Mehr Berufschancen dank des Erlernens einer Weltsprache

Deutsche Abteilung in Großsanktnikolaus bewährte sich im Laufe der Jahre

Freitag, 10. Februar 2017

Sprachdiplomvergabe in Großsanktnikolaus: Die meisten Schülerinnen und Schüler der deutschen Abteilung stammen zwar nicht mehr aus deutschen Familien, ihre Leistungen sind aber bemerkenswert. Im Bild (v.l.n.r.): Dietlinde Huhn, Birgit Söldenwagner und der deutsche Konsul in Temeswar, Rolf Maruhn.
Foto: Zoltán Pázmány

Die Grundschullehrerin Ramona Roosz-Suba ist die neue stellvertretende Schulleiterin der Gymnasialschule „Nestor Oprean“ Nr. 2 in Großsanktnikolaus/Sânnicolau Mare im Kreis Temesch. Ramona Roosz-Suba hatte in den vergangenen zwei Schuljahren dieses Amt interimistisch inne, nachdem sie die Stafette von der Forumsvorsitzenden Dietlinde Huhn übernommen hatte. Deutschlehrerin Dietlinde Huhn war davor fast 25 Jahre lang stellvertretende Schulleiterin gewesen.

Ramona Roosz-Suba bestätigte, dass sie die Bemühungen ihrer Vorgängerin weiterführen wird. Dabei geht es in erster Linie um den Erhalt und die Festigung der Existenz der deutschen Abteilung in Großsanktnikolaus. „Es ist die einzige deutsche Abteilung im Kreis Temesch – ausgenommen jene aus Temeswar und Lugosch – die es geschafft hat, den massiven Änderungen nach 1990 standzuhalten“, sagte Dietlinde Huhn. In all den vergangenen Jahren hat es, ohne Unterbrechung, vom Kindergarten bis zur achten Klasse, deutsche Schulklassen gegeben. Zurzeit besuchen insgesamt 188 Kinder und Jugendliche die Abteilung in deutscher Sprache in Großsanktnikolaus. „Die Schüler kommen nicht nur aus unserer Stadt, sondern auch aus den umliegenden Ortschaften – meist aus solchen, wo es einst eine deutsche Gemeinschaft gab, wie z. B. Perjamosch, Tschanad, Triebswetter, Marienfeld, Keglewitsch oder Dudeştii Vechi. Nur ein kleiner Teil der Schüler kommt aus Familien, wo ein Mitglied deutscher Abstammung ist“, so Dietlinde Huhn. Dass auch viele Schüler aus den naheliegenden Dörfern zur Schule nach Großsanktnikolaus pendeln, ist nicht von ungefähr: Die deutschen Abteilungen aus dem Banat sind fast über Nacht eingegangen, sei es wegen der geringen Schülerzahl oder wegen der fehlenden Lehrkräfte.

Den rumänischsprachigen Familien sind die Vorteile des Erlernens einer Weltsprache bewusst – unter anderem werden als Begründung der Entscheidung, die Schüler zur deutschen Abteilung zu schicken, die höheren Berufschancen der Jugendlichen, die die deutsche Sprache beherrschen, angegeben. „Man verliert aber nie aus den Augen, auch einen qualitativ hochwertigen Unterricht zu beanspruchen, der zumindest gleichwertig mit dem in einer sehr guten Klasse der rumänischen Abteilung sein muss. Zum guten Ruf der deutschen Abteilung tragen auch die vielen und ganz unterschiedlichen außerschulischen Tätigkeiten bei – viele davon in Zusammenarbeit und mit Unterstützung des deutschen Ortsforums“, sagt Dietlinde Huhn. Eines der wichtigsten Feste, bei denen die Schüle-rinnen und Schüler der deutschen Abteilung die Hauptrolle spielen, ist das Erntedankfest im Herbst.

Nicht immer hatte es die deutsche Abteilung aus Großsanktnikolaus leicht gehabt. Sie kämpfte und kämpft weiterhin um deutschsprachige Lehrkräfte. Ein Problem war in manchen Jahren auch die notwendige Schülerzahl, damit die Klassen selbstständig bestehen können. Seit mittlerweile 16 Jahren bietet jene Grundschullehrerin, die die Anfangsklasse übernimmt, auch einen wöchentlichen kostenlosen Deutschkurs für die angehenden Schüler an. „Positiv wirkt sich auch die Tatsache aus, dass alle zehn Lehrkräfte, die in deutscher Sprache unterrichten, diese Sprache als Muttersprache sprechen und fürs Lehramt ausgebildet sind. Sowohl die Schule, wie auch die Eltern und Lehrkräfte wissen das stete Interesse des Abgeordneten Ovidiu Ganţ für die Belange deutscher Schulen zu schätzen“, so Dietlinde Huhn.
Dass aus der deutschen Abteilung aus Großsanktnikolaus besonders gut ausgebildete Schülerinnen und Schüler hervorgehen, das merkt man vor allem daran, dass jene Jugendlichen, die anschließend zur Nikolaus-Lenau-Schule nach Temeswar wechseln, besondere schulische Leistungen bringen. Im vergangenen Jahr wurden erstmalig Deutsche Sprachdiplome der Stufe I, Niveau A2/B1, an die Achtklässler verliehen. Die „außergewöhnlich guten Ergebnisse der Schülerinnen und Schüler“, wie Birgit Söldenwagner, Fachberaterin für Deutsch seitens der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen betonte, wurden in feierlichem Rahmen geehrt. 17 Schülerinnen und Schüler, die die achte Klasse der deutschen Abteilung in Großsanktnikolaus abgeschlossen haben, erhielten je ein Sprachdiplom. Eine Sprachdiplomprüfung soll auch in diesem Jahr für die deutschsprachigen Schüler aus Großsanktnikolaus veranstaltet werden.

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