Manifest warnt vor Scheitern der EU

Prominente Intellektuelle fordern „Freiwilliges Europäisches Jahr“

Freitag, 11. Mai 2012

„Europa droht zu scheitern an der unausgesprochenen Maxime der Europapolitik, das Glück des europäischen Bürgers notfalls auch gegen seinen Willen zu schmieden“, heißt es in dem Manifest.
Symbolbild: sxc.hu

In dem „Manifest zur Neugründung der EU von unten“, das letzten Donnerstag in bekannten Zeitungen, wie der deutschen Wochenzeitung „Die Zeit“ und der italienische Tageszeitung „La Republica“, veröffentlicht wurde, äußern sich Europas führende Intellektuelle besorgt über den aktuellen politischen Kurs. „Europa droht zu scheitern an der unausgesprochenen Maxime der Europapolitik, das Glück des europäischen Bürgers notfalls auch gegen seinen Willen zu schmieden“, heißt es in dem Manifest. Deshalb fordern sie die Regierungen und Parlamente auf, die „finanziellen wie auch rechtlichen Voraussetzungen für ein Freiwilliges Europäisches Jahr für alle bereitzustellen – als Gegenmodell zum Europa von oben, dem bisher vorherrschenden Europa der Eliten und Technokraten.“ Die Erstunterzeichner kritisieren, dass Europa angesichts der Schuldenkrise zum „Feindbild“ der Bürgerinnen und Bürger geworden ist. Um dieses Problem zu lösen, bedürfe es der „Visionen der jungen Generation“. Ein „Europäisches Freiwilliges Jahr“, so meinen die Autoren, würde „nationale, ethnische und religiöse Grenzen“ durchbrechen und als „Selbstgründungsakt der europäischen Bürgergesellschaft“ dienen. Die Autoren rufen auch die Wirtschaft auf, ihren Beitrag zu leisten.

Die etwa 90 Personen umfassende Liste der Erstunterzeichner reicht quer durch alle Nationen und politische Lager, darunter Jürgen Habermas, Richard von Weizsäcker, Herta Müller, Imre Kertész und Mircea Cărtărescu, um nur einige wenige herauszugreifen. Die Initiatoren, der grüne EU-Abgeordnete Daniel Cohn-Bendit und der Soziologe Ulrich Beck, sehen in der aktuellen Krise „die Pro-Europäer bislang ständig in der Defensive“ und fordern von den Bürgerinnen und Bürgern sich zu Europa zu bekennen.

Dies ist nicht der erste Vorstoß, bei dem sich die führenden Köpfe der Zivilgesellschaft zu Wort melden, um eine Debatte über die Zukunft Europas anzustoßen. In den vergangenen Jahren gab es mehrere offene Briefe, in denen sich Intellektuelle gemeinsam an die europäische Öffentlichkeit wandten.

Link: http://www.zeit.de/2012/19/Europa-Manifest

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