Lungensanatorium Marilla soll „zeitweilig“ geschlossen werden

Kranke sollen nach Orawitza verlegt werden

Samstag, 26. September 2015

Die offizielle Lösung für die über Jahre vor sich hergeschobenen Reparaturprobleme des Lungensanatoriums Marilla – eine Abteilung des städtischen Krankenhauses Orawitza – lautet: Die 140 Patienten des Lungensanatoriums werden ins Krankenhaus in der Stadt Orawitza verlegt und das aus der Zeit von vor dem Ersten Weltkrieg stammende Sanatorium Marilla (das in der Zwischenkriegszeit zu einem Militärkrankenhaus „für den Kriegsfall“ um- und ausgebaut wurde, um nach dem Krieg wieder Lungensanatorium zu werden) wird „zeitweilig“ geschlossen. Diese Lösung, in seiner offensichtlichen Verzweiflung vom weitgehend auf sich selbst gestellten Krankenhausdirektor Felician Fara lanciert und von den Verantwortlichen des Gesundheitswesens (DSP) auf der Ebene des Verwaltungskreises Karasch-Severin freudig übernommen, birgt eine akute Gefahr in sich: Der für die Tuberkulose-Erkrankung verantwortliche Koch- Bazillus wird mit dieser Maßnahme wissentlich-ungewollt nach Orawitza „exportiert“.

Die Meinung des Leiters im Gesundheitsamt

Dass laut Gerüchteküche die TBC-Abteilung im Orawitzaer Krankenhaus auch noch neben die Abteilung für Gynäkologie und Neonatologie verlegt werden soll, weckte die Ärzte des Krankenhauses auf, die von Dr. Dragoş Luca, dem Direktor der Direktion für Öffentliche Gesundheit, DSP, in Reschitza, erst mal beschwichtigt werden mussten: „In Marilla werden keine Kranken mit aktivem TBC behandelt, sondern chronisch TBC-Kranke. Die aktiven Träger des TBC-Bazillus sind in Reschitza – übrigens in einem Krankenhausgebäude im Herzen der Altstadt – untergebracht. In Orawitza wird sich die Abteilung für Geburten und Neugeborene nicht im selben Gebäude mit den chronisch Lungenkranken befinden, die aus Marila hierher verlegt werden. Mehr noch: Mir scheint immer wahrscheinlicher, dass die Geburten- und Neugeborenen-Abteilung in Orawitza aufgelöst wird, weil es im gesamten dortigen Umfeld – das heißt Anina, teilweise die Almăj-Senke und die Orawitzaer Tiefebene – nur noch ein-zwei Geburten pro Monat gibt, dafür aber im Krankenhaus zwei Gynäkologen und keinen einzigen Neonatologen. Die Lage ist umso vertrackter, als niemand Marilla schließen möchte, weder ich, noch sonstwer, dass aber die Entscheidung längst nicht mehr bei uns liegt (die für das Krankenhaus verantwortliche Stadt Orawitza hat kein Geld, das Ministerium plant keines dafür ein).“

Die Meinung eines Ex-Krankenhausdirektors

Nun hat sich einer der beiden Gynäkologen des Krankenhauses von Orawitza zu Wort gemeldet und an alle Medien appelliert, seine Bedenken gegenüber der Schließungs- und Verlegungsmaßnahme von Marilla bekanntzumachen. Dr. Nicolae Rambu war über lange Jahre Direktor des Krankenhauses im Orawitza benachbarten Ort Anina – Marilla liegt auf halbem Wege zwischen den beiden Montanstädtchen im südlichen Teil des Banater Berglands. Er hat das Krankenhaus in Anina durch offizielle Investitionen, aber auch durch die Aktivierung und geschickte Nutzung der Bereitschaft in- und ausländischer Spender auf Hochglanz gebracht – was es aber zur Zeit der radikalen Sparmaßnahmen der Boc-Regierung vor der Schließung auch nicht gerettet hat. Als ehemaliger Krankenhausleiter hat Dr. Rambus Stimme einiges an Gewicht:
„Letztendlich verstehe ich nichts von dem, was Dr. Luca erklärt. Werden nun die TBC-Kranken nicht neben die Gynäkologieabteilung verlegt oder wird einfach die Gynäkologie und Neonatologie aufgelöst und der TBC-Abteilung Platz verschafft? Mir hat man gesagt, dass die Gynäkologie aufgelöst wird. Dass sie rund 20 Ortschaften im Umkreis dient, scheint keine Rolle zu spielen. Das ist genauso unnormal, wie vieles andere, was in diesem Verwaltungskreis passiert. Wo man unfähig ist zu Lösungen, dort schließt man einfach. So werden die Behörden zu Totengräbern des Verwaltungskreises. Stimmt: Es gibt wenig Geburten in diesem Raum. Aber ist es denn in Gesamtrumänien anders? Hingegen: Eine Frau, die ein Kind zur Welt bringt und dabei und danach nicht behandelt wird, wie es sich gehört, die stirbt doch, bevor die Ambulanz – wenn denn eine beim miserablen Straßenzustand rechtzeitig ankommt – sie nach Reschitza schaffen kann! Die andere Nachricht: Die Abteilung für Obstetrik und Gynäkologie soll in zwei Räume mit je sieben Betten verlegt werden, in einem eigenen Gebäude. Zwei Gynäkologen mit zwei überfüllten Salons. Ist so etwas denn möglich? Mir geht es nicht in den Kopf, wie solcherart Beschlüsse gefasst werden!“

Marilla mit unvergleichlicher Luftqualität

Dr. Rambu hat sich in einem offenen Brief („Bringt den Koch-Bazillus nicht nach Orawitza!“) auch an den höchsten Regierungsvertreter im Banater Bergland, Präfekt Nicolae Miu-Ciobanu, gewandt. Auch ihm hat er seine Argumente vorgebracht gegen eine Verlegung der TBC-Kranken in die Stadt Orawitza und gegen ein künftiges Nebeneinander der beiden hochsensiblen Krankenhausabteilungen TBC und Gynäkologie. Er weist auch auf die Initiative der Gewerkschaften hin, die eine Rettung durch Sanierung von Marilla über EU-Projekte anstreben: „Sehr gut. Aber wann?“, kommentiert Dr. Rambu bloß. Und Dr. Nicolae Rambu, der in seinen Aninaer Jahren sehr wohl die Luftqualität inmitten Nadelwäldern zu schätzen lernte, fügt noch hinzu: „Der Raum in Orawitza, wohin die TBC-Kranken verlegt werden sollen, reicht nicht aus. Die Behandlungsbedingungen sind nicht gegeben. Glaubt denn irgendjemand, dass diejenigen, welche das Lungensanatorium gerade in Marilla geplant und gebaut haben, mitten im Nadelwald, nicht auch an die Luftqualität gedacht haben und an deren therapeutische Wirkung? Hält denn jemand diese Planer einfach für dumm? Was die Heutigen jetzt vorhaben, das kann nicht gutgehen. Ich glaube und hoffe, dass kein Gesundheitsminister, sofern der auch nur ein bisschen Grips im Schädel hat, einem solchen Plan zustimmt!“

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