Mehr Rücksicht auf Studenten mit besonderen Bedürfnissen

Vier Universitäten aus Temeswar setzen sich für Inklusion ein

Mittwoch, 09. April 2014

Rampen für behinderte Personen sind in Rumänien eher eine Seltenheit. Foto: Zoltán Pázmány

Rollstuhlfahrer haben es in den Uni-Gebäuden oft schwer, weil Aufzüge zu eng und Hörsäle schwer zu erreichen sind. Doch nicht nur die Erreichbarkeit der Klassenräume ist ein Problem - auch für Studenten mit anderen Behinderungen ist das Studium an den Temeswarer Unis eine Qual. Universitäten sollen aber Programme entwickeln und Rücksicht auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Studierenden nehmen.

Andrei Stratila ist schon seit seiner Geburt blind. Dass er ein Studium an einer Universität abschließen würde, das war ihm schon früh klar. Problemen begegnete er aber immer wieder: Schon bei seiner Einschreibung an der Universität wurde ihm ein medizinisches Zeugnis verlangt – er solle beweisen, dass er tatsächlich blind sei. Er gab jedoch nicht auf und schaffte es, sein Studium zu beenden. Nun kämpft er, dass auch andere Leute mit Behinderung einen leichteren Alltag erleben.

Die Universität soll für alle sein – auch Studenten mit Behinderung sollen sich trauen, eine Universität in Temeswar/Timisoara zu besuchen. Das nimmt sich ein Projekt namens „Abseits der Klassifizierung“ (rum.: „Dincolo de eticheta“) vor. Das Projekt möchte Studenten mit Behinderung entgegenkommen. Durch dieses Projekt sollen vier der Temeswarer Universitäten unterstützt werden, Programme für die Inklusion der Studenten mit Behinderung zu entwickeln. Die West-Universität, die TU „Politehnica“, die Universität für Medizin und Pharmazeutik „Victor Babe{“ und die Universität für Agrarwissenschaften und Veterinärmedizin machen mit und möchten lernen, all ihren Studenten nahe zu stehen. Von der Erreichbarkeit der Klassenräume durch besondere Rampen bis hin zu besonderer Software und Lernmaterialien, die diesen Studenten angeboten werden – alles soll demnächst kein Tabuthema mehr an der Temeswarer Universitäten sein. Menschen mit Behinderung sollen sich dank zahlreicher Aufzüge und Rampen vielerorts barrierefrei fortbewegen können. „Mir ist von einem Fall berichtet worden: Eine Studentin mit Bewegungsbehinderung wurde drei Jahre lang von ihrer Mutter auf den Treppen der Kunsthochschule auf den Armen getragen, nur, damit ihre Tochter ihr Studium beendet“, erzählt Ilona Mihaies, Geschäftsführerin des Euroregionalen Zentrums für Demokratie Temeswar. „Es hat keine Bedeutung, wie viele Personen mit Behinderung in einer Institution sind. Auch wenn es nur eine Person ist, dann muss sie auch die notwendigen Bedingungen für ein normales Leben bekommen“, fügt die Geschäftsführerin hinzu.

Das Projekt für die Inklusion der Studenten mit Behinderung läuft derzeit als ein Pilotprojekt und wird vom Euroregionalen Zentrum für Demokratie Temeswar in Zusammenarbeit mit dem Saint-Rose-Kolleg in Albany, New York, entwickelt. „Wir möchten nach unserem Projekt auch Ergebnisse haben, nicht nur Gespräche führen“, sagt Ana Leu, Leiterin des Programms. Somit wird nach dem Abbild des US-amerikanischen Kollegs auch vor Ort nach Lösungen gesucht und diese dann angewandt. „Wichtig ist, dass die Universitäten die Notwendigkeit eines besonderen Programms für besondere Studenten anerkennen. Der zweite Schritt ist, die Lösungen so bald wie möglich umzusetzen“, sagt Ana Leu. Das Ziel des Projektes ist, demnächst ein Büro für Studenten mit besonderen Bedürfnissen zu gründen. Die Unis sollen dadurch eine klare Übersicht der Anzahl und der Probleme der Studenten mit Behinderung haben.

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