Marsch für das Leben

Dienstag, 11. April 2017

Im ganzen Land haben sich am letzten März-Wochenende Tausende Menschen dem „Marsch für das Leben“ angeschlossen. Das ist gut, Demokratie lebt von Teilhabe. In Berlin wird der Marsch seit Jahren von Gegenprotesten begleitet. Auch das ist gut, Demokratie lebt von Diskussionen. Demonstrationen und Diskussionen sind Teil einer demokratischen politischen Kultur. Doch stellt sich hier zunächst einmal eine ganz andere Frage: Ist das Anliegen der Teilnehmer am „Marsch für das Leben“ überhaupt ein gesellschaftliches Anliegen. Das menschliche Leben und die Menschenwürde beginnt mit der Zeugung, ist der Standpunkt der Teilnehmer – eine kulturbedingte Sichtweise, die verhandelbar ist. Im Falle der „Pro-Life-Bewegung“ häufig aus religiösen Prinzipien abgeleitet. Ihr Gegenentwurf ist die „Pro-Choice-Bewegung“. Für sie beginnt das Leben mit der Geburt. Bis zu diesem Zeitpunkt fordern sie ein Selbstbestimmungsrecht der Frau über ihren Körper. Es könnte einfach sein. Die Frauen, die Abtreibung als Mord verstehen, nehmen keinen Schwangerschaftsabbruch vor. Die Frauen, die dem nicht zustimmen, brechen die Schwangerschaft ab. Die Ärzte dementsprechend, entscheiden ihrer eigenen Überzeugung nach, ob sie einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen oder keinen Mord begehen wollen.

Doch es ist nicht einfach, Männer mischen sich in die Diskussion mit ein. Sie haben ein besonderes Talent, sich in Diskussionen einzubringen, die sie, platt gesagt, überhaupt nichts angehen. Verbindliche Vorschriften für andere aufstellen, die sie selbst nicht betreffen, das können sie allerdings. Für viele, nicht nur Männer, ist es schwer zu begreifen, dass zwei Überzeugungen nebeneinander existieren können. Dass Menschen nach verschiedenen Vorstellungen ihr Leben bestreiten können. Für ein Teil der indischen Bevölkerung ist die Kuh ein heiliges Wesen, im Judentum und im Islam gilt das Schwein als unrein. Aus verschiedenen Gründen wird der Verzehr dieser Tiere abgelehnt, Christen haben mit dem Verzehr sowie der Tötung und Ausbeutung in der Regel keine Probleme. Eine ältere Frau antwortete mir einmal auf die Frage, wie sie fast 100 Jahre alt werden konnte, mit dem bemerkenswerten Satz: „Indem ich mich nicht in das Leben fremder Leute eingemischt habe.“ Gewiss ist es kein Problem der modernen Gesellschaft, aber eines unserer Gesellschaft. Menschen mischen sich ungefragt in das Leben ihrer Mitmenschen ein und versuchen, ihnen einen Lebensentwurf aufzuzwingen. Männer tun das besonders gerne. Keine Abtreibungen, kein homosexueller Geschlechtsverkehr, kein Fleisch. Lassen Sie ihre Mitmenschen gefälligst in Ruhe, wenn diese Sie nicht nach ihrer Meinung gefragt haben. Den Menschen sollten sowieso viel mehr Dinge egal sein. Mich interessiert es nicht, was sie nachts in ihrem Schlafzimmer tun. Eine Frau bin ich auch nicht. Ich habe keine Ahnung, was es bedeutet, sich mit dem Ende einer Schwangerschaft auseinanderzusetzen.

Kommentare zu diesem Artikel

Gerhard Wagner, 20.04 2017, 06:58
Herr Mundt, bei unserem Marsch für das Leben in Karlsburg (Alba Iulia) waren viele wunderbare Teenager dabei, die T-Shirts trugen mit der Aufschrift "Danke, dass ich nicht abgetrieben wurde". Da stockt einem der Atem, was? Weil es sich aufdrängt, dass man selber mitgemeint ist. Darüber sollten Sie sich etwas tiefer gehend mit sich selbst auseinandersetzen und Ihrer Mutter ab und zu einen großen Blumenstrauß überreichen.

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