Michael-Weiß-Gedenkfeier

Ein Jahrhundert seit der Einweihung des Studentendenkmals

Samstag, 26. Oktober 2013

Der Kronstädter Stadtpfarrer Christian Pajer, Wolfgang Wittstock, Vorsitzender des Kreisforums Kronstadt, der Bürgermeister von Marienburg Sorin Taus, Stanca Oproiu und Carmen Şelaru, Schülerinnen am Johannes-Honterus-Lyzeum, Lyzeumsdirektor Helmuth Wagner (von links) – beteiligten sich an der Gedenkfeier.

Frau Gräf aus Heldsdorf, Tochter des Baumeisters Peter Gräf (links) zusammen mit einer Freundin bei der Veranstaltung in Marienburg.
Foto: Hans Butmaloiu

Traditionsgemäß fand am 16. Oktober bei Marienburg die von dem Demokratischen Forum der Deutschen im Kreis Kronstadt (DFDKK), der Evangelischen Kirche A.B. Kronstadt (Honterusgemeinde) und dem Johannes-Honterus-Lyzeum Kronstadt veranstalteten Michael-Weiß-Gedenkfeier statt. Den musikalischen Teil übernahm die Burzenländer Blaskapelle unter der Leitung von Vasile Glăvan.

In seiner Andacht würdigte Stadtpfarrer Christian Plajer die Bedeutung der Haltung von Michael Weiß während der unruhigen Zeiten und stellte durch einen Bogen über die Zeit, dessen antitotalitäre Einstellung mit der jüngeren Geschichte in Verbindung. Das Opfer der Kronstädter Bürger zeugt von deren Freiheitssinn und Drang, den die Siebenbürger auch vor und auch nach 1612, als die Schlacht am 16. Oktober gefochten wurde, an den Tag legten.
Den historischen Kontext, in welchem die Schlacht stattgefunden hat, umrissen zwei Schülerinnen des Honterus-Lyzeums, Carmen [elaru und Stanca Oproiu (11.B-Klasse), deren Referat auch Betrachtungen enthielten über die späteren Auswirkungen der Schlacht, die für die Kronstädter zwar eine militärische Niederlage bedeutete, ihnen aber schon in den ersten Jahren danach eine vorteilhafte politische Stellung einbrachte.

Sorin Taus, Bürgermeister von Marienburg, brachte in seiner Ansprache seine Bewunderung für die Ehrung der Persönlichkeit von Michael Weiß zum Ausdruck. Seine Einstellung ging und geht aber über solche Ansprachen hinaus und ist über die Jahre hin immer auch durch Taten unter Beweis gestellt worden. Dieses Jahr sorgte er für das Einebnen des Geländes um das Studentendenkmal, für dessen Anstrich und vor allem für die Erneuerung bzw. den Ersatz der beschädigten und entwendeten Fenstergitter.

Über die Geschichte des Denkmals sprach der DFDKK-Vorsitzende Wolfgang Wittstock, der bei dieser Gelegenheit mehrere Einzelheiten einbrachte, welche vielleicht nicht allen bekannt sind. Die Idee, den gefallenen Studenten einen Gedenkstein zu widmen und zwar an der Stelle, wo man vermutete, dass sie beerdigt worden sind, tauchte 1891 und sollte – so stellte es sich Ortspfarrer Johann Imrich vor – Sache der Marienburger Gemeinde sein, welche die Geldmittel dafür durch Spenden aufbringen sollte.

Die Anregung ein Denkmal zu errichten, kam erst Jahre später von dem Kronstädter Turnverein dem sich auch der Marienburger Turnverein anschloss. Die Beteiligung an der Spendenaktion wurde auf das ganze Burzenland erweitert, wobei wohl auch die Vorstellungen von dem Denkmal konkreter wurden. Eine endgültige Form nahmen diese durch den Schäßburger Architekten Friedrich Balthes an, der ein „Gedächtniskirchlein“ vorschlug und damit die Ausschreibung gewann.

Baumeister Peter Gräf aus Heldsdorf, dessen Tochter bei der diesjährigen Gedenkfeier anwesend war, beaufsichtigte die Bauarbeiten und stellte das Denkmal fristgerecht fertig. Der Grund, weshalb dieses Jahr 401 Jahre seit der Schlacht und 100 seit der Denkmaleinweihung begangen wurden, ist folgender: 1912, als sich 300 Jahre seit der Schlacht jährten, machten andauernde Regenfälle die Veranstaltung unmöglich; demnach wurde sie auf 1913 verschoben und fand dann auch am 21. September statt.

In seiner Wortnahme präsentierte Wolfgang Wittstock auch den Ablauf dieser Festveranstaltung in deren Verlauf das Studentendenkmal an die evangelische Kirchengemeinde Marienburg übergeben wurde. Abschließend betonte Wolfgang Wittstock auch die mit dem Denkmalbau verbundene heutige Wahrnehmung und zwar es „als Wahrzeichen des Widerstandes gegen den Missbrauch der Staatsgewalt“ zu betrachten.

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