. Sein Vater stammt aus Bran-Törzburg, seine Mutter aus Großwardein/Oradea.  Seit Jahren gehört der Temeswarer Professor zu den treuesten Lesern der ADZ/BZ. In der Zeitung selbst war sein Name schon oft zu lesen – das erste Mal 1971, als in der „Neuen Banater Zeitung“ über die Wasserballmannschaft der Temeswarer Wollindustrie, in der auch Radu Băncilă aktiv war, bericht wurde. Radu Băncilă war in seinen Jugendjahren sogar Vizelandesmeister im Schwimmsport gewesen. Auch heute geht er zwei bis drei Mal in der Woche schwimmen.

Seit 1970 unterrichtet Radu Băncilă an der TU Politehnica. Über den damaligen Dekan, Prof. Dan Mateescu, der an der Universität Charlottenburg in Berlin studiert hatte, kam Prof. Băncilă zu zahlreichen Fachbüchern in deutscher Sprache. Gleich nach der Wende 1989 begann Băncilă, seine Idee von einer Abteilung für Bauingenieurwesen in deutscher Sprache Wirklichkeit werden zu lassen. Mit Unterstützung von Dekan Mateescu und vom Deutschen Forum konnte der Hochschullehrer sein Projekt umsetzen. Die Abteilung für Bauingenieurwesen in deutscher Sprache entwickelte sich stetig. Es kamen mehrere Partnerschaften zur Vergabe von Doppeldiplomen zustande – und der gute Ruf der Absolventinnen und Absolventen aus Temeswar verbreitete sich rasch jenseits der Grenzen Rumäniens.

Professor Băncilă ist heute Rentner, doch sein Engagement an der deutschen Abteilung für Bauingenieurwesen in deutscher Sprache ist immer noch sehr rege. Er ist das Bindeglied zwischen Rumänien und Deutschland und sorgt dafür, dass die Beziehungen zwischen der TU Politehnica und den Hochschulen aus dem Ausland gepflegt werden. An der Doktorschule der TU Politehnica betreut Prof. Dr. Radu Băncilă Promotionsarbeiten.

 

 

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