Lesen auf Deutsch ist spannend

Lokalphase des Internationalen Lesefuchs-Wettbewerbs im „Meşotă“-Kolleg

Freitag, 04. März 2016

Die besten Kronstädter Lesefüchse (v.l.n.r): Isabela Opriş, Theodora Banu und Michael Gross Foto: Anina Micleru-Şoană

Lesen öffnet Welten. Lesen bereichert den Wortschatz und regt die Phantasie an. Lesen ist eine der besten Methoden, sich eine Fremdsprache anzueignen. Außerdem ist allgemein bekannt: wer viel liest, macht weniger Rechtschreibfehler. Ist aber Lesen im Internet-Zeitalter noch spannend? Dazu noch in einer Sprache, die man nicht immer im Alltag gebraucht? Für 10 Schüler aus dem Honterus-Lyzeum, dem Dr. Ioan Me{ot²-Nationalkolleg und dem „Doamna Stanca“- Kolleg aus Fogarasch ist Lesen in deutscher Sprache ein Vergnügen. Dass Lesen Spaß macht, konnten sie am Freitag, dem 26. Februar, im Meşotă-Kolleg, bei der ersten Phase des internationalen Lesefüchse-Wettbewerbs, beweisen. Außerdem konnten sie zeigen, dass sie nicht nur begeisterte Leser, sondern auch aufmerksame Literaturkritiker sind. Warum fand ich das Buch interessant? Würde ich mit der Person aus dem Roman, wenn sie in Wirklichkeit existieren würde, befreundet sein oder nicht? Hätte das Buch lieber ein offenes Ende? Ausgehend von diesen Fragen wurde eifrig in deutscher Sprache diskutiert.

Der nächste Schritt: regionale Phase

Aktuelle deutsche Jugendbücher zu lesen und darüber zu diskutieren: darum geht es bei „Lesefüchse International“, ein Literaturwettbewerb, der von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) an Schulen in Mittel- und Osteuropa, die das Deutsche Sprachdiplom der Kulturministerkonferenz anbieten, organisiert wird. Das Projekt  wurde im Jahr 2008 an Schulen in Russland, die das Deutsche Sprachdiplom anbieten, ins Leben gerufen. Inzwischen findet der Wettbewerb in DSD-Schulen Bulgariens, Rumäniens, Ungarns, Georgiens, der Mongolei, Russlands, Weißrusslands, Lettlands, Litauens und Estlands statt. Am Wettbewerb können Schüler der Klassen 9-11 teilnehmen. Anfang des Schuljahres bekommen die Teilnehmer vier aktuelle, oft bereits preisgekrönte deutsche Jugendbücher. Diese müssen sie bis Ende Februar lesen. Im Verlauf des Schuljahres bereiten sie sich auf den Wettbewerb vor, in dem sie miteinander über Themen, Figurengestaltung oder Konfliktsituationen, die in den Büchern deutlich werden, diskutieren. Auf die Gewinner wartet die regionale Phase (voriges Jahr hat sie in Mediasch stattgefunden) und anschließend die Landesphase. Die Sieger des Landesfinales kommen zum Abschluss eines Wettbewerbsjahres in einem internationalen Finale zusammen. Hier wird nach einer freien Diskussion über die Bücher nicht nur der „Lesefuchs des Jahres“ sonder auch das „Lesefuchs-Buch des Jahres“ ermittelt. Voriges Jahr hat das internationale Finale im Rahmen des Literaturfestivals Berlin stattgefunden.

Von der modernen Fabel bis zum Thriller

Ein junger Wolf, der als einziger die Flucht seiner Familie in die besseren Wälder überlebt hat und von Schafen aufgezogen wurde, gerät unter Verdacht, als eines Tages ein Mord geschieht. Vier Jugendliche erleben, dass die Zeit stehen bleibt und alle Menschen um sie herum verschwinden. Ein Mädchen, das davon träumt, Meeresbiologin zu werden, erlebt das Auftauchen eines Schiffswracks, das dunkle Geheimnisse birgt. Ein 14jähriger erlebt den ersten Weltkrieg, dessen Schrecken auch vor seiner Familie nicht halt machen. Von diesen vier Geschichten ist in den Büchern „Die besseren Wälder“ von Martin Baltscheit, „Vakuum“ von Antje Wagner, „Seefeuer“ von Elisabeth Hermann und „Zeit der großen Worte“ von Herbert Günther die Rede. Eine moderne Fabel, eine Sci-Fi-Geschichte , ein Thriller und ein Roman über den ersten Weltkrieg. Unterschiedlicher hätten die Themen der Bücher, die für den diesjährigen „Lesefuchs“-Wettbewerb ausgewählt wurden, nicht sein können. Am Ende wählte eine Jury aus Deutschlehrern die Gewinner aus. Theodora Banu vom Honterus-Lyzeum, Isabela Opriş vom „Doamna Stanca“- Kolleg Fogarasch und Michael Gross vom Nationalkolleg „Dr. Ioan Meşotă“ dürfen im Frühjahr bei der regionalen Phase teilnehmen. Vielleicht schafft es einer von ihnen in die Landesphase oder sogar in die internationale Phase. Die Chancen stehen auf jeden Fall gut.

Kommentare zu diesem Artikel

Tourist, 10.03 2016, 08:44
Lesen auf Deutsch ist spannend, nicht unbedingt weil Deutsch so eine tolle Sprache wäre, Rumänisch ist auch toll. Aber kleine Sprachen so wie Rumänisch haben eben eine beschränkte Literatur- und Medienproduktion, während die Kenntnis einer großen Sprache (und dazu zählt Deutsch, ob man es glaubt oder nicht) einem den Zugang zur großen weiten Welt öffnet. Das ist einfach so und wird auch so bleiben, so lange Rumänisch nicht von 100 Millionen Menschen gesprochen wird und zum wirtschaftlich potentesten Wirtschaftsraum in Europa aufsteigt. Wenn ich ein vernünftiges Buch über einen speziellen Teilbereich der Elektrotechnik lesen will, über künstliche Befruchtung in der Zucht von Lamas oder über einen Teilaspekt des tibetischen Buddhismus, dann gibt es das einfach auf Rumänisch nicht.

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