Maibaumfest in Sanktanna

Großes Interesse für deutsche Sitten und Bräuche. Foto: Zoltán Pázmány

Mittwoch, 22. Mai 2013

Die Sanktannaer Tracht ist ein Blickfang.

Mehr als 50 Trachtenpaare haben sich am Pfingstsonntag im Schulhof der Sankt-Anna-Schule versammelt. Groß und Klein sind gekommen, um zusammen das traditionelle Frühlingsfest der deutschen Gemeinde aus Sanktanna/Sântana zu begehen. Das Maibaumfest wird in der Arader Kleinstadt bereits seit vielen Jahren gefeiert. Die 13.000-Einwohner-Stadt ist die einzige in diesem Landesteil, wo die Tradition des Maibaumes noch am Leben erhalten wird. Veranstaltet wird das Fest vom dem Bürgermeisteramt der Stadt Sanktanna, der deutschen Abteilung der Sankt-Anna-Schule, dem Verein der Schulfreunde und dem Demokratischen Forum der Deutschen in Sanktanna.

Zwar wird heuer nicht mehr so groß wie vor Jahren gefeiert, als noch mehr als 6.500 Deutsche in der Ortschaft lebten, dennoch bietet das Maibaumfest eine gute Gelegenheit für die Mitglieder der deutschen Gemeinde, sich zu treffen und in Erinnerungen zu schwelgen. „Es hat sich vieles im Vergleich zu meiner Jugend verändert. Damals gab es vier Viertel in Sanktanna, und jeden Sonntag wurde in je einem anderen Viertel getanzt“, erinnert sich Lehrerin Theresia Höniges. Jeden Sonntag stand der Maibaum in einem anderen Viertel – er wird heute im Hof der Sankt-Anna-Schule aufgestellt. Versteigert wurden früher nicht nur einige Lämmer, sondern auch die Kaninchen, die die Kinder mitbrachten.

Lehrerin Theresia Höniges gehört zu den Menschen, die Jahr für Jahr bei der Veranstaltung des Maibaumfestes aktiv mitmachen. In der Kirche ziehen die Mädchen ihre Trachten an, Theresia Höniges schaut noch schnell nach, ob denn auch alles in Ordnung ist. Die Röcke und Blusen werden aus alten Koffern herausgeholt und sorgfältig angezogen. Ein wahrer Blickfang ist die Sanktannaer Tracht mit den vielen kleinen Fältchen an den steif gestärkten Röcken. Die Mädchen tragen sie mit Stolz, auch wenn die meisten von ihnen nicht deutschstämmig sind. „Wir tanzen ein bisschen im Hof, danach gehen wir spazieren durch die Stadt. Es ist ein schönes Fest“, sagt die zehnjährige Schülerin Jasmin, die bereits seit vier Jahren beim Maibaumfest ihre Tracht anzieht.

Begeisterung pur herrscht im Schulhof, wo sich die Trachtenpaare versammelt haben. Von hier marschieren sie ins Stadtzentrum und wieder zurück. Den musikalischen Rahmen gestaltet eine Blaskapelle aus Nadlak/Nădlac. Nicht nur Schülerinnen und Schüler der Sankt-Anna-Schule, sondern auch Trachtenpaare des Jugendtrachtenvereins Banat-JA aus Neuarad sind dabei. Der römisch-katholischen Kirchentradition zufolge ist der Monat Mai der Heiligen Maria, Mutter Gottes, gewidmet. So kommt es, dass der Trachtenumzug zum Maibaumfest auch in die Mutter-Anna-Kirche geht und einer kurzen Marienandacht beiwohnt. Nur etwa 20 Minuten dauert die Andacht, danach trifft man sich wieder im Schulhof. Hier tanzen die Trachtenpaare die traditionellen Tänze um den Maibaum. Es wird gejubelt und gelacht, zur Freude aller Gäste.  „Diese Tradition pflegen wir, seitdem in Sanktanna Deutsche leben. Die Schule veranstaltet das Maibaumfest seit 15 Jahren. Über diese Feier freuen sich die Kinder am meisten“, sagt die stellvertretende Schulleiterin Ana Höniges.

Eins steht sicherlich fest: Gäbe es die deutsche Abteilung an der Sankt-Anna-Schule nicht, würde wahrscheinlich auch kein Maibaumfest mehr organisiert werden. Heute ist das Maibaumfest in Sanktanna eine multiethnische Angelegenheit. Neben den deutschen Trachtenpaaren sind nämlich immer auch rumänische Paare dabei. „Wir können von Glück sprechen, dass die deutsche Abteilung an der Schule in Sanktanna aufrechterhalten wurde. Wir sind froh, dass noch so großes Interesse für das Erlernen der deutschen Sprache bzw. für das Deutschtum in der Stadt vorhanden ist“, sagt der Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen in Sanktanna, Martin Reinholz. Die Teilnehmer am Maibaumfest sind heute meist Kinder – das war früher schon ein bisschen anders, wie sich der Forumsvorsitzende Martin Reinholz erinnern kann: „Im Banat war es allgemein so, dass die jungen Burschen den Mädels einen Maibaum gesetzt haben. In meiner Jugendzeit zogen immer Ende April die Burschen aus den vier Vierteln aus Sanktanna sowie diejenigen aus Altsanktanna in den Wald, fällten einen Baum und stellten ihn in den jeweiligen Vierteln auf. Früher waren es die Burschen ab der achten Klasse, die die Mädels zum Maibaumfest einluden“, sagt der Sanktannaer Forumsvorsitzende.

Auch in diesem Jahr standen zwei Lämmer in einem Korb auf dem Maibaum, die darauf warteten, versteigert und verlost zu werden. Es dauerte einige Stunden, bis die Tiere einen Besitzer fanden, denn die Sanktannaer boten zunächst eher zaghaft an. Maximilian Reinholz und Karina Palcu-Socaciu waren schließlich diejenigen, die nach der Versteigerung je ein Lamm mit nach Hause nehmen durften.

Das Maibaumfest ist nicht das einzige Fest, das die Deutschen aus Sanktanna jedes Jahr veranstalten. Eine großangelegte Feier der deutschen Gemeinde aus Sanktanna steht im Sommer wieder an. Dann findet in der Heilige-Mutter-Anna-Kirche das 145. Kirchweihfest statt, zu dem auch zahlreiche Landsleute aus dem Ausland erwartet werden. Die römisch-katholische Kirche begeht das Hochfest der Heiligen Mutter Anna, den sogenannten Annentag, am 26. Juli. 

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