Manche Schule tut sich schwer mit dem Dualen

Westliches Bildungsmodell hält trotzdem Einzug

Dienstag, 02. Juli 2013

Peter Hochmuth präsentiert die Vorteile: Berufsschüler erhalten im dualen Bildungssystem ein Stipendium vom Staat, eines vom Partnerbetrieb und zum Abschluss einen gesicherten Arbeitsplatz.
Foto: Zoltán Pázmány

Wahrscheinlich war der Start die wichtigste Hürde, die die Unternehmen aus dem Deutschsprachigen Wirtschaftsclub Banat (DWC) überwinden mussten, als sie vor eineinhalb Jahren in akuter Not an Arbeitskräften das duale Ausbildungssystem zu fördern begannen. Ob ihre Initiativen allgemein zur Neugründung von Berufsschulen beigetragen haben oder diese sich bloß mit den Überlegungen des Ministeriums deckten, ist wohl schwer festzustellen. Im Nachhinein scheint dies auch eher zweitrangig, zumal heute der Präsident des Deutschsprachigen Wirtschaftsclubs Banat, Peter Hochmuth, sagt, man müsse mit dem Erreichten zufrieden sein und darauf aufbauen. Dass dies geschieht, zeigt allein schon, dass in Temeswar/Timişoara ab Herbst mindestens zwei weitere Berufsschulklassen mit dualer Fachausbildung zu der einen bestehenden hinzukommen werden. Die anfänglich Interesse zeigende Electrotimiş-Fachschule ist jedoch nicht einmal im zweiten Anlauf dabei.

Während auf dem Temeswarer Domplatz Schreiner, Maler und Töpfer an ihren Ständen die ehemaligen Zünfte traditioneller Berufe vertraten, wurden in der zweiten Etage des anrainenden Kunstmuseums Berufsbilder vorgestellt, für Klassen und Schulen wurde geworben. Begeistert von der Idee dualer Ausbildung zeigt sich die Ingenieurin Simona Lazăr vom Technischen West-Kolleg. Bei der Präsentation, bei der sie eigentlich vorhatte, für ihre Schule allgemein die Werbetrommel zu rühren, hat sie in Premiere von der Möglichkeit erfahren, dass auch ihre Schule in Zusammenarbeit mit den Unternehmen aus dem Wirtschaftsclub das duale Ausbildungssystem abwickeln könnte. 

Weiterhin angetan von dem Konzept ist auch Patricia Pisano, die Direktorin des Ferdinand-Kollegs, an dem gerade eine Klasse von Berufsschülern ihr erstes Ausbildungsjahr im Dual-System hinter sich hat. Die Direktorin muss ihre Begeisterung nicht in Worte fassen: Sie tut dies mit einer neuen Anfängerklasse für Elektriker und außerdem will sie eine weitere Klasse für künftige Elektromechaniker ins Leben rufen. Auch das I.C. Brătianu-Kolleg (ehemalige Textilfachschule MIU) hat sich für die duale Ausbildung entschlossen. Mit einer Anfänger-Klasse im Bereich Verwaltungsfachleute will das „Brătianu“ starten, denn Administration sei „für den Produktionsablauf notwendig“, heißt es bei der Schulleitung.

„Je mehr Fachschulen sollten sich am Projekt beteiligen“, plädiert Peter Hochmuth für den Ausbau des Systems. Eine Chance, das duale Bildungssystem den klassischen Berufsschulabteilungen vorzuziehen, haben eigentlich alle Fachschulen, auch wenn Betriebspraktikum vielerorts kein Novum ist. Veraltete Werkstätten lassen jedoch nur in geringem Maße neue Anlernmaßstäbe zu. Dazu kommt eine gewisse Zurückhaltung anderer Art. Hinter vorgehaltener Hand heißt es nämlich auch mal, „wir wollen unser derzeitiges Personal behalten“, was bei einem Umsatteln auf duale Bildung nicht mehr garantiert wäre, denn da sind die Schüler im zweiten Studienjahr bereits zu 75 Prozent im jeweiligen Partnerbetrieb tätig.

Techniker und Facharbeiter sollen aus den neuen Berufsschulklassen hervorgehen, „was Lösungen für euch, für uns als Unternehmer und für die Region bietet“, sagt Hochmuth. Das Ferdinand-Kolleg hätte die Machbarkeit aufgezeigt, hieß es an diesem Tag vor den insgesamt etwa 130 Schülern, die bei dieser Veranstaltung dabei waren. Das Kolleg hatte eine Vorreiterrolle im Raum Temeswar eingenommen, weil man ihm „diese Art von Berufsschulklassen nicht aufzuzwingen brauchte“, sagte der Geschäftsführer von Continental Automotive in Rumänien, Christian von Albrichsfeld, bei der Eröffnung des Schuljahres im vergangenen Herbst. Nun sollen andere nachmachen. Nahezu zehn Großbetriebe aus dem deutschsprachigen Raum haben sich bereits als Projektpartner gemeldet.

Nicht geregelt sei – so der Unternehmer Franz Hoffner – wie kleine Unternehmen an Fachpersonal herankommen, die nur wenige Mitarbeiter von einem Fach brauchen, für die es weder eine Klasse gibt, noch – wegen geringer Schülerzahl – eine solche gegründet werden kann. Von der Tatsache, dass anfänglich drei Jahre zur dualen Bildung geplant waren, spricht heute niemand mehr. Eventuell davon, dass erneut von einer Änderung im Bildungsministerium gemunkelt wird: Ab 2014 sollen Berufsschüler bereits nach der 8. Klasse ihre Ausbildung beginnen können.

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