LENAU-ABSOLVENTEN: JAHRE SPÄTER

Andreea Goţa ist Lehrerin an ihrer ehemaligen Schule

Mittwoch, 23. November 2016

Andreea Goţa wusste immer, dass sie Lehrerin werden will. Im Bild ist die junge Unterrichtende zusammen mit ihren Schülern (4.v.l.).
Foto: privat

Wenn man mitten im Unterricht ein Klopfen an die Klassentür hörte, die Tür aufging und sie hereinspazieren sah, dann wusste man schon gleich, dass es sich dabei um etwas Wichtiges für die Schule handelt. Egal, ob es darum ging, ein einfaches Rundschreiben vorzulesen oder über den neuen Stundenplan zu informieren, Andreea Tîrziu gehörte zu diesem Bild einfach dazu. Klein von der Höhe her, aber mit entschlossener Stimme und immer mit einem Lächeln im Gesicht, so brachte Andreea die wichtigen Infos über. Die Lenau-Schülerin kannten alle Schüler und Lehrer. Sie sei schon damals diszipliniert wie eine Lehrerin gewesen, hatten ihr die Schulkollegen öfters gesagt. Wahrscheinlich hatten viele schon damals geahnt, dass ihre Karriere vom Schicksal bestimmt wird. Andreea hat das Lenau-Lyzeum 2003 abgeschlossen, nun ist sie 32 Jahre alt, Deutschlehrerin und unterrichtet selbst an der Lenau-Schule. Mittlerweile heißt sie Andreea Goţa, sie ist verheiratet und hat eine vierjährige Tochter, die derzeit in den Lenau-Kindergarten geht und wahrscheinlich später auch die Lenau besuchen wird.

Andreea Goţa schloss mit der Lenau-Gemeinschaft schon von klein auf Bekanntschaft. Ihre Mutter und Großeltern entschieden, sie zu einem deutschsprachigen Kindergarten zu schicken. Dahinter steckte ihre Urgroßmutter, eine Banater Schwäbin, mit der sie immer wieder mal deutsch reden konnte. Doch das deutsche Sprachgefühl erweckte in ihr ihre damalige Kindergärtnerin, „Frau Christine”, ehemalige Leiterin des Lenau-Kindergartens, weiß Andreea Goţa zu schätzen. „Ich habe sie sehr gemocht. Hätte es mir gewünscht, dass auch meine Tochter sie als Kindergärtnerin erlebt, doch Frau Christine ist vor Kurzem in Rente gegangen”, sagt Andreea.

Dass sie selber mal Lehrerin wird, das wusste Andreea schon immer. „Die Lenau-Schule hat mir geholfen, diese Entscheidung endgültig zu treffen”, lässt sie wissen. „Ich hatte hier sehr gute Vorbilder unter meinen Lehrern”, setzt sie fort. Andreea Goţa studierte Germanistik als Hauptfach an der West-Universität Temeswar und legte schon im gleichen Sommer nach der Diplomprüfung auch die Prüfung zur Titularlehrerin ab.

Damals gab es nur sieben Stellen für frisch gebackene Lehrer – natürlich keine in Temeswar, erinnert sich Andrea Goţa an das Jahr 2007 zurück. „Viele meiner Kollegen weigerten sich, die Stellen außerhalb der Stadt, wegen des Pendelns, zu belegen. Doch ich dachte schon damals, dass alle ein Recht auf Bildung haben, egal ob, sie in der Stadt oder auf dem Land leben”, sagt die Lenau-Absolventin, die infolge der Prüfung damals eine Stelle als Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache in Lowrin (etwa 50 Kilometer von Temeswar entfernt) bekam. Sie pendelte drei Jahre lang jeden Tag zur Arbeit. „Ich gab fast mein gesamtes Lehrergehalt für Sprit aus. Das zwang mich, eine neue Stelle in der Nähe von Temeswar zu suchen”, erklärt die junge Lehrerin den Wechsel an die Schule in Orzydorf/Orţişoara (etwa 25 Kilometer von Temeswar), wo sie dann weitere zwei Jahre unterrichtete.

Nach den zwei Jahren, die sie im Mutterschaftsurlaub verbrachte, wurde eine Stelle am Nikolaus-Lenau-Lyzeum in Temeswar frei. „Ich hatte nie gedacht, ich könne dort unterrichten, wo ich auch mal Schülerin war. Als ich an der ersten Lehrersitzung teilnehmen dufte, war es komisch für mich, am selben Tisch mit Lehrern, die sogar meine Lehrer waren, zu sitzen und sie als Kollegen zu betrachten. Andererseits war es auch etwas traurig, dass einige meiner Lieblingslehrer nicht mehr dabei waren – einige gingen im Laufe der Jahre in Rente, andere haben uns frühzeitig verlassen. Am meisten fehlt mir Dorothea Radu, die bei uns allen einfach als `Thea´ bekannt und sehr beliebt war. Ich hätte mir so sehr gewünscht, dass die heutigen Schülergenerationen sie auch erleben dürfen, ihre engagierte und immer positive Art und Weise...”, erinnert sich Andreea Goţa an ihre eigene Schulzeit zurück.

Nun hat sie ihr drittes Jahr als Deutschlehrerin an der Lenau-Schule angetreten und es ist ihr immer noch komisch, aus der Sicht des Lehrers, das Gebäude, die Flure oder die Klassen zu betrachten – lässt sie wissen. Nachdem das Schulgebäude in den letzten Jahren generalüberholt und der Unterricht in der Schule in der Ghe.-Lazăr-Straße wieder aufgenommen wurde, wurden einige Klassem umfunktioniert und neugestaltet. Doch die Überraschung kam für sie in diesem Herbst. „Ich habe nun, nach vielen Jahren, wieder Unterricht in meiner alten Schulklasse. Jeden Dienstag und Donnerstag betrete ich den Raum für den Deutschunterricht mit der 11. Klasse. Das komische Gefühl ist bloß, dass ich mich nicht in meine alte Bank setzen darf, sondern ans Katheder”, erzählt Andreea lächelnd. „Als Lehrerin und ehemalige Lenau-Schülerin habe ich die einzigartige Gelegenheit, mich immer wieder als Schülerin zu empfinden”, schließt Andreea Goţa.

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