Maßnahme gegen das Aussetzen von Tieren

Jahresgebühr für Temeswarer Hundebesitzer

Mittwoch, 03. Oktober 2012

Periodisch werden in Temeswar Hundeadoptionsmessen gehalten. Foto: Zoltán Pázmány

Für das Problem der Straßenhunde in Temeswar/Timişoara wird aktuell nach Lösungen gesucht. Eine allgemeine Lösung kommt über die Lippen der freiwilligen Tierschützer und Behörden: Ein Kastrationsprogramm zu einer nachhaltigen Reduzierung der Hundepopulation soll eingeführt werden. „Die Hauptquelle der Straßenhunde sind die ausgesetzten Hundewelpen. Landesweit sind die Behörden und Vereine zu der Schlussfolgerung gekommen, dass nur durch Sterilisierung die Anzahl der Straßenhunden vermindert werden kann“, sagt Anamaria Manolea, Mitglied in der Freiwilligen Gruppe ACT (Animal Care Team) Temeswar.

Doch auch Maßnahmen gegen das Aussetzen von Tieren sollen eingeführt werden. Nun steht eine gemeinsame Entscheidung zur Debatte: Wer sich weigert, seine Haustiere zu sterilisieren, der muss eine jährliche Gebühr zahlen.
Die Maßnahme gegen das Aussetzen von Tieren auf der Straße soll künftig den Stadträten zur Abstimmung vorgelegt werden.

Die Temeswarer Hundebesitzer, die ihre Hunde nicht sterilisieren wollen, sollen eine Jahresgebühr beim Bürgermeisteramt begleichen. Diese Entscheidung wurde einstimmig von den Vertretern der Hundeschutzvereine, der Veterinärmedizin und vom Leiter des Umweltschutzamtes innerhalb des Temeswarer Bürgermeisteramtes getroffen. „Für die Problematik der Straßenhunde wird es keine Lösung geben, so lange eine Gesetzgebung in dieser Richtung fehlt. Die Bürger sollten per Gesetz aufgefordert werden, ihre Haustiere zu kastrieren und diejenigen, die Tiere illegal freisetzen, sollten hart bestraft werden“, sagt Anamaria Manolea, Mitglied in der Freiwilligen Gruppe ACT Temeswar.

Vor Kurzem wurde ein Treffen in Temeswar veranstaltet: Vertreter der Tierschutzvereine Pet Hope, Animale Care Team, Vertreter der beiden Tierheime in unmittelbarer Nähe der Stadt, Casa Câinelui und Danyflor sowie Mitarbeiter der Temeswarer Fakultät für Veterinärmedizin trafen sich mit dem Leiter der Abteilung für Umweltschutz innerhalb des Temeswarer Bürgermeisteramtes, Adrian Bere, und suchten erneut nach Lösungen für das Problem der Straßenhunde in Temeswar. Der Vorschlag, mit dem alle einstimmig einverstanden waren, war die Massensterilisierung der Hunde. Das Projekt zur Reduzierung der Straßenhunde-Anzahl sieht auch Maßnahmen gegen das Aussetzen von Tieren vor. Somit sollen die Besitzer von Hunden ohne Pedigree, die ihre Haustiere nicht sterilisieren möchten, eine jährliche Gebühr bezahlen.

Diese Maßnahme ist nicht für Rassenhunde fällig, sondern gilt nur bei Hunden ohne Pedigree, die älter als sechs Jahre sind. „Die Gebühr soll in acht Monaten, nachdem das neue Gesetz in Kraft getreten ist, beglichen werden“, meinen die Freiwilligen. „Dafür soll diese Taxe eingeführt werden, damit den Hundebesitzern bewusst wird, dass es leichter ist, ihre Tiere sterilisieren zu lassen“, fügt die Freiwillige hinzu. Eine Statistik zeigt, das jährlich etwa 10.000 Welpen auf die Straße von Temeswar/Timişoara gelangen. Schuld daran sind meistens nicht die Straßenhunde selbst, die sich vermehren, sondern gerade die sogenannten „Tierliebhaber”, die die ungewollten Hundebabys einfach aussetzen.

„Wenn wir uns eine Stadt ohne Straßenköter wünschen, muss in erster Reihe das Aussetzen enden”, sagt Alina Văcaru, Vorsitzende des Temeswarer Pet-Hope-Vereins. Der Tierschutzverein Pet Hope bietet somit eine Lösung zur Reduzierung der Anzahl der Straßenhunde in Temeswar.

Die regierungsunabhängige Organisation hat im Sommer ein Strategieprojekt beim Temeswarer Bürgermeisteramt eingereicht. Das Projekt sieht ein effizientes Management der Situation vor und bietet eine Möglichkeit, die Lage unter Kontrolle zu halten: Nicht nur Straßenhunde sollen sterilisiert werden, sondern auch die Hunde in den jeweiligen Haushälten. Eine genaue Gebühr wurde noch nicht festgelegt. Jedoch sollen - soweit das Budget reicht - kostenfreie Sterilisierungen vom Bürgermeisteramt angeboten werden. „Wir möchten denjenigen, die uns in den ersten zwei Jahren ansprechen, entgegen kommen und ihnen gewisse Vorteile und Ermäßigungen anbieten“, sagt Ruxandra Bizera vom Temeswarer Tierschutzverein Pet Hope. „Ich bin mit dieser Maßnahme einverstanden. Dabei sollen nicht nur die Hunde betroffen werden, sondern auch die Katzen sollen sterilisiert werden – diese geistern eher auf den Straßen herum, auch wenn sie Besitzer haben“, erklärt eine Temeswarer Katzenbesitzerin und Hundeliebhaberin.

Laut Angaben des Temeswarer Bürgermeisteramtes wurden allein in den letzten fünf Jahren insgesamt 12.000 Hunde von den Straßen von Temeswar gesammelt. Mehr als 8000 davon wurden eingeschläfert, 600 nahmen ihre Besitzer wieder mit nach Hause und bloß 1700 von allen fanden ein neues Herrchen. „In den letzten Jahren konnten die Behörden keine konkrete Lösung für das Problem der Straßenhunde in Temeswar finden. Die Sterilisierung der Hunde wurde bis jetzt nicht so richtig durchgeführt”, sagt Loredana Lungu vom Temeswarer Tierschutzverein PetHope. Eine große Bedeutung wurde jedoch Tierheimen beigemessen. Die Hunde wurden gefangen und in Heime gebracht. „Dies ist eine sehr kostspielige und vor allem eine sehr uneffiziente Maßnahme”, sagt Loredana Lungu.

Sehr umstritten ist in der Sicht der Tierschutzfreiwilligen die Tätigkeit des Hundeheims der Firma Danyflor in der Temescher Ortschaft Schag/Şag.

Insgesamt 20.000 Euro im Jahr bekommt das Hundeheim vom Kommunalrat Temeswar für das Schnappen und die Betreuung der Hunde ohne Besitzer. Allein das Tierfutter kostet 12 Lei pro Tag. In unmittelbarer Nähe der Stadt gibt es insgesamt drei Tierheime. Platz für alle herrenlosen Tiere gibt es schon lange nicht. „Viele Hunde werden hier schlecht betreut – eine Mehrheit stirbt an gewissen Krankheiten, die Tiere hungern oder werden getötet”, sagen die Freiwilligen. 

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