„Licht und Klang“ in Temeswar

Internationale Jugendveranstaltung mit Schauspiel und Musik

Freitag, 01. September 2017

25 Jugendliche aus unterschiedlichen Donauländern kamen im August zu einer deutschsprachigen Jugendveranstaltung in Temeswar zusammen.

Innerhalb von Seminaren und Workshops ist eine gemeinsame Theatervorführung mit Musik entstanden.

Die Abschlussvorführung unter dem Namen „Hinter den Toren“ wurde im „Karl Singer“-Festsaal des Temeswarer AMG-Hauses vorgestellt.

Die Jugendlichen zwischen 16 und 22 Jahren durften innerhalb der Jugendwoche auch die Region kennenlernen. Die Gruppe besuchte dabei die Basilika Maria Radna.
Fotos: privat

Aus dem Festsaal des Adam-Müller-Guttenbrunn-Hauses hört man Gelächter, dann Flüstern, dann hört man laut einige Hinweise, dann herrscht für einige Momente Ruhe. Man kann es kaum erwarten, den Raum zu betreten und zu sehen, was da los ist. Doch beim Betreten des Raumes gibt es eine Überraschung: In bloß wenigen Augenblicken ist es dunkel und still geworden. Plötzlich wird aber eine Ecke der Bühne beleuchtet. Im Strahlen des Lichtes kommt aus dem Dunkeln ein junger Mann hervor. Mit lauter Stimme trägt er in einem Deutsch mit starkem Akzent etwas vor. „Gut gemacht, aber jetzt bitte mit etwas mehr Rücksicht auf die Ausdrucksweise“, ruft aus einer dunklen Ecke im Saal ein Mann. „Gut, wir machen jetzt fünf Minuten Pause“, setzt er fort.

Der gesamte Raum wird hell und aus der dunklen Ecke treten nun mehrere junge Leute hervor. Es sind Jugendliche zwischen 16 und 22 Jahren, die aus unterschiedlichen Donauländern nach Temeswar gekommen sind, um an der Jugendveranstaltung „Licht und Klang“ mit musikalisch-dramaturgischem Fokus teilzunehmen. Die insgesamt 25 Jugendlichen kommen aus Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Deutschland, aus der Republik Moldau, Montenegro, Rumänien und aus der Ukraine. Sie arbeiten zusammen und lassen dabei ein Theaterstück mit gemeinsamer Melodie entstehen. Die Idee dahinter: Unter dem Namen „Licht und Klang“ soll in Musikseminaren und Schauspielworkshops Wissen über den Donauraum vermittelt werden.

Musik trifft  auf Schauspiel

Die Jugendlichen sind in Gruppen eingeteilt. Sie alle bereiten derzeit in der Bega-Stadt eine einzigartige Vorführung: Im „Karl Singer“-Festsaal des AMG-Hauses probt gerade die Theatergruppe unter der Leitung des deutschen Schauspielers und Theaterpädagogen Jörg Zenker. Nicht weit davon entfernt, in der Nikolaus-Lenau-Schule, sind zwei andere Gruppen zu finden. Die Arbeitsgruppen „Musik“ und „Poetryslam“ werden von den deutschen Pädagogen Thilo Ruck und Jonas Bolle geleitet.

Die Lenauschüler haben gerade Sommerferien, doch das Gebäude in der Gheorghe-Lazăr-Straße bebt von Energie. Vom Flur her hört man Instrumente aus der Schulbibliothek ertönen: Geige, Gitarre, Akkordeon, Klavier. Sie alle sprechen eine internationale Sprache, auch wenn die Mitglieder der Arbeitsgruppe aus Ländern wie Bosnien und Herzegowina, Moldawien und der Ukraine kommen. Musik ist eine Sprache, die jeder spricht - das beweisen die Jugendlichen, indem sie gemeinsam etwas vorspielen. Auch wenn sie nicht perfekt deutsch sprechen und ihre Akzente oft verraten, aus welchem Land sie kommen, beweisen die jungen Teilnehmer, dass Musik eine internationale Sprache ist. In bloß wenigen Momenten kommt auch die Chorgruppe herbei und begleitet die Musik mit ihrem Gesang. Hier entsteht gerade der musikalische Hintergrund der gemeinsamen Vorführung, die Ende der Jugendwoche in Temeswar vorgestellt wird. Gleichzeitig bereitet die Poetryslam-Gruppe Texte, die die Geschichten und Erzählungen in der gemeinsamen Performance mit dem Namen „Hinter den Toren“ begleiten werden.

Musik und Schauspiel gehen Hand in Hand. Das soll heute, am Tag der Abschlussveranstaltung, gezeigt werden. Am diesem heißen Sommernachmittag suchen zahlreiche Menschen eine kühle angenehme Zuflucht im Festsaal des AMG-Hauses. Die Vorführung beginnt. Eine Tür öffnet, eine andere schließt sich: Eine Tür öffnet, eine andere schließt sich. Von einer Banater Schwäbin aus Bakowa bis hin zu den Enkelkindern von deutschen Auswanderern in der Moderne, der erste Gouverneur des Banats, Graf Claudius Florimund von Mercy, der banatschwäbische Maler Stefan Jäger oder Anna Ferdinanda von Habsburg aus Neudorf – das Stück ist wie eine Zeitreise aufgebaut und bietet so einen Einblick in die Geschichte der Region und der Figuren. Wichtige Ereignisse für die Stadt – wie zum Beispiel Temeswar als erste Stadt mit elektrischer Straßenbeleuchtung, oder Temeswar als die erste vom Kommunismus befreite Stadt im Dezember 1989 rücken ebenfalls in den Vordergrund.

Die Donau, die verbindet

„Das Konzept des Theaterstücks orientiert sich stark an verschiedenen Persönlichkeiten aus dem Donauraum, die nach und nach in der Gänze ihrer Vielfältigkeit dargestellt werden. Symbolisch als Verbindung und Grenze der dargestellten Biografien sind Türen und Tore Teil des Bühnenbilds. Das Publikum darf jede Tür betreten, um für eine kurze Zeit Teil des Lebens dahinter zu sein“, erklärt Swantje Volkmann, Kulturreferentin für Südosteuropa an der Stiftung Donauschwäbisches Zentralmuseum in Ulm, Organisatorin der Jugendveranstaltung in Temeswar. „Schlüsselaspekt ist hierfür die musikalische Untermalung, die von den Jugendlichen einstudiert wurde. Fällt eine Tür ins Schloss, öffnet sich eine andere – die resultierende dramaturgische Wendung ist in der begleitenden Musik wiederzufinden“, setzt Swantje Volkmann fort.

Die deutsche Stiftung veranstaltet seit über 15 Jahren Jugendbegegnungen im Donauraum, zu denen Teilnehmer aus allen Donauländern einladen werden. „Die Donau ist ein Lebens- und Kulturraum, der uns alle verbindet, und doch vergessen wir allzu schnell unsere gemeinsame bunte, spannende, aber auch leidvolle Vergangenheit. Das Ziel unserer Jugendveranstaltungen ist es, nach diesen Wurzeln zu forschen, aber auch den Dialog und gegenseitigen Austausch zu fördern. Nur dadurch ist es möglich, zu erkennen, dass das, was in weiter Ferne scheint, uns in Wirklichkeit doch sehr nahe ist: denn wir alle sind Europa“, sagt die Kulturreferentin, die nun die Idee hatte, ein Pilotprojekt in Temeswar in die Wege zu leiten.

Große Pläne für Kulturhauptstadtjahr

Hinter der Initiative stand Temeswar als Kulturhauptstadt Europas 2021 – lässt die deutsche Kulturreferentin wissen. Und inspirieren ließ sie sich dabei auch vom Slogan der Kandidatur der Stadt „Lass dein Licht leuchten, erleuchte die Stadt!“: daher auch der Name des Projekts, „Licht und Klang“, das in diesem Jahr als Pilotprojekt veranstaltet wurde. „Die Besonderheit der deutschsprachigen Jugendveranstaltung mit Fokus auf Schauspiel und Musik ist die Stadt als Kulturhauptstadt Europas im Visier zu haben, aber auch das Banat wird dabei vorgestellt“, betont Swantje Volkmann. Die Jugendlichen aus dem Donauraum dürfen sich dabei nicht nur kennenlernen, Erfahrungen und Wissen austauschen. „Im Mittelpunkt steht nicht nur die grenzüberschreitende Zusammenarbeit, sondern auch ein Lernen von- und miteinander“, so Volkmann. „Temeswar ist größer und schöner als ich es mir je vorgestellt habe“, sagt froh auch ein Teilnehmer aus Montenegro, der darauf hinweist, dass die Veranstaltung mehr als nur Landeskunde bietet, sondern auch Vorurteile abbaut.

Die Veranstaltung in diesem Jahr war ein gelungener Versuch, lässt die Kulturreferntin wissen. Im Jahr, in dem Temeswar europäische Kulturhauptstadt sein wird, 2021, soll aber eine viel größere Jugendveranstaltungen mit rund 70-80 Teilnehmern entstehen. Kooperationspartner in diesem Projekt sind das Demokratische Forum der Deutschen im Banat, das Donaubüro Ulm/Neu-Ulm, das Nikolaus-Lenau-Lyzeum und das Deutsche Kulturzentrum Temeswar sowie die Regionalkoordination Rumänien, Ungarn, Serbien des Instituts für Auslandsbeziehungen-ifa. „Kulturelle Partner haben wir, nun brauchen wir auch finanzielle Unterstützer. Doch bis 2021 schaffen wir es bestimmt“, schließt Swantje Volkmann entschlossen.

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