Mehr als Strauß und Mozart

Elisabeth Marinkovic ist die neue Leiterin des Österreichischen Kulturforums in Bukarest

Freitag, 26. Oktober 2012

Elisabeth Marinkovic, die Leiterin des Österreichischen Kulturforums in Rumänien, war vorher in anderen europäischen Ländern tätig, wie Tschechien und Kroatien. Foto: Aida Ivan

Das Österreichische Kulturforum in Bukarest (FCA- Forumul Cultural Austriac) wurde vor mehr als zehn Jahren gegründet, mit dem Ziel, den kulturellen Austausch zwischen Rumänien und Österreich zu fördern. Ausstellungen, Filmretrospektiven, Autorenlesungen, Präsentationen zeitgenössischer Tanzprojekte und Konzertveranstaltungen sind Tätigkeiten, die im Rahmen von Projekten gemeinsam mit rumänischen Kulturinstitutionen erarbeitet werden und deren Schwerpunkt zeitgenössische Kunst und das aktuelle intellektuelle Umfeld in Rumänien ist. Seit Ende August wurde die Leitung des Österreichischen Kulturforums von Frau Elisabeth Marinkovic übernommen.

Als Kulturnation nehme Österreich eine bedeutende Stellung im internationalen Kontext ein, erklärt Frau Marinkovic. Es ist die Aufgabe der Auslandskulturpolitik, dieses Bild ständig zu aktualisieren, zu erweitern und die kulturellen und wissenschaftlichen Leistungen der letzten fünfzig Jahre zu fördern. Das Österreichische Kulturforum arbeitet mit Lokalorganisatoren zusammen. Das Netzwerk ist Frau Marinkovic sehr wertvoll. „Im Land bin ich in der glücklichen Situation, dass ich auch österreichische Kooperationspartner habe: die Österreich-Bibliotheken und die österreichischen Lektoren“, meint Frau Marinkovic. Außerdem ist das Kulturforum nicht nur für Rumänien zuständig, sondern auch für die Republik Moldau.

Man assoziiert Österreich mit Strauß und Mozart. Frau Marinkovic ist der Meinung, man könnte beispielsweise Österreich auch mit dem experimentellen Film verbinden. „In diesem Bereich ist Österreich wirklich anerkannt und angesehen“, behauptet sie. In diesem Sinne erwähnt sie die Zusammenarbeit mit Osana Nicolau für Bucharest International Experimental Film Festival.

Über den Dokumentarfilm „Mamma illegal“ (Österreich, 2011), der in der Sonderabteilung des Astra-Dokumentarfilmfestivals in Hermannstadt präsentiert wurde, spricht Frau Marinkovic gerne. Er wurde von einem Journalisten vom österreichischen öffentlichen Fernsehen gemacht, der in dem Zeitraum von sieben Jahren drei moldauische Frauen begleitet hat, die sich illegal in Österreich aufhielten. Da arbeiteten sie als Putzfrauen, um Geld für ihre Kinder in die Republik Moldau zu schicken. Auf der anderen Seite wachsen ihre Kinder allein, ohne elterliche Betreuung, auf. Eine Diskussion zu diesem Thema sollte initiiert werden, meint sie. Es ist ein interessantes Thema, denn es betrifft zwei Länder: In Österreich gibt es einen sozialen Bedarf, der wirtschaftlich illegal bedeckt wird, in der Republik Moldau kommt es zu einem sozialen Ungleichgewicht aus wirtschaftlichen Gründen. Geplant wird, den Film nächstes Jahr auch in der Republik Moldau zu zeigen.

Im Tanz-Bereich erwähnt Frau Marinkovic „Austrian Dance Days“ und „Explore Dance Festival“ als Beispiel erfolgreicher Zusammenarbeit mit rumänischen Kulturinstitutionen. Besondere Aufmerksamkeit soll der zeitgenössischen österreichischen Literatur geschenkt werden, von der nicht viel übersetzt, und folglich wenig in Rumänien rezipiert wurde. Erstens werden mehrere Lesereisen veranstaltet werden. Eine Zusammenarbeit mit Deutschland und der Schweiz wird für die Buchmesse Bookfest geplant: ein deutschsprachiger Literaturstand soll entstehen. Ein anderer Bereich, für den sich das Kultuforum einsetzen möchte, ist grüne Architektur.

Abgesehen von den europäischen Projekten wie „Die Nacht der europäischen Literatur“, die „Lange Nacht der Kulturinstitute“ und das Festival des Europäischen Films finden heuer auch andere Veranstaltungen statt, zum Beispiel das Jubiläum der Österreichischen Bibliothek, die 20 Jahre ihres Bestehens feiert. Am 8. und 9. November wird die österreichische Schriftstellerin Barbara Neuwirth bei einer Lesewerkstatt für Studierende in Bukarest anwesend sein. Außerdem findet auch ein regionales Treffen der österreichischen Lektoren aus Rumänien, Bulgarien und Moldau statt.
Zwei Ausstellungen werden zu diesem Anlass eröffnet – eine wissenschaftliche und eine künstlerische. Weiter erwähnt Frau Marinkovic die fünfte Auflage der Internationalen Biennale für experimentelle Grafik (IEEB), wo es einen österreichischen Pavillon geben wird, wo Künstler wie Ilse Haider, Eva Möseneder, Sigrid Langrehr, Marusa Sagadin und Janine Pölzl ihre Werke präsentieren.

Kommentare zu diesem Artikel

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*