Luftverschmutzung ist weiter zu verringern

Stahlwerk TMK möchte neue integrierte Umweltschutzgenehmigung erzielen

Donnerstag, 04. Januar 2018

Reschitza – Wenn man in Reschitza in eine Autowaschanlage fährt, kommt seitens des Personals meist die mitleidig betonte Frage: „Sie wohnen wohl in der Altstadt oder im Stadtzentrum?” Denn die Feinstaubschicht, die sich in diesen Gegenden auf den unter „freiem” Himmel geparkten Fahrzeugen absetzt, hat eine einzige Ursache: das mitten in der Altstadt stehende Stahlwerk TMK.

Dass es dort steht, kommt von der Anlage der Stadt Ende des 18. Jahrhunderts. Dass die Luftverschmutzung rund ums Stahlwerk, also auch die Feinstaubbelastung, immer noch sehr hoch ist, zeugt von unzulänglichen Bekämpfungsmaßnahmen des Stahlwerks. Trotzdem hat sich seit dem Kauf der Werke durch die Russen von TMK einiges getan. Dass es noch nicht reicht, zeigte sich auf der jüngsten Begegnung mit der Zivilgesellschaft, die vom Amt für Umweltschutz initiiert und von dessen Leiter, Marius Vodiţă, moderiert wurde.

Einleitend präsentierte das Werk die Maßnahmen, die es bisher traf. 2005 wurde die erste Entstaubungsanlage (eine Trockenstaubauffanganlage) in Betrieb gesetzt. Laut TMK führte das dazu, dass Fein- und Suspensionsstaub zu 98,8 Prozent zurückgehalten wurde (vorher kamen rund 80 mg/kbm Staub in die Luft, nach der Inbetriebnahme 0,91mg/kbm). Als TMK vor vierzehn Jahren das Stahlwerk übernahm, pustete dieses noch, je nach Beschickung (die Beschickung ist jener Vorgang, bei dem der meiste Staub aufgewirbelt wird), zwischen 12 und 17 Tonnen Feinstaub pro Tag in die Atmosphäre, war der Präsentation von TMK zu entnehmen, bei der auch Generaldirektor Romulus Ioan dabei war.

Säuberungsarbeiten hat TMK auch im Lagerhaus für Teer der ehemaligen Kokerei vorgenommen, aber auch an den Schloten für die abgebrannten Gase sind Reinigungsinstallationen angebracht worden. Das alles kostete rund fünf Millionen Euro, rechnete TMK vor. Jetzt arbeite man an der Schließung der diversen Türen der Stahlwerkshalle, was ebenfalls zu einer Verringerung der Luft- und Umweltverschmutzung beitragen wird, versicherte TMK.

2018 soll die gesamte Stahlwerksplattform mit neuen Türen versehen werden, kündigten die Verantwortlichen an. Und bis Ende August 2018 soll die Halle im Sandwich-Verfahren eine neue Lärmschutzhülle bekommen.

Moniert wurde bei der beratenden Versammlung von Vertretern der oberhalb des Stahlwerks am Kreuzberg Wohnenden, sowie Bewohnern der „Reihen” I, II und III (die Straßen heißen tatsächlich Rândul I, II und III), dass der Feinstaub auf ihre Häuser und Gärten niederrieselt, wenn ein Beschickungsvorgang läuft. Das sei nach wie vor eine schwere Belastung und Minderung des Wohnkomforts. Sowohl Romulus Ioan als auch Marius Vodiţă notierten sich diese Vorwürfe, denn gerade solche Aspekte zählen bei der Ausarbeitung einer Umweltgenehmigung, die für die kommenden zehn Jahre gilt.

Zum Thema Umweltbelastung der Stadt durch TMK könnte es zu einem späteren Zeitpunkt eine zusätzliche Aussprache geben, bevor die Umweltgenehmigung ausgestellt werden kann. Im Fall TMK fällt dessen ökonomische und soziale Rolle in der Stadt und im Banater Bergland schwer ins Gewicht, zumal es wohl auf keiner Ebene jemand gibt, der auf eine Schließung des Reschitzaer Stahlwerks hinarbeitet. Irgendwie muss also das Amt für Umweltschutz eine salomonische Lösung finden, um allen Seiten gerecht zu werden.

Generaldirektor Romulus Ioan machte sich eifrig Notizen, ergriff aber in keinem Kontext das Wort.

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