LENAU-ABSOLVENTEN: JAHRE SPÄTER

Horia Preda ist Tanzlehrer und Wertungsrichter

Mittwoch, 01. Juni 2016

„Die Lenau-Stimmung existiert wirklich“, sagt Tanzlehrer Horia Preda (rechts). Der Absolvent der Temeswarer deutschen Schule hält Meisterklassen im In- und Ausland.
Foto: privat

Aus dem dunklen Flur im ersten Stock einer ehemaligen Fabrikhalle an der Pestalozzi-Straße in Temeswar hört man leise Musik und Stimmen aus dem Saal erklingen. Wenn man durch die schmale Seitentür hineingeht, betritt man einen hellen Raum mit Parkettboden und Spiegel an der Wand. Zwei Tanzpaare üben hier. Horia Preda beaufsichtigt die jungen Tänzer, die ihre noch jüngeren Kollegen beraten.

Der 34-jährige Mann ist Tanzlehrer und Wertungsrichter für Gesellschaftstänze im rumänischen Profi- und Amateur-Tanzverband, aber auch im Ausland. Horia Preda ist Absolvent der deutschen Nikolaus-Lenau-Schule und lebt fürs Tanzen.

Aus purem Zufall ist er zum Tanzen geraten, sagt er. Dies, nachdem ihn die Tanzlehrerin bei der Auswahl nicht einmal in die Gruppe aufgenommen hatte. Schließlich wurde seine Leidenschaft fürs Tanzen geweckt, sodass er in seiner zwölfjährigen Karriere mehrfacher Landes- und Vizelandesmeister wurde und bei mehreren Europäischen und Weltmeisterschaften dabei war.

Zur Lenau-Schule hingegen geriet er nicht zufällig. Beide seiner Urgroßmütter waren Deutsche, doch die deutsche Kultur war irgendwie in der Familie verloren gegangen. „Meine Eltern wollten aber, dass wir, die Kinder, wieder mit dieser Kultur in Verbindung kommen. So schickten sie mich und meinen Bruder zur Lenau-Schule“, erzählt Horia Preda.  

Sein Leben als Tänzer begann vor der Wende mit seinem Tanzkurs im ehemaligen „Haus der Pioniere“. Nach dem Studium an der Hochschule für Politik- und Kommunikationswissenschaften engagierte er sich für einige Jahre in der Politik. „Das, was man in der Schule als Politikwissenschaften lernt, hat aber nichts mit der Politik im wahren Leben zu tun“, spricht Horia Preda über seine Enttäuschung. 2009 gründete er den Tanzclub „Dance Spirit“. Tanzen hatte er jedoch schon seit seiner Jugend unterrichtet. Als er noch Schüler war, unterrichteten Horia und seine Partnerin Tanzen für die jüngeren Schulkollegen im Festsaal der Lenau-Schule. „Das waren noch Zeiten, als die Leute Tanzsäle füllten! Nun hat sich dies geändert – wahrscheinlich auch, weil das Angebot an Freizeitaktivitäten vielfältig geworden ist“, sagt der Tanzlehrer. Sich immer wieder neu zu erfinden ist eine Notwendigkeit – ist der Lenau-Absolvent überzeugt. So arbeitet Horia Preda derzeit an einem Großprojekt - ein Tanzkomplex, der mehrere Tanzstile zusammen bringen soll. „Ich stelle mir das als eine Art Tanzschule von A bis Z vor. Für mich ist es sehr wichtig, auch eine Tanzschule für Kinder mit besonderen Bedürfnissen zu gründen. Im Ausland ist diese Sparte sehr entwickelt – bei den internationalen Tanzwettbewerben, zum Beispiel, gibt es Sonderkategorien für verschiedene Gruppen – für Menschen mit Sehbehinderung oder für Kinder mit Autismus. Der Sport und das Tanzen können dazu beitragen, dass sich diese Leute besser fühlen und dass sie sich auch besser erholen können. Ihnen diese Chance zu bieten, ist Teil unserer sozialen Verantwortung“, sagt Horia Preda.

Die deutsche Sprache verwendet der Lenau-Absolvent in seinem Alltag kaum. In seinem Beruf ist Englisch ausschlaggebend, vor allem, wenn er im Ausland Meisterklassen für internationale Tänzer hält. Doch das Leben als Lenau-Schüler ist bei ihm tief in Erinnerung geblieben. „Das war die beste Zeit meines Lebens! Mich verbindet sehr vieles mit dieser Schule. Es ist schon komisch: Wenn ich an meine Jugend denke, dann führt mich der Gedanke immer wieder dahin. Zwölf Jahre an der Lenau und einige Jahre davor im Lenau-Kindergarten mit denselben Kollegen zu erleben, darüber können nicht viele Leute berichten“, sagt Horia Preda mit Aufregung in seiner Stimme. Für einige Momente blickt er melancholisch ins Leere, doch dann fährt er energisch fort: „Die Lenau-Stimmung gibt es wirklich! Dazu tragen nicht nur die Schüler bei, sondern auch die Lehrer. Als ich in den vergangenen Jahren meine ehemalige Schule besuchte, konnte ich etwas aus der alten Lenau-Stimmung vermissen - als ich vielen meiner ehemaligen Lehrer nicht mehr begegnet bin. Der erste Schicksalsschlag war, für die meisten von uns, ehemalige Lenau-Schüler, als uns Thea (Anm.d.Red. Dorothea Radu) – die Biologielehrerin – verlassen hat“, fügt Horia Preda hinzu.

 

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