LENAU-ABSOLVENTEN: JAHRE SPÄTER

Astrid Weisz leitet die Redaktion der Deutschen Sendung von Radio Temeswar

Mittwoch, 04. Mai 2016

Astrid Weisz, live aus dem Studio von Radio Temeswar. Am 5. Mai begeht die Temeswarer Filiale des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ihr 61. und die Deutsche Sendung ihr 60. Jubiläum.
Foto: Zoltán Pázmány

„Grüß Gott, liebe Hörerinnen und Hörer! Herzlich willkommen zur Aprilausgabe des deutschen Funkmagazins!“ Astrid Weisz sitzt gerade an ihrem Rechner und tippt noch schnell die Anmoderation der Gemeinschaftssendung des Vereins Funkforum ab. Ihre zehn Finger springen auf der Tastatur hin und her, auf die sie überhaupt nicht schauen muss. Der Text, der blitzschnell auf dem Bildschirm geboren wird, enthält Abkürzungen, die nur sie versteht. Es ist Mittwoch kurz nach 12 Uhr – eine meist unpassende Zeit für Besuche oder Interviews in der Redaktion der Deutschen Sendung von Radio Temeswar, denn in knapp einer Stunde, um Punkt 13 Uhr, beginnt die Sendung. Die Redaktionsleiterin kann sich heute mit Recherchen und Organisatorischem befassen, denn die Sendung gestaltet ihre Kollegin Hannelore Neurohr und den Nachrichtendienst hat Adrian Ardelean übernommen. Trotzdem hat die Leiterin der deutschen Redaktion von Radio Temeswar alle Hände voll zu tun. „Ich muss das Funkmagazin vorbereiten. Dann muss ich schauen, dass ich die Forumskandidaten bei den Kommunalwahlen treffe und sie interviewe“, sagt sie lächelnd. Bis kommende Woche sollten die Gespräche aufgezeichnet sein. Unter Druck arbeiten gehört zum Journalistenberuf einfach dazu.

Dass es für Astrid Weisz ein Traumjob ist, beim Radio zu arbeiten, ist nicht zu übersehen, oder - besser gesagt - nicht zu überhören. Auch wenn oft Stress den Alltag prägt, so ist es doch ein gutes Gefühl, am Ende das Resultat zu hören – die Deutsche Sendung, die bei der Banater deutschen Gemeinde einen so guten Anklang findet. „Es gibt drei Gründe, weshalb ich diesen Beruf gewählt habe. Erstens sind es die Menschen und damit meine ich die Hörerschaft. Ich habe das gute Gefühl, etwas für die deutsche Gemeinschaft zu tun. Dann ist es die Sprache selber – die Pflege der deutschen Sprache, das Vermitteln von Informationen mit Hilfe der Sprache“, sagt Astrid Weisz. Schließlich erwähnt sie die Musik. „Es ist die Musik, mit der ich aufgewachsen bin“, fügt sie hinzu.

Ohne die deutsche Sprache und die deutsche Bildung hätte Astrid Weisz ganz bestimmt nicht das gemacht, was sie heute tut. Nachdem sie acht Jahre lang die deutsche Abteilung der Shakespeare-Schule besucht hatte, wechselte sie in neunten Klasse an die Naturwissenschaften-Abteilung des Nikolaus-Lenau-Lyzeums. „Meine Deutschlehrerin an der Shakespeare-Schule war Frau Edith Guip-Cobilanski, die bei mir den Spaß und das Interesse an der deutschen Sprache weckte. Sie wusste den Unterricht kreativitätsfördernd zu gestalten“, sagt die 31-Jährige. Nach Abschluss der Lenau-Schule studierte Astrid Weisz Germanistik und Anglistik an der West-Universität Temeswar.

„In unserer Familie wurde viel deutsch gesprochen. Mein Vater und meine Großeltern sprachen deutsch – nur mit meiner Mutter sprachen wir rumänisch“, sagt sie. „Daher musste ich mich ständig mit einer Identitätsfrage auseinandersetzen: Meine Muttersprache ist zwar Deutsch, aber mit der Mutter sprachen wir rumänisch...“, sagt sie, und fügt schnell hinzu: „Ich fühle mich wohler mit der deutschen Sprache. Kein Wunder, denn auf fast allen meiner Rumänisch-Kontrollarbeiten in der Grundschule stand mit Rot geschrieben: `Exprimare!´“, erinnert sie sich lächelnd.

Beim deutschen Radio arbeitet Astrid Weisz bereits seit dem Lyzeum, als sie durch die Fortbildung von BZ und Radio Temeswar auf den Geschmack kam, sich journalistisch zu betätigen. Zuerst erstellte sie die Kindersendung, dann übernahm sie den Nachrichtendienst und bereitete ganze Sendungen vor, bis sie 2009 als Mutterschaftsvertretung von Ingrid Schiffer die Redaktionsleitung übernahm. Seitdem leitet Astrid Weisz  - inzwischen mit unbefristetem Vertrag - die deutsche Redaktion von Radio Temeswar. Keine leichte Sache, denn neben der journalistischen Tätigkeit sind es viele organisatorische Sachen, die die Redaktionsleiterin erledigen muss, wie etwa das Management der Mitarbeiter, deren Aus- und Fortbildung, das Finden und Finanzieren von externen Mitarbeitern.

An ihr erstes Live-Sprechen im Radio kann sie sich nur noch vage erinnern: „Es war an einem Samstag und ich musste die Nachrichten lesen, weil die Sprecherin heiser war“. Eines muss sie trotzdem zugeben: „Ich bin auch heute noch genauso aufgeregt wie damals, wenn ich live auf Sendung gehe, allein heute bin ich nicht mehr so empfindlich, wenn Versprecher vorkommen“. Versprecher sind eher eine Seltenheit und es muss wohl eine positive Aufregung sein, die Astrid Weisz zu Beginn der Live-Sendungen verspürt, denn wenn sie die Kopfhörer anlegt und ans Mikro geht, dann sind es gelungene Sendungen, die in den Äther hinausgehen. Das bestätigen die vielen Hörerinnen und Hörer von Radio Temeswar, die während des Live-Wunschkonzerts am Sonntag anrufen und Grüße bestellen.

 


 

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