„Maidan“ erhielt Astra-Preis

Die Jury bewertete heuer vorwiegend die sozial-politische Thematik

Dienstag, 14. Oktober 2014

Der Ukrainer Sergei Loznitsa erhielt den Großen Preis des Astra-Film-Festivals.
Foto: Astrafilm

Hermannstadt - „Maidan“, die filmische Chronik der Ereignisse vom Winter 2013/2014 in Kiew, die zum Fall der Regierung Janukowitsch und Neuwahlen geführt hatten, erhielt den Großen Preis des Astra-Film-Festivals. Die 130-minütige Dokumentation des ukrainischen Regisseurs Sergei Loznitsa überzeugte die Jury, der u. a. der Regisseur Cristi Puiu und die Filmritikerin Eugenia Vodă aus Rumänien, die Anthropologin Cynthia Lee Close und Dokumentarfilmerin Mona Nicoară (beide USA), der britische Anthropologe und Filmemacher Michael Stewart oder die Japanerin Yang Yonghi angehört hatten. Loznitsa selbst hat mit dem Preis offensichtlich nicht gerechnet: Vor der Verleihungszeremonie am Samstagabend im Thalia-Saal hatte er nach der Präsentation seines Films den Zuschauern Rede und Antwort gestanden, bei der Preisverleihung fehlte er jedoch, sodass Urkunde und Preis ihm nachher verliehen wurden.

Insgesamt zugelassen waren in vier Wettbewerbskategorien des Dokumentarfilm-Festivals 41 Streifen. Die Argumentation der Jury für die prämierten Filme wurde vorgestellt, ist jedoch nicht in allen Fällen nachvollziehbar. Positiv bewertet haben die Juroren heuer eindeutig Dokumentationen zu sozial-politischen Themen, die künstlerisch eindrucksvollere Aufarbeitung heikler historischer Fragen hatte das Nachsehen. Insgesamt jedoch war auch die diesjährige Ausgabe als großartiger Anlass zu sehen, was in der Welt so alles geschieht. Schade, dass die Streifen in fünf Sälen in der Altstadt verteilt ziemlich zeitgleich liefen, sodass man weniger sehen konnte als in den Jahren zuvor, als das Festival im Gewerkschaftskulturhaus besser konzentriert war (das man sich wegen der hohen Miete heuer nicht leisten konnte). Würdigen aber muss man die Sorgfalt mit der wiederum für das Sonderprogramm für Kinder, das Workshop für Lyzeumsschüler, das Rahmenprogramm anlässlich der 100 Jahre seit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs, die verschiedenen Debatten zu Schwerpunktthemen (Städtebau, Kommunen, etc), die grafische Gesamtgestaltung von Trailer, Programm usw. durch den Künstler Dan Perjovschi, die allabendlichen Konzerte u. a. gesorgt worden ist.  
 
Was die anderen Preise angeht, so ging ein durchaus verdienter in der Sparte „International“ an Marc Bauder für „Master Of The Universe“: In zynischer Offenheit bietet ein ehemaliger deutscher Banker in einem seit sechs Jahren leer stehenden Banken-Wolkenkratzer Einblick in das die Welt regierende Finanzen- und Bankensystem. In derselben Kategorie wurde Corneliu Porumboiu für „Das zweite Spiel“ mit einem Sonderpreis ausgezeichnet. Als bester europäischer Streifen wurde „Blut“ der Russin Alina Rudnitskaya prämiert, die ein Blutabnahme-Team durch mehrere kleine Ortschaften Russlands begleitet hat, wo für viele Leute das Blutspenden die einzige sichere Einnahmequelle ist.

In der Kategorie „Rumänien“ ging die Auszeichnung an die in Belgien lebende Teodora Ana Mihaia für die filmische Beobachtung von acht in einer Sozialwohnung in Bac²u lebende Kinder, deren Mutter in Italien arbeitet. Sie warten auf den August, wenn die Mutter heimkommt, bis dahin muss die 15-jährige Georgiana sie ersetzen. Die Sonntags-Beziehung zwischen einer Mutter und ihrem im Kinderheim lebenden Sohn zeichnete Dorottya Zurbo (Ungarn) nach, die den Preis in der Kategorie der besten Studentenfilme erhielt. Diese Prämie wurde vom Konsulat der Bundesrepublik Deutschland in Hermannstadt gestiftet, überreicht hat sie Konsulin Judith Urban. Zum vierten Mal gab es heuer sodann einen Preis für einen Streifen, der auf die Umwelt aufmerksam macht. Erhalten hat ihn der Amerikaner Mark Grieco für „Marmato”, der die Auseinandersetzungen zwischen einer kanadischen Goldbau-Corporation und einer Gemeinschaft in Kolumbien sechs Jahre lang verfolgt hat. Die Analogie zu Roşia Montană lag auf der Hand. Erneut konnte man feststellen: Es gibt nichts, was es nicht gibt auf dieser Welt.

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