Mehr deklarativ als konkret: Behörden blieben Bildungsdebatte fern

Berufsschüler fehlen Impulse aus dem Elternhaus und Mathe-Kenntnisse

Mittwoch, 14. Mai 2014

Die Firmen der Continental-Gruppe, Dräxlmaier und Hella unterstützen und fördern derzeit in Temeswar das Pilotprojekt dualer Ausbildung. Zum Treffen waren auch Berufsschüler eingeladen, um ihre Erfahrungen aufzuzeigen.
Foto: Zoltán Pázmány

Von der Perspektive flächendeckender Anwendung des dualen Bildungssystems nach deutschem Muster hätte Staatssekretär Stelian Fedorca sprechen können und seine Präsenz in Temeswar/ Timisoara wäre bestimmt auch Impulsgeber für die fachliche Ausbildung gewesen, ein Modell das sich gerade im Umfeld des Deutschsprachigen Wirtschaftsclubs Banat herauszukristalisieren versucht. „Hätte“ und „wäre“, denn Staatssekretär Stelian Fedorca ist trotz Zusage nicht mehr zu dem Treffen deutscher Firmen mit Vertretern von Allgemeinbildenden Schulen nach Temeswar gereist und die Spitzen der Temescher Schulbehörde haben die Begegnung ebenfalls nicht ernst genommen und die Zügel in dieser Hinsicht gewaltig schleifen lassen. Dabei wäre gerade jetzt eine Präsenz der Verantwortungsträger aus den Behörden ungemein wichtig gewesen, da auch zwei Jahre nach Projektstart längst nicht alle Unsicherheiten und Zweifel aus dem Weg geräumt sind.

Eltern wollen ihre Kinder über das Abitur unbedingt an der Hochschule sehen, andere ziehen eine schulische Bildung auch aus finanziellen Gründen in einer nahe gelegenen Kleinstadt vor und die Firmen erkennen nun im zweiten Jahr des Pilotprojektes, dass es ihren Eleven an der Berufsschule über weite Strecken an Kenntnissen in Mathematik und Physik mangelt. Die Schulen aus den ländlichen Gegenden des Verwaltungskreises Temesch/ Timis haben ihrerseits vorwiegend Interesse gezeigt: Zwölf der insgesamt 19 Bildungseinrichtungen hatten ihre Vertreter zum Treffen mit den Firmen geschickt. Für das Projekt wollen die Betriebe auch in Zukunft werben, denn ab Herbst soll es möglich sein, zwei Klassenzüge (Elektriker und Elektromechaniker) am Ferdinand-Kolleg auszubilden. In den beiden vergangenen Jahren war bloß die Gründung je einer einzigen Klasse machbar, da es an Kandidaten für diesen Bildungsweg mangelte. Berufsschüler, die in dieses Projekt der dualen Berufsschulen eingebunden sind, erhalten vom Staat 200 Lei monatlich, und noch einmal die gleiche Summe stellt vertraglich der ausbildende Partnerbetrieb zur Verfügung.

Das Interesse in Temeswar nach neuen Ausbildungswegen geht auch über diese technischen Berufe hinaus. So bemühen sich derzeit die Netex-Gruppe und das I. C. Bratianu-Lyzeum, eine Klasse mit zukünftigen Buchhaltern zu gründen: rumänische sowie deutsche Gesetzgebung soll dabei in der Fachausrichtung vermittelt werden. Auch dieser Ausbildungsweg braucht von den Behörden mehr Unterstützung, als nur solche rein deklarativer Art.

Trotz all dieser Pannen, mit mühsamem Start, mit schlecht ausgestatteten Schülerwerkstätten, und der Zurückhaltung der Eltern, sind auch positive Erkenntnisse vorhanden. So können in einem Übergangsjahr 2014/ 2015 Berufsschüler bereits ab der 9. Klasse ihre Berufsausbildung in der Fachschule suchen, genauso wie das derzeit gängige Modell mit Beginn des Fachunterrichts nach der 9. Klasse weiterhin möglich sein wird. Nicht zuletzt haben die Absolventen des dualen Systems nach deutschem Muster nach der Diplomprüfung einen gesicherten Arbeitsplatz. Dieser neue Ausbildungsweg ist laut Christian von Albrichsfeld, Vizepräsident des Deutschsprachigen Wirtschaftsclubs in Temeswar, „eine wirklich zukunftsweisende Alternative für viele Jugendliche“.

An vier Standorten – in Temeswar, Kronstadt/ Brasov, Großkarol/ Carei und Mühlbach/ Sebes - haben deutsche Firmen und deutsche Wirtschaftsclubs bereits die duale Ausbildung als Pilotprojekt angekurbelt. Derzeitigen Informationen nach soll es ab Herbst 2014 einen ähnlichen Unterrichtsweg auch in Hermannstadt/ Sibiu geben.

 

 

 

Kommentare zu diesem Artikel

lothar, 19.05 2014, 19:17
ein sehr gelungener artikelanfang. er ist aber auch sehr aufschlussreich und zeigt, wie hierzulande behoerden mit verschiedenen sachen umgehen. ausserdem wissen sie nicht die arbeit von firmen zu wuerdigen, obwohl deren steuern in die kassen der rumaenen fliessen.

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