Lenau-Sanierung geht mit langsamen Schritten voran

Schüler können 2016 ins sanierte Gebäude einziehen

Mittwoch, 25. November 2015

Die Sanierung des Lenau-Gebäudes scheint kein Ende zu nehmen. Der Verputz wurde von der Fassade entfernt. Da nicht alle KfW-Mittel bis zum Auslauf des Vertrags eingesetzt wurden, muss nun das nicht ausgegebene Geld zurück nach Deutschland. Für die Fertigstellung der Lenau-Fassade sollen nun andere Geldgeber gefunden werden.

Im R-Gebäude am Republicii-Boulevard sind die Lyzealklassen untergebracht. Diese könnten Mitte Januar 2016 ins frisch sanierte Gebäude der Lenau-Schule an der Gheorghe-Laz²r-Straße einziehen. Lenau-Schulleiterin Helene Wolf ist noch skeptisch, ob das so geschehen wird.

Das Interesse für den deutschsprachigen Unterricht in Temeswar erlebt zur Zeit einen Aufwärtstrend. Im Bild: Schuljahreseröffnung in der „kleinen Lenau-Schule“.
Fotos: Zoltán Pázmány

Das Baugerüst ist vorläufig weg. Seit vielen Monaten hat man im Gebäude des Nikolaus-Lenau-Lyzeums an der Gheorghe-Laz²r-Straße Nr. 2 in Temeswar/Timişoara die Pausenklingel und das Gewimmel der Schüler auf den Fluren nicht mehr gehört. Stattdessen gehören zum Alltag in der sogenannten „großen Lenau-Schule“ das Klopfen und Hämmern und der Geruch nach Zement, Klebstoff und frischem Lack. Bauarbeiter sind hier im Einsatz, denn die Schule wird saniert. Begeistert sollen Schüler und Lehrer in das Schulgebäude zurückkehren. Auf diesen Augenblick müssen sie aber noch warten. Wie lange, steht nicht genau fest. Fakt ist: Die versprochene Frist für den Umzug, der 1. Dezember, kann definitiv nicht eingehalten werden.

Der Traum von Bürgermeister Nicolae Robu, dass die Lenau-Schüler bereits Ende des Jahres in das frisch sanierte Gebäude an der Gheorghe-Lazăr-Straße einziehen werden, ist geplatzt. Dies, weil der Abschluss der Sanierungsarbeiten, ursprünglich für Ende Oktober geplant, auf den 31. Dezember verlagert wurde. Lenau-Schulleiterin Helene Wolf hofft, dass dieser Termin nun auch eingehalten wird. Wann die Schüler tatsächlich umziehen werden, das kann die Schulleiterin noch nicht genau sagen. „Wir vermuten nun, Anfang oder Mitte Januar 2016 wieder ins Gebäude einziehen zu können. Diese Vermutungen sind allerdings auf hohe Hoffnungen basiert. Die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt leider, dass immer wieder etwas dazwischen kommen kann“, sagt Helene Wolf skeptisch.

 

Lenau-Schule seit neun Jahren in der Sanierungsphase

Von einer Sanierung des Gebäudes der Temeswarer deutschen Schule wird seit 2004 gesprochen. Ursprünglich war die Lenau-Schule in ein Sanierungsprojekt einbezogen, das vom rumänischen Bildungsministerium ausgegangen und aus Geldern der Europäischen Entwicklungsbank finanziert werden sollte. Zusammen mit dem Loga- und dem Calderon-Lyzeum sollte auch die Lenau-Schule an diesem Projekt teilhaben, schließlich wurden jedoch die drei Temeswarer Eliteschulen 2008 aus dem Projekt ausgeschlossen. Die Begründung: Die Gebäude stehen unter Denkmalschutz. Mit dem bereits erstellten technischen Sanierungsprojekt konnte das Rathaus zunächst nichts anfangen. 2009 kam die Schule auf die Warteliste für eine EU-Finanzierung. Im Jahr 2012 wurde die Sanierung der Fassade aus Mitteln der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) – insgesamt 700.000 Euro - in die Wege geleitet. 2014 fand eine Umverteilung der EU-Gelder statt, sodass die rumänische Regierung die Finanzierung von Baustellen an Schulen beschloss. So kam es, dass auch die von den Lehrkräften und der Schülerschaft lang ersehnte Generalüberholung der „großen Lenau-Schule“ vorgenommen werden konnte. „Zur Zeit arbeitet man am Fundament des Gebäudes, das wasserdicht isoliert wird. Die Sanierung der Klassenräume ist fast beendet - neue Fensterrahmen müssen noch her. Versprechungen gibt es, dass dies bis Ende November passieren wird. Ebenso müssen noch bei den Luftschächten neue Fenster eingesetzt werden. In den Toiletten müssen noch Waschbecken angebracht werden. Zur Zeit finden Verbesserungen bei der Bearbeitung des Fußbodens statt und an der elektrischen Leitung wird noch gearbeitet. Der Fahrstuhl und die Rampen für einen barrierefreien Zugang in die Schule müssen noch eingerichtet werden“, sagt Helene Wolf.

Das Sanierungsprojekt der Schule ist in zwei Teile geteilt: Die Fassade wird aus KfW-Geldern saniert, die Innenräume aus EU-Mitteln. „Die Fassade ist bereits verputzt, doch man kann mit den Arbeiten nicht voranschreiten, da zum Einen das Wetter im Winter die Sanierung nicht erlaubt. Zum Anderen ist die Fassade heute viel stärker beschädigt, als dies vor sechs Jahren der Fall war und daher ist das ursprüngliche Projekt nicht mehr normgerecht“, erklärt Schulleiterin Wolf. Bis der Winter vorbei ist und wieder an der Fassade gearbeitet werden kann, sind aber auch die Fonds dafür weg. Der Vertrag mit der KfW läuft am 31. Dezember 2015 aus. Von den insgesamt 5 Millionen Euro, die die Kreditanstalt für die Sanierung von Denkmälern in Temeswar zur Verfügung gestellt hat, wurden bisher bloß knapp 400.000 Euro ausgegeben. „Alles, was bis zum Auslauf des Vertrags nicht ausgegeben wurde, muss rückerstattet werden. Für die Fassade der Nikolaus-Lenau-Schule muss ein anderer Finanzierer gesucht werden“, sagt der Temeswarer Architekt Rudolf Gräf seitens der Architektenfirma Vitamin A. Das Sanierungsprojekt wird im Auftrag der KfW von zwei Consulting-Teams betreut, die sowohl aus internationalen, als auch aus lokalen Fachkräften bestehen. Die Betreuung in finanziellen und juristischen Fragen erfolgt durch das Büro Macs aus Frankfurt am Main und die Betreuung in planerischen und baulichen Fragen durch die Arge SPS Plan Architekten aus Leipzig und Vitamin A Architects aus Temeswar.

Die Ausschreibung zur Bestimmung einer Firma, die mit den Bauarbeiten beauftragt werden sollte, hatte vorerst ein Unternehmen gewonnen, das nach einiger Zeit Insolvenz anmeldete. „Die neue Firma, die für die Sanierung im Herbst des vergangenen Jahres beauftragt wurde, hat die Arbeiten an der Lenau-Schule mit großer Verspätung aufgenommen, so dass nun die Arbeiten nicht mehr rechtzeitig beendet werden können“, sagt Architekt Rudolf Gräf.

 

Bau der neuen Grundschule ungewiss

Der Unterricht in der deutschsprachigen Nikolaus-Lenau-Schule in Temeswar wird zur Zeit in vier Gebäuden abgehalten – am Domplatz in der sogenannten „kleinen Lenau-Schule“, im Lenau-Internat in der Nemoianu-Straße, in den ehemaligen Räumen des Nahverkehrsbetriebs RATT in der Intrarea-Doinei-Straße und im sogenannten R-Gebäude der TU „Politehnica“ auf dem Republicii-Boulevard.  Neben der Sanierung des Gebäudes an der Gheorghe-Lazăr-Straße soll an der Oituz-Straße ein neues Gebäude für die Klassen 0-8 errichtet werden.

Die Leitung der Lenau-Schule hofft, dass dieses Gebäude auch aus EU-Mitteln gebaut werden kann. Das geplante Gebäude soll laut Aussagen der Schulleiterin 48 Schulklassen beherbergen. Aktuell besuchen über 1500 Schüler die Nikolaus-Lenau-Schule. Die Hälfte davon ist in der Grundschule. „Im Lyzeum haben wir etwa 360 Schüler. Wegen der großen Anzahl von Grundschülern in den letzten Jahren, wird wahrscheinlich in vier-fünf Jahren auch die Anzahl im Gymnasium und Lyzeum steigen“, sagt die Lenau-Schulleiterin Wolf.

Da der Stadtrat beschlossen hat, dass in Temeswar der Unterricht nur vormittags stattfinden darf, werden in die große Lenau-Schule nur die Klassen 9 – 12 einziehen. Alle anderen Klassen, einschließlich der Vorschulklassen, sollen in das geplante Gebäude an der Oituz-Straße einziehen. Wann der Bau dieses Gebäudes  starten wird, ist vorläufig noch ungewiss.

Kommentare zu diesem Artikel

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*