Mehr als nur Gebäude

Projektpatin Sabine Haranzha über die Renovierung der Kirchenburg Großkopisch

Mittwoch, 12. April 2017

Frau Sabine Haranzha setzt sich seit Herbst letzten Jahres für die Renovierung der Kirchenburg Großkopisch ein.

Durch die Hanglage der Kirchenburg Großkopisch überragt der Chor den Kirchturm.
Foto: Sabine Haranzha

Sabine Haranzha ist „Projektpatin“ für die Renovierungsarbeiten an der Kirchenburg Großkopisch/Copşa Mare. Sie stammt väterlicherseits aus Siebenbürgen, ist selber jedoch in Deutschland geboren. Die Kirchenburg ist ihr bei einem Besuch, letztes Jahr im August, ans Herz gewachsen. Kurz darauf hat sie von Deutschland aus die Öffentlichkeitsarbeit und das Projektmanagement für den Erhalt der Burg übernommen. In enger Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirche, der Stiftung Kirchenburgen sowie dem Verein Kulturerbe Kirchenburgen e.V. bemüht sich Sabine Haranzha um die Finanzierung und das Organisieren der dringend nötigen Reparaturen an der Kirche. Über die Hintergründe ihres ehrenamtlichen Engagements sowie die laufenden und geplanten Arbeiten unterhielt sich Sabine Haranzha mit ADZ-Redakteurin Eveline Cioflec.

Frau Haranzha, Es gibt viele Kirchenburgen, die der Fürsorge bedürfen. Wie sind Sie ausgerechnet auf die Kirchenburg in Großkopisch gekommen?

Ich bin oft in Siebenbürgen zu Besuch und kenne mich da mittlerweile gut aus – väterlicherseits stammt meine Familie aus der Csíkregion. Die Kirchenburg Großkopisch habe ich im letzten Sommer entdeckt. Sie hat mich sofort angesprochen, ging mir nicht mehr aus dem Kopf, und dann habe ich entschieden, etwas dafür zu unternehmen. Wenig später bin ich Mitglied des Vereins Kulturerbe Kirchenburgen geworden. Ungefähr zur gleichen Zeit bin ich auch verschiedenen Internetgruppen beigetreten, mit dem Ziel, jemanden aus Großkopisch zu finden, der mir in dieser Hinsicht weiterhelfen kann. Bald habe ich dann Michael Mantsch von der HOG Großkopisch kennengelernt, der auch der Meinung war, dass es gut wäre, wenn sich jemand gezielt für die Kirchenburg einsetzen würde. Im September kontaktierte ich das Bezirkskonsistorium Mediasch und erhielt so die Erlaubnis der Evangelischen Kirche, meine Arbeit als Projektpatin für die Renovierungsarbeiten der Kirchenburg aufzunehmen.

Was bedeuten Ihnen die siebenbürgischen Kirchenburgen?

Kirchen sind für mich nicht einfach nur Gebäude, auch wenn sie aus dem einen oder anderen Grund nicht mehr hauptsächlich als Kirche genutzt werden. Ich bin noch seit meiner Jugend sehr stark christlich geprägt. Kirche und die Werte, die diese vertritt und vermittelt, haben mich immer schon interessiert. Diese Werte zu erhalten und auch weiterzugeben, ist für mich sehr wichtig. Die siebenbürgischen Kirchenburgen sind Teil eines 800 Jahre alten kulturellen und religiösen Erbes, das von vielen Leute vor uns Jahrhunderte lang gepflegt wurde. Meiner Ansicht nach stellen die siebenbürgischen Kirchenburgen ein Weltkulturerbe dar. Besonders bedeutsam sind sie aber für die Leute, die vor ihrer Auswanderung dort gelebt haben, und deren Nachkommen, denen sie ihre eigene Geschichte vor Augen führen. In solchen Bauwerken kann man Geschichte erleben und begreifen, ja sogar anfassen, und wenn jemand vor Ort erzählt, wie es früher war, dann erkennt man, dass die Gebäude leben. Ich möchte Kirchenburgen nicht als totes Bauwerk sehen, bei dem man einfach Löcher „stopft“, nur damit sie schön stehen bleiben. Eine Kirchenburg vermittelt Gemeinschaft, christliche Werte und dass Leute zusammenkommen. Die Kirche war ein Mittelpunkt des Dorfes, wo sich das Leben einer Gemeinde abgespielt hat und Leute mit gleicher Gesinnung zusammenkamen.

Wann wurde die Großkopischer Kirche zum letzten Mal renoviert?

1970, damals unter Andreas Türk, gab es eine größere Renovierung der Kirche, die mit den Mitteln der damaligen Zeit so gut wie möglich gemacht wurde. Dann gab es 2011 noch einige Maßnahmen, für welche die damalige Leitstelle Kirchenburgen sich eingesetzt hat. Mit Hilfe von Geldern von der Großkopischer HOG wurden, unter anderem, kleinere Reparaturen am Dach und an den Dachrinnen gemacht. Im Grunde muss ja immer wieder die eine oder andere Ziegel ausgetauscht werden, wenn es hagelt oder stürmt. Das sind einfache Pflegemaßnahmen, die alle paar Jahre fällig sind. Seither hat aber gar nichts mehr stattgefunden. Entweder waren die Leute nicht vor Ort oder es gab kein Geld – oder das Geld hat die Leute nicht getroffen – es gab einfach keinen, der sich dafür stark gemacht hat.

Worin bestehen Ihre Aufgaben als Projektpatin?

Ich fasse Patenschaft als Fürsorge auf, ganz im religiösen Sinn: Ein Pate steht als Fürsorger ein. Die Kirche in Großkopisch hatte kaum noch jemanden, der sie betreuen konnte, sich für sie einsetzen konnte und wenn, dann eher zerstreut. Durch die Projektpatenschaft sollen die einzelnen Ansätze der Betreuung zusammengeführt werden. Meine Aufgabe besteht also in Öffentlichkeitsarbeit und Koordination. Allerdings ist das Projekt eine Zusammenarbeit der Evangelischen Kirche, der die Kirche Großkopisch auch gehört, des Vereins Kulturerbe Kirchenburgen e. V., der Stiftung Kirchenburgen und des Arcus Vereins. Wir alle ziehen am gleichen Strang und dennoch reicht es nicht aus: Ganz wichtig im Projekt sind die Spender und Helfer.

Wie sieht die Zusammenarbeit aus? Gibt es bereits einen Plan, wie die Arbeiten eingeleitet werden?

Über den Verein Kulturerbe Kirchenburgen sammeln wir die nötigen Gelder. Ist eine gewisse vorgesehene Summe erreicht, können die Arbeiten beginnen. Die Baumaßnahmen werden über das Bezirkskonsistorium Mediasch, durch den stellvertretenden Dechanten Ulf Ziegler erfolgen, der qualitativ geeignete Baufirmen aus der Region vorschlägt. In Rücksprache mit der HOG Großkopisch wählen wir ein passendes Angebot aus und dann wird der Auftrag vergeben. Die Stiftung Kirchenburgen steht uns während dessen beratend und, wenn nötig, auch helfend zur Seite: Sebastian Bethge, der als Baudenkmalpfleger über das fachliche Wissen verfügt, überprüft vor Ort, was noch Not tut, wie gebaut wird usw. Auch der Arcus Verein berät uns, insbesondere durch den Restaurator Lóránd Kiss. Für eine fachgerechte Restaurierung setzen sich alle Beteiligten sehr stark ein, aber es steht und fällt ja alles mit den finanziellen Mitteln, die zur Verfügung stehen, und mit Leuten, die sich auch wirklich gezielt dafür einsetzen und das Ganze koordinieren.

In welchem Stadium befindet sich das Projekt derzeit?

Es kann demnächst mit den ersten Arbeiten begonnen werden. Im Januar hatten wir ein ergiebiges Treffen mit Pfarrer Ulf Ziegler, Sebastian Bethge, Lóránd Kiss, Alexander Kloos, dem Vorsitzenden des Vereins Kulturerbe Kirchenburgen, und Stefan Schuster, dem Burghüter. Sebastian Bethge und Lóránd Kiss erstellen bis Ende März noch ein ausführliches Gutachten. Es ist bereits Geld gesammelt worden über die HOG Großkopisch sowie Spenden von Freunden oder auch Leuten, die ich über Facebook erreichen konnte. Ich habe meinen Spendenaufruf auf der Internetseite des Vereins Kulturerbe Kirchenburgen stehen und da sind auch die Kontaktdaten zu finden (http://www.kulturerbe-kirchen burgen.de/sos-grosskopischcopsa-marenagykapus/). Am 20. Mai findet in Roth bei Nürnberg auch der Heimattag Großkopisch statt, ein zweijährliches Treffen der ehemaligen Großkopischer. Da werde ich das Projekt im Detail vorführen und besprechen.

Welche Baumaßnahmen werden als nächstes konkret unternommen?

Wir haben beim besagten Treffen im Januar drei Hauptmaßnahmen beschlossen. Am Dringendsten muss das Gewölbe der Sakristei neu abgestützt werden. Eine ältere, nur beschränkt zweckmäßige Stützvorrichtung ist bereits vor Ort. Leider kann sie allein das Gewölbe auf Dauer nicht am Auseinanderbrechen hindern. Von oben drückt eine sehr schwere Platte, die in früheren Jahren zur Stabilisierung oberhalb des Gewölbes eingebracht wurde. Jetzt droht das Gewölbe von ihr regelrecht zerdrückt zu werden. Einige der Tonrippen sind bereits heruntergefallen, die meisten anderen zerbrochen. Die Stiftung Kirchenburgen hat inzwischen angeboten, mit einer weiteren Stütze Nothilfe zu leisten. Die Sakristei stammt aus dem 15. Jahrhundert und es wäre schrecklich, wenn sie in sich zusammenbrechen würde, wir müssen das verhindern.
Soweit das Wetter es zulässt, könnten im Mai oder Juni die schadhaften Dachziegeln auswechselt werden. Ebenfalls ab Mai steht auch eine Entwässerung des Bauwerks an. Die Dachrinnen wurden schlecht angebracht: Das Wasser wird so nah an der Mauer abgelassen, dass es wieder in die Kirche einfließen kann. Auch sind oberirdische Rinnen geplant, damit das Wasser vom Hang, auf dem die Kirche steht, weit unterhalb derselben ablaufen kann. Irgendwann muss dann auch der Putz von den Wänden, an denen sich der Schimmel bereits überall ausgebreitet hat, abgenommen werden, damit die Mauer trocknen kann. Letzteres geht allerdings über Pflegemaßnahmen hinaus und braucht eine Genehmigung des Baudenkmalschutzamtes sowie wahrscheinlich auch sehr viel Geld. Daher steht dieses erst für viel später, vermutlich in ein paar Jahren, an. Insgesamt geht es um ein längerfristiges Projekt, man muss Stück für Stück das Dringendste tun.
Zu den genannten drei Hauptanliegen, der Sakristei, dem Dach und der Entwässerung, kommt auch das nothilfemäßige Fixieren und Konservieren der Außenfresken am Portal hinzu, was sich Restaurator Lóránd Kiss für dieses Frühjahr vorgenommen hat. Er hatte beim Treffen im Januar eine Untersuchung vorgenommen und ist, wie auch Sebastian Bethge, dabei, ein Gutachten über die Gesamtschäden zu erstellen. In diesem Frühjahr kommt auf jeden Fall Bewegung in die Sache, und dann kann man auch zeigen, dass es sinnvoll ist, sich einzusetzen.

Welche Nutzung sehen Sie im Weiteren für die Kirchenburg?

Die Kirchenburg ist für Kulturreisen ein besonderes Ausflugsziel. Die Kirche hat viele Besonderheiten, so etwa das Alleinstellungsmerkmal, dass durch die Hanglage der Chor elf Meter höher ist als der Kirchturm. Großkopisch muss aber überhaupt noch etwas mehr ins Licht gerückt werden, damit diese Kirchenburg auch in die Reiserouten als Ziel aufgenommen wird. Das Dorf ist idyllisch gelegen, sehr lebendig und es gibt mehrere Gästehäuser, renovierte alte Bauernhöfe. Es wohnen auch noch einige Siebenbürger Sachsen im Dorf und einmal im Jahr findet ein evangelischer Gottesdienst in der Kirche statt. Es wäre sicherlich schön, wenn doch wieder öfter Gottesdienst angeboten würde, auch für Gäste, wie das bereits in anderen siebenbürgischen Dörfern geschieht.
Des Weiteren steht es aus, die Orgel zu reparieren – eine sehr wertvolle Orgel des Birthälmer Baumeisters Samuel Maetz – die bei einem Einbruch leider mutwillig geschändet wurde. Es gibt Künstler, die gerne auf alten Orgeln spielen und vielleicht Konzerte auf Spendenbasis geben könnten. Die Burghüterin hat bereits in Aussicht gestellt, im Sommer nach Konzerten Zitronenlimonade im Garten auszuschenken. Auch kleinere Bildausstellungen könnten organisiert werden oder vielleicht sogar Handwerkerschulen eingerichtet werden, wo man etwa altes Zimmermannshandwerk erlernen kann.

Wie kann Ihr Projekt unterstützt werden?

Am Besten ist durch Spenden geholfen. Auch was öffentliche Gelder anbelangt, würde ich mir wünschen, dass gerade die kleineren, etwas abseits gelegenen Kirchenburgen mehr Aufmerksamkeit erhalten – gerade diese bräuchten dringend Unterstützung. Allerdings gibt es viele Möglichkeiten zu unterstützen, es muss nicht immer Geld sein: So sind Handwerker, die sich unentgeltlich einsetzen, oder auch Baustoffe, zum Beispiel Holz, sehr willkommen.

Ab wann kann man die Kirche besichtigen?

Jederzeit. Die Kirche wird auch während der Renovierungsarbeiten im Frühjahr und Sommer zugänglich bleiben, da ist immer der Kirchenburghüter vor Ort.

Frau Haranzha, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Kommentare zu diesem Artikel

Herby, 12.04 2017, 12:30
Viel Erfolg weiterhin

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*