Mensch und Konstruktion

Alain Félius dokumentierte den Bau der Xiaolangdi-Talsperre

Mittwoch, 19. November 2014

Immer im Hintergrund und selten einschüchternd: Xiaolangdi“ von Alain Féliu vergisst die Menschen nicht, die an dem Bau der Talsperre beteiligt waren.

China ist der viertgrößte Staat und die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Seit den 1970er Jahren, seit der Öffnung des Landes für ausländische Unternehmen und den Privatsektor vollzieht sich im „Reich der Mitte“ ein radikaler Wandel. Von den rund 1,3 Milliarden Einwohnern Chinas lebt fast die Hälfte in Städten. Der wirtschaftliche Aufschwung sowie der Kommunismus haben dazu geführt, dass das geschichtliche Erbe der ältesten noch bestehenden Hochkultur der Menschheit verloren geht. Und es führt auch zu massiven Umweltproblemen.

Alain Félius Fotoserie über die Xiaolangdi-Talsperre gewährt einen Blick in dieses China von heute ohne aber jemals den Eindruck zu erwecken, dass der Fotograf subversiv sein möchte. Drei Jahre lang besuchte der Franzose die Baustelle am Gelben Fluss und dokumentierte mit einer Linhof den Bau des ein Kilometer langen und 154 Meter hohen Staudamms und suchte dabei auch die Nähe zu den Menschen, die an dieser Errungenschaft der Moderne arbeiteten.

Das Ergebnis sind Bilder worauf Mensch und Konstruktion gleich groß dargestellt werden. Keinen Augenblick lang verschwindet der kleine Arbeiter, Parteifunktionär oder Dorfeinwohner in Félius Bildern. Der Staudamm, so gewaltig er auch sein mag, verschluckt nicht den Menschen und selbst seine Größe wird kaum angedeutet. Der Fotograf näherte sich beiden Subjekten seiner Serie mit der gleichen Hingebung und Neugier. Anders als der chinesische Staat, der nicht anders als früher das sozialistische Rumänien, durch den Bau des Staudamms seiner Größe Ausdruck verleihen will, ließ Féliu der Staudamm an sich unbeeindruckt. Was ihn mehr interessierte war die Landschaft drum herum und die Geschichte der 170.000 Chinesen, die gezwungen wurden, umzusiedeln. 

Genau ein Monat lang stand „Xiaolangdi“ von Alain Féliu in der Jecza Galerie. Die gestochen scharfen Bilder wurden mit einer Großformatkamera geschossen. Auf Planfilm, also einzelne Blätter auf einem verhältnismäßig starken Trägermaterial, wurden die Fotografien aufgezeichnet – es war ein mühevolles und kostspieliges Projekt.

Morgen findet der Abschluss der Ausstellung statt. Die Fotografien kann man danach auf Alain Félius Internetseite www.alainfeliu.com sehen. 

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