„Lobsingt, ihr Völker alle“

Pfingstmusik und feierliche Stimmung in Keisd

Freitag, 08. Juni 2012

Der Musiknachmittag in Keisd traf auf reges Publikumsinteresse.

Ausklang mit Kaffee, Tee und Striezel – im Saal ist der passende Spruch zu lesen: „Bewahret einander vor Herzeleid/Kurz ist die Zeit, die ihr beisammen seid...“
Fotos: Christine Chiriac

„Laudate omnes gentes, laudate dominum“ – „Lobsingt, ihr Völker alle, lobsingt und preist den Herrn“ – mit diesen Worten und schöner Musik dazu wurde am Samstag das Laudate-Konzert in der überfüllten evangelischen Kirche in Keisd eröffnet.

Die hervorragende Akustik, der Altar in Weiß und Gold, der gute Zustand des 500 Jahre alten Gotteshauses, die Gäste von nah und fern und selbstverständlich die Musik – all das verlieh dem Ereignis seine festliche Stimmung. Der Grundgedanke der Laudate-Konzerte, die bereits seit mehreren Jahren stattfinden, ist, die Musik in dem Umfeld erklingen zu lassen, für das sie komponiert oder in dem sie über längere Zeit hinweg gepflegt wurde. Veranstaltet werden sie traditionsgemäß von der  Evangelischen Kirche A. B. Rumänien und der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Bukarest, in diesem Jahr kamen auch private Spender hinzu.

Gebündelte siebenbürgisch-sächsische Kräfte wirkten in Keisd mit und brachten die „einheimischen“ Klänge zu Gehör: ein Projektchor mit Choristen aus Hermannstadt, Mediasch, Schäßburg, Klausenburg, Fogarasch und Kronstadt; ein Barockorchester aus Szeklerburg/Miercurea Ciuc mit Gastinstrumentalisten aus Kronstadt; Soli aus Schäßburg, Hermannstadt, Kronstadt und Reps. Die musikalische Leitung übernahmen die Kantoren Steffen Schlandt (Kronstadt), Christiane Neubert (Fogarasch) und Edith Toth (Mediasch). Es erklang Musik zu Pfingsten – zum „Geburtstag der christlichen Kirche“, wie der Moderator des Nachmittags, der Musiker Kurt Philippi, hervorhob. Genauer ging es um Dicta („Dictum“ nannten sich in Siebenbürgen die Kirchenkantaten) aus Archiven des Schäßburger Kirchenbezirks – Eine willkommene Initiative, diese Musik aufzuführen, denn sie ist nicht nur beinah unbekannt, sondern auch wunderschön!

Besonders feierlich war das „Dictum auf das erste Pfingstfest“, das im 18. Jahrhundert von dem Komponisten und Kleinpolder Pfarrer Johann Knall geschrieben wurde. Auch die Stimmung der Arie von Johann Sartorius d.J. mit dem schönen Vers „Schmückt das Fest mit grünen Maien, zieret Kirche, Herz und Haus!“ traf auf das Laudate-Konzert zu. Aus dem 19. Jahrhundert erklang das „Dictum auf das zweite Pfingstfest“ – gemeint damit ist der Pfingstmontag – von Benjamin Weiß, einem Stadtorganisten aus Schäßburg. Wie es früher in Siebenbürgen üblich war, wurden die Choräle, die in den Kantaten die Rolle eines „Refrains“ einnehmen, auch in Keisd von der Gemeinde mitgesungen, sodass das Publikum am musikalischen Geschehen aktiv teilnahm und die Musik ihren gottesdienstlichen Charakter wiedergewann.

Sogar das 20. Jahrhundert war im Repertoire des Konzerts präsent, und zwar mit zwei Liedern mit Orgelbegleitung (Ursula Philippi aus Hermannstadt) von Gustav Fleischer – auch er war früher Stadtkantor in Schäßburg. Die Überraschung im Programm war die Arie des Sarastro aus Mozarts „Die Zauberflöte“ – doch nicht wie man sie kennt,  königlich und opernhaft, sondern in milder Gebetsstimmung und mit geändertem Text: „Du Gott, du bist der Herr der Zeit/und auch der Ewigkeiten“ statt „In diesen heil’gen Hallen/kennt man die Rache nicht“.

Die Erklärung dazu ist, dass „Die Zauberflöte“ bereits sieben Jahre nach Mozarts Tod in Hermannstadt erstaufgeführt wurde und dass die Arie des Sarastro in Siebenbürgen sehr bekannt und beliebt war. Zum Schluss erklangen noch „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre“ von Venzel A. Müller - Kapellmeister in Brünn und Wien und Zeitgenosse von Beethoven – sowie ein feierliches Orgelnachspiel, dargeboten von Steffen Schlandt. Damit wurde auf die wertvolle Keisder Orgel aufmerksam gemacht, die im Jahre 1786 von Johannes Prause gebaut wurde und nun Reparaturen (und Spenden) benötigt. Pfarrer Johannes Halmen segnete die Anwesenden und bedankte sich dafür, „dass unsere Kirche dieses siebenbürgische Mikrokosmos beherbergen und am göttlichen Makrokosmos teilhaben darf“.

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