LENAU-ABSOLVENTEN: JAHRE SPÄTER

Gloria Man unterrichtet Deutsch und fördert die deutsche Kultur in Seattle

Mittwoch, 28. September 2016

Gloria Man (rechts) zusammen mit dem Regisseur Radu Gabrea beim Filmfestival in Seattle 2015
Foto: privat

Die deutsche Sprache und Kultur bleiben auch Übersee erhalten. Das beweist die Temeswarerin Gloria Man (39), die seit mehr als einem Jahrzehnt in den Vereinigten Staaten von Amerika lebt, doch sie hat immer wieder Beschäftigungen in Verbindung mit der deutschen Sprache gesucht. Glorias Berufserfahrung mit Fremdsprachen, als Übersetzerin, Dolmetscherin und Lehrerin, beschäftigte sie bisher in globalen Unternehmen wie Continental, Siemens und Daimler-Chrysler, sowohl in Europa, als auch in den USA. Die Absolventin der deutschen Nikolaus-Lenau-Schule in Temeswar ist derzeit Sprachlehrerin für Deutsch und Germanistikdoktorandin an der University of Washington und veranstaltet in diesem Jahr bereits die dritte Auflage des Rumänischen Filmfestivals in Seattle.

 

Gloria Man wurde in Temeswar geboren und ist in einer multiethnischen Familie aufgewachsen, so dass sie auch ihre Erziehung in einem multikulturellen Umfeld erhielt. Gloria hat sich immer für verschiedene Kulturen interessiert, wobei all diese ihre akademischen und beruflichen Aktivitäten treiben, lässt sie wissen.

Seit drei Jahren hat sie Temeswar nicht mehr besucht. Nun war sie in diesem Sommer wieder da. Da sie mehrmals am Gebäude der Lenau-Schule in der Ghe.Lazăr-Straße Nr.2 vorbei lief, konnte sie an einem Tag dem Drang der Nostalgie nicht widerstehen. Sie musste reingehen. „Auch wenn es Ferien waren, hat mir der Pförtner erlaubt, bis in den Hof zu gehen. Der Eingang in den Club, im Erdgeschoss der Schule, der Innenhof, das Gebäude an sich - hier gibt es so viele Erinnerungen“, sagt Gloria Man lächelnd.

Die Temeswarerin hat die Lenau-Schule 1995 abgeschlossen. Anschließend studierte sie Germanistik-Anglistik an der West-Universität. Kurz nach Abschluss des Hochschulstudiums eröffnete sie zusammen mit zwei weiteren Kommilitonen ein Übersetzungsbüro in der Nähe des Temeswarer Domplatzes, in der Eugen-von-Savoyen-Straße. „Wir konnten richtig in diesem Bereich Fuß fassen – wir knüpften Kontakte mit den naheliegenden Anwaltsbüros. Es ging uns gut“, erinnert sich Gloria Man. Doch dann ergab sich die Möglichkeit, zusammen mit ihrem Mann in die USA auszuwandern. „Die Idee war verrückt und verlockend“, sagt sie. Ihr Mann arbeitete bereits in der IT-Branche – ein Bereich, in dem man überall auf der Welt eine Arbeitsstelle finden kann. „So fiel auch die Entscheidung leichter. Ich, als Germanistin, durfte noch experimentieren“, sagt Gloria. So ist Familie Man 2004 ausgewandert – in Michigan war der erste Halt, dann setzte sich die Familie letztendlich in Seattle nieder. Hier begann Gloria ein Masterstudium im Bereich der Germanistik. Mittlerweile macht Gloria Man an der University of Washington ihre Doktorarbeit - Germanistik mit dem Schwerpunkt Südosteuropa – gegenwärtige Literatur.

Die rumänischen Wurzeln dürfen jedoch nicht in Vergessenheit geraten, glaubt Gloria Man. Durch den Verein „America Romanian Cultural Society“, den sie zusammen mit rumänischen Kolleginnen von der Universität in Washington gegründet hat, organisiert die Temeswarerin in Seattle ein rumänisches Filmfestival. „Wir sind froh, in einer Stadt mit einer langen und dynamischen Tradition für Filmveranstaltungen, das dritte rumänische Filmfestival in diesem Herbst im pazifischen Nordwesten zu verkünden“, sagt Gloria Man.

Der Verein wird für die Organisierung des Filmfestivals auch vom rumänischen Außenministerium durch die Abteilung für die Erhaltung der Beziehung mit den Rumänen von überall und vom rumänischen Kulturinstitut in New York finanziell unterstützt. Eine neue Auflage des Filmfestivals soll in November begangen werden. Bei den vorherigen Ausgaben wurden aktuelle rumänische Produktionen vorgestellt, darunter im Vorjahr der Film „Aferim“ von Radu Jude. Der Drehbuchautor des Filmes Florin Lăzărescu war beim Festival dabei, auch der Regisseur Radu Gabrea („Lindenfeld – Eine Liebesgeschichte“) und seine Ehefrau, die Schauspielerin Victoria Cociaş, waren zu Gast in Seattle. Für die aktuelle Ausgabe versprechen die Organisatoren weitere Überraschungen: Die erste rumänische 3D-Animation „Mercy Street“ soll unter anderen an den drei Festivaltagen gezeigt werden. Ehrengast des Festivals ist der Schauspieler und Regisseur Hora]iu Mălăiele.

Der Verein nimmt sich vor, durch seine Events Geld zu sammeln, um Rumänisch-Sprachkurse für Kinder und Jugendliche in Seattle anzubieten.  Unter arcsproject.org kann man Informationen zum Festival und zum Verein bekommen.

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