„Mein Reich ist nicht von dieser Welt“

Eindrucksvolles Passionsspiel in der Schwarzen Kirche

Donnerstag, 12. April 2012

Eine entscheidende Szene im Passionsspiel: Jesus vor Pontius Pilatus
Foto: Christine Chiriac

Nicht nur Schule kann „einmal anders“ sein, sondern auch der Religionsunterricht im Johannes-Honterus-Lyzeum und selbst der Karfreitag in der Schwarzen Kirche. Das bewiesen viele begeisterte und begabte Kinder mit einem sehr gelungenen Passionsspiel, das am Karfreitag, 6. April, einmal für ihre Lehrer und Schulkollegen und noch einmal für die Mitglieder der Kirchengemeinde aufgeführt wurde. Auf der kleinen Bühne vor dem Altar  wurden die Rollen von ganz jungen Schauspielern übernommen, ein Schülerchor (Leitung: Steffen Schlandt) und das Jugendensemble „Canzonetta“ (Leitung: Ingeborg Acker) führten die Musik zum Theaterstück live auf.

Die Passionsgeschichte wurde so spannend dargeboten, dass sogar die Kleinen im Publikum bis zum Schluss still lauschten und die Erwachsenen beim Ausgang noch lange über die Aufführung sprachen. Vielleicht auch weil die Ereignisse nur zum Teil im alten Jerusalem spielten. Auf der Leinwand hinter der Bühne wurden aktuelle Kronstadt-Bilder projiziert: das Katharinentor, das Kapitelzimmer, der Marktplatz, der Schlossberg – ein Zeichen dafür, dass das Geschehen im Evangelium uns alle persönlich betrifft?

Vor die  Kulisse kamen zuerst aufgeregte Barabas-Anhänger und Priester. Alle hatten von Jesus von Nazareth gehört: dass Er die Liebe zu Gott, zu den Mitmenschen, ja sogar zu den Feinden predigte, dass Er sich für Politik und für die Römer überhaupt nicht interessierte, dass die Menschen Ihm folgten. Die vielen Pilger, die zum Passah-Fest in der Heiligen Stadt eingetroffen waren, begegneten Ihm mit „Hosiana“-Rufen, Seine Gegner jedoch fürchteten Seine Macht. An dieser Stelle sprach „das Volk“ auf der Bühne „Wir folgen Dir wohin Du uns auch immer führst!”, während „Canzonetta“ streng deklamierte: „Du störst wenn Du redest und Du störst wenn Du schweigst!” Mit der Judas-Szene nahm das Komplott Konturen an, die Priester entschlossen sich zu Taten, denn „die Lage ist ernst, im Volk sind Unruhen”.

Die Festnahme, der Prozess Jesu, der Zorn der Menschenmasse und die Kreuzigung wurden eindrucksvoll dargestellt, sodass die Schlussworte „Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig“ (2. Korinther 12,9 – zugleich auch Jahreslosung für 2012) und der Choral „O Haupt voll Blut und Wunden“ unmittelbar zu den Herzen sprachen.

Beeindruckend, wie souverän die Kinder auch die Requisite handhabten – so mancher Priester hatte wegen den langen Kleidern Schwierigkeiten, auf die Bühne zu klettern, aber vom Text wurde vor laufenden Kameras, vor Lehrern und Mitschülern nicht einmal eine einzige Zeile vergessen. Die Aufführung schloss mit dem Vaterunser-Gebet und dem Segen, gesprochen von Pfarrer Martin Meyer. Er war es auch, der im Rahmen der landesweiten Aktion „Schule einmal anders“ das gemeinsame Projekt des Honterus-Lyzeum und der Honterusgemeinde koordiniert hatte. Das Theaterstück wurde im Rahmen des evangelischen Religionsunterrichts vorbereitet. Selbst die Kostüme waren „Made in Kronstadt“ – sie entstanden in Zusammenarbeit mit dem Handarbeitskreis des Deutschen Forums.

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