Medien und Minderheiten

Freitag, 12. September 2014

Die IfA – Edition ‚Kultur und Außenpolitik‘ veröffentlichte eine dankenswerte Studie, die  sich mit „Identität und Hybridität am Beispiel der Medien der deutschen Minderheit in den Ländern Mittel- und Osteuropa (MOE) als Identitätsstifter“ befasst.

Bevor sich die Historikerin und Autorin Lou Bohlen der vergleichenden Analyse im Blick auf die Wirkung der Medien der deutschen Minderheiten in den Ländern Polen, Rumänien und Ungarn widmete, bemühte sie die Geschichte der Psychologie, um anhand so namhafter Autoren wie S. Freud, C.G. Jung und L. Niethammer, eine Begriffsbestimmung zu Minderheit, Identität und Ethnizität vorzunehmen.

Minderheiten waren stets Mittler zwischen den jeweiligen Kulturen, und geben wertvolle Impulse, nicht nur für ein Zusammenleben in kultureller Vielfalt, sondern auch im gesellschaftspolitischen, so, wie wir es im Blick auf die Präsidentschaftswahl im Land, momentan erleben!

Lou Bohlen hat die Medien der deutschsprachigen Minderheiten der drei genannten Länder auf Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Parallelen untersucht. Gemeinsame Sprache, gemeinsame Landesgrenzen, sowie historische und politische Ereignisse sind Merkmale, die das Leben der Gemeinschaft prägen. Seit den Umbrüchen im ehemaligen Osteuropa, wandelte sich das Bild der Minderheiten, da eine nicht unerhebliche Zahl nach Westeuropa auswanderte. Dies offenbarte sich insbeson-dere in Polen und Rumänien, so dass die Bundesregierung ab 1993 versuchte, die zunehmende Auswanderung durch gesetzliche Zuwanderungshürden zu verzögern.
In Polen haben das jeweilige Wochen- und Monatsblatt, sowie die drei Hörfunkprogramme und die zwei Fernsehsendungen in deutscher und polnischer Sprache, eine bemerkenswerte Konsolidierung der deutschen Minderheit gezeigt. Insbesondere im Jugendbereich zeige sich dies durch eine ausgeprägte Politisierung.

In Rumänien seien sowohl die Tageszeitung ‚ADZ‘,  nebst wöchentlichen Beilagen, als auch die Wochenzeitung ‚HZ‘, sowie die regionalen Hörfunk- und Fernsehprogramme, in erster Linie ein Indikator für eine stabile und starke Bindung an die deutsche Sprache und Kultur. Es werden unzählige Traditionen, Feste und Bräuche aufgegriffen, ebenso wird die enge Bindung an die beiden Konfessionen der deutschen Minderheit veranschaulicht.

Darüber hinaus spiegeln die Medien die Tätigkeit der Vertreter, seitens der deutschen Minderheit, in den Stadt- und Kreisräten Siebenbürgens wieder.

In diesem Kontext fällt auf, dass in der Studie die Siebenbürger Sachsen und die Banater Schwaben Erwähnung finden, nicht jedoch die Sathmarer Schwaben, die ja nach der letzten Volkszählung von 2011, im Verbund mit den Banater Schwaben, 13.500 Personen zählen. Die Volkszählung ergab, dass  36.000 Personen der deutschen Minderheit angehören. Dies bedeutet einen Rückgang von 38 Prozent gegenüber der Volkszählung von 2002. 

Auch die Wochenzeitung ‚NZ‘ in Ungarn, neben der täglichen Hörfunksendung und der wöchentlichen Fernsehsendung in deutscher Sprache, offenbaren eine starke  Bindung der Menschen an Traditionen, Bräuche und auch Dialekte. Allerdings zeigt sich hier auch die Schwierigkeiten und Bemühungen, sprachliche und kulturelle Traditionen zu erhalten und an die jüngere Generation weiterzugeben!

Die Studie empfiehlt u. a. die Gründung eines transnationalen Netzwerks für den Kinder- und Jugendbereich. Dies könnte eine lohnenswerte Aufgabe für die Jugendverbände der deutschen Minderheiten sein, indem sie ihre Zielgruppe von Jugendlichen zum mitmachen motiviert, und Kooperationen mit anderen Jugendformaten im deutschsprachigen Ausland sucht.

Desweiteren empfiehlt die Autorin die Herausgabe einer transnationalen Online-Zeitung in deutscher Sprache. Es würden Ideen und Kompetenzen zusammengeführt und neue Formen einer Zusammenarbeit entwickelt. Darüber hinaus würde die virtuelle Vernetzung den Informationsaustausch zwischen den Jugendverbänden intensivieren. Beide Projektvorschläge könnten ggf. Unterstützung bei transnationalen Dachverbänden finden.

Auch wenn inzwischen die Online Medien als „eine Abkehr vom Journalismus“ diskutiert werden, so könnte eine solche Initiative, wo regelmäßig aktuelle Texte und Reportagen zu erstellen wären, die sprachliche Kompetenz und das organisatorische Talent der Jugendlichen erheblich fördern.
Das Institut für Auslandsbeziehungen wird diese vergleichende Studie allen dort genannten Medien mit Sicherheit schnellstens zur Verfügung stellen, um insbe-sondere die Empfehlungen der Autorin Lou Bohlen aufzugreifen und um sie landesweit in den Foren zu diskutieren.

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