Low-Cost-Reise durch die Welt

Bogdan Budai ist ein „weltweiter Anhalter“

Montag, 04. Juli 2016

Bogdan Budai begab sich auf Europareise - mit ganz wenig Geld. In einem Jahr besuchte er zehn Länder und gab dafür rund 300 Euro aus.

Über seine Reisen erzählt der junge Mann auch auf seiner Webseite www.bogdanbudai.ro und auf Facebook unter www.facebook.com/worldwidehitchhiker.

Wenn er nicht reist, hält Bogdan Seminare zum Thema „Ohne Geld durch die Welt reisen“.

Arbeit im Tausch für Unterkunft und Verpflegung: Garten- und Bauarbeit, Übersetzungen oder Nachhilfestunden für Kinder.
Fotos: privat

Das Leben als unendlichen Urlaub zu erleben und rund um die Welt zu reisen, ohne dabei eine Bank ausgeraubt zu haben - wer träumt nicht davon? Manche Leute wandeln ihren Traum in eine Lebenserfahrung um, so wie der 26-jährige Temeswarer Bogdan Budai. Sein Motto lautet: Ohne Geld durch die Welt - das ist gar nicht so schwer! Davon ist Budai nicht nur völlig überzeugt, sondern er bewies es auch, als er 2013 mit nur 500 Euro in der Tasche auf Europareise startete. Insgesamt zehn europäische Länder schaffte er in einem ganzen Jahr zu besuchen und dabei bloß 300 Euro auszugeben.

Die Arbeit in einer multinationalen Firma sei nichts für ihn, entschied Bogdan Budai vor einigen Jahren. Der in Hunedoara geborene und in Temeswar/Timişoara lebende junge Mann wollte die Welt entdecken. Sein Abenteuer begann, als er sich mit seinem letzten Gehalt in der Tasche für ein ganzes Jahr durch Europa aufmachte. „Vielen scheint dies eine Verrücktheit zu sein, aber ich beschloss, die finanzielle Sicherheit aufzugeben und meinem Traum und meiner Leidenschaft nachzugehen“, vermittelt Bogdan Budai, der sich auch als „worldwide hitchhiker“ (auf Deutsch: weltweiter Anhalter) bezeichnet. Filzlocken und der lange schwarze Bart sollen ein junges, teenagerartiges Gesicht verbergen. Doch seine funkelnden blauen Augen verraten ihn. Dabei trägt Bogdan immer ein Lächeln im Gesicht, und wenn er von seinen Erfahrungen erzählt, lächelt er sogar aus allen Poren.

Knapp mehr als 1,30 Euro habe er pro Tag ausgegeben. Ab und zu erlaubte er sich den Luxus, in der Stadt zu essen, jedoch nicht mehr als zehn Euro dafür auszugeben. Um trotzdem über die Runden zu kommen hat Bogdan Budai viel freiwillige Arbeit geleistet und für Unterkunft und Mahlzeit gearbeitet. Den ersten Halt auf seiner abenteuerlichen Reise legte er in Ungarn ein. Schon dort habe er für Kost und Logis gearbeitet: Garten- und Bauarbeit, Nachhilfestunden für Kinder und jede Menge Haushaltstätigkeiten ... „Ich war selbst überrascht, wie viele Aufgaben ich bewältigen kann, auch ohne sie davor jemals verrichtet zu haben. So hat sich für mich nun eine neue Leidenschaft entwickelt – die Gartenarbeit“, erzählt Bogdan Budai. Auf seiner Reise ist der junge Mann immer per Anhalter gefahren. „In Europa ist es völlig anders als in Rumänien – die Leute erwarten von dir kein Geld. Es ist auch illegal, Geld fürs Autostoppen zu verlangen. Die Leute sind sehr hilfsbereit“, erzählt der junge Mann. Seine Reise führte weiter durch Kroatien, Slowenien, Italien, Frankreich, Spanien, Portugal, Großbritannien, Deutschland und Österreich.

Als Vorgeschmack für seine Europareise unternahm Bogdan mit einigen Freunden eine Reise durch Rumänien: „Wir waren fünf in einem Auto, und ein Hund. In zwei Wochen schafften wir es, mit 200 Lei ans Meer, ins Gebirge und ins Donaudelta zu reisen. Mit einem Auto und einem Zelt kann man die Welt low-cost erobern“, überzeugt Bogdan Budai lächelnd. Der junge Mann beschreibt sich als abenteuerlichen Typ –zwei Jahre lang hat er sich für die Medizinhochschule „Carol Davila“ in Bukarest vorbereitet. Als das Prüfungsergebnis „abgelehnt“ lautete, wählte er eine Alternative - „die er niemals bereuen werde“, sagt er: die Fakultät für Psychologie an der West-Universität Temeswar. Als aktiver Mensch beteiligte er sich bei verschiedenen Studentenvereinen und Projekten. Doch der Drang nach mehr wurde in ihm immer wieder lebendig, erzählt er. Anderthalb Jahre nach seinem Abschluss und seinem ersten Job traf er schließlich die verrückteste Entscheidung in seinem Leben: „Ich gab meinen Job, meine Mietwohnung und einen Teil von meinem Hab und Gut auf, damit ich um die Welt reisen kann.“ „So ist mein Projekt WorldWideHitchHiker entstanden“, setzt der junge Mann fort. Mit einigen Pausen war Bogdan Budai seither rund drei Jahre auf Reisen.

Zwischendurch nahm sich der damals 23-Jährige vor, durch die gesamte Welt zu trampen und alternative Möglichkeiten für Verkehr, Unterkunft und Verpflegung zu erkunden. Bisher schaffte Bogdan es lediglich durch Europa, wo man kein Visum mehr benötigt, erklärt er. Doch seine Weltreise soll weiter gehen. „Als ich mein Abenteuer begann, hatte ich keine Ahnung, worauf ich stoßen würde. Die Reise auf eigene Faust hat mir vieles beigebracht und ich habe vieles über mich erfahren“, sagt Bogdan, der ganz allein unterwegs war. Wenn er zuhause in Rumänien weilt, betätigt er sich auch als Coach und Berater, hält zahlreiche Seminare und Treffen unter dem Slogan „Wie kann man ohne Geld reisen?“ Dabei möchte Bogdan Budai seine Erfahrungen auch mit anderen Leuten teilen und Menschen, die selber auf eine Low-Cost-Reise starten wollen, Tipps und Tricks verraten.

Etwa 15 junge Leute kamen auch in Temeswar zu einem solchen Seminar. Mit großen Reiseplänen und wenig Geld wollen sie alle im Sommer reisen. „Low-Cost bedeutet von einer Person zur anderen Unterschiedliches. Es gibt Leute, die mit 130 Euro einen ganzen Monat reisen wollen; andere haben 200 Euro für drei Monate und es gibt Menschen, die 500 Euro in zwei Wochen ausgeben – deswegen versuche ich, allen die besten Ratschläge zu geben“, sagt Bogdan Budai. Die Seminare sind kostenlos – Spenden willkommen. Das gesammelte Geld will Bogdan für weitere Reisen einsetzen. Für seine Tour fand Bogdan Budai folgende Webseiten nützlich: couchsurfing.com (ein kommerzielles und internetbasiertes Gastfreundschaftsnetzwerk, wobei die Mitglieder die Website nutzen, um eine kostenlose Unterkunft auf Reisen zu finden); helpx.net (eine Webseite für freiwillige Arbeit – Unterkunft und Verpflegung im Tausch für verschiedene Dienstleistungen); blablacar.ro (Europas größte Mitfahr-Community); airbnb.com (Community-Marktplatz für Buchung und Vermietung von Unterkünften weltweit); campinmygarden.com (Netzwerke für Plätze für Camper in privaten Gärten).  
Für die Zukunft hat sich Bogdan vorgenommen, Rumänien mit wenig Geld Schritt für Schritt zu entdecken. Entschlossen bekennt er: „Ich möchte mein ganzes Leben lang reisen!“

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