MindNetz: Ein junges Medienportal auf Deutsch

Soziale Netzwerke als Chance für deutschsprachige Redaktionen

Dienstag, 25. April 2017

MindNetz wächst, und mit jedem Nutzer wird es größer: Auf Facebook wird Interessantes rund um die deutsche Minderheit und die deutsche Sprache verbreitet. Ein Klick genügt: http://www.facebook.com/MindNetz/. Wer sich über Twitter auf dem Laufenden halten möchte, kann dem Netzwerk unter „@MindNetz“ folgen. Natürlich ist auch die ADZ im Netz präsent: Neben ihrer eigenen Homepage www.adz.ro ist sie als „Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien“ auch auf Facebook zu finden. Als „@ADZ_Redaktion“ ist sie auch auf Twitter aktiv.

„Deutsche Minderheiten? Das sind doch die mit den Volkstänzen und Trachten-umzügen...Und was soll ich damit zu tun haben?“ Schmunzelnd erinnert sich Helge Haas, deutscher Journalist und Fernsehmoderator, an seine erste Reaktion auf den Begriff „Minderheiten“. Doch was war der Anlass? Zeit für eine Rückblende. Von Breslau bis Bukarest, vom Banat bis in das Baltikum interessieren sich junge Menschen für Medien und sind in Redaktionen aktiv. Was haben nun eine Radiosendung in Serbien, eine Tageszeitung in Rumänien oder eine Fernsehreportage in der Ukraine gemeinsam? Einige von ihnen erreichen ihr Publikum auf Deutsch, jeder für sich, aber alle mit dem gleichen Ziel: Ihnen sollen möglichst viele Hörer, Leser und Zuschauer treu bleiben. Doch warum Deutsch? Erreicht man in der Landessprache nicht eine größere Aufmerksamkeit? Hier kommen nun die Minderheiten ins Spiel. Im Laufe der Geschichte und trotz ihrer Wendungen leben sie in den meisten Ländern Ost- und Südosteuropas bis heute, jeweils mit eigener Vergangenheit, Tradition und oft mit eigenen Medien auf Deutsch. Hinzu kommt die besondere Stellung des Deutschen: Nach Englisch ist es die häufigste an den Schulen und Universitäten unterrichtete Fremdsprache. Auf den ersten Blick haben deutschsprachige Medien also gute Voraussetzungen: eine muttersprachliche Zielgruppe und Interessierte, die Deutsch sprechen, lesen und schreiben. 

Allerdings macht der demographische Wandel auch vor den Medien nicht halt. Junge Leser, Zuschauer und Hörer haben andere Interessen als ihre Eltern und Großeltern, und „klassische“ Medien stehen in harter Konkurrenz zum Internet: Informationen beinahe in Echtzeit, die Möglichkeit, sie kommentieren, bewerten und teilen zu können – bei gutem Empfang immer und fast überall. Nicht zu vergessen ist das Nischendasein, das deutschsprachige Medien auf dem Markt fristen. Jeder kämpft für sich, mehr oder weniger erfolgreich, um Aufmerksamkeit und stützt sich auf „seine“ Zielgruppen. Genau hier sahen vor zwei Jahren das deutsche Auswärtige Amt, der deutsche Bundesbeauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Hartmut Koschyk, und das Stuttgarter Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) aber auch eine Chance: Was, wenn sich deutsche und deutschsprachige Redaktionen zu einem Netzwerk zusammenschließen, voneinander lernen und über den Tellerrand der eigenen Landesgrenzen hinweg blicken? Deutsche Minderheiten treten in Kontakt und tauschen sich aus, junge Redakteure schauen erfahrenen Kollegen auf die Finger, und „junge“ Themen wecken Aufmerksamkeit. Der Haken: Wer kann mit eigener Erfahrung langfristig ein solches Netzwerk betreuen, damit es nicht nur bei warmen Worten und einer schönen Idee bleibt? Das ifa wurde schnell fündig, und gewann Haas als Projektbegleiter. In der ARD und bei Radio Bremen auf junge Formate spezialisiert, waren die deutschen Minderheiten in Ost- und Südosteuropa für ihn absolutes Neuland. „Ich hatte keine Ahnung, was da auf mich zukommt, aber die Idee hat mich dann doch sehr schnell überzeugt: junge Meldungen für ein junges Publikum.“

Wie soll nun so ein grenz-überschreitendes Netzwerk aussehen? Wird eine eigene Internetseite erstellt, oder soll es miteinander verlinkte Profile auf sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter geben? Welche Inhalte stoßen nicht nur in Russland, sondern auch in Rumänien auf Interesse?
Eine vom ifa koordinierte Arbeitsgruppe aus den beteiligten Redaktionen war sich schnell einig, keine gemeinsame Homepage zu betreuen, sondern junge Leser direkt dort „abzuholen“, wo sie sich ohnehin tagtäglich bewegen: in den sozialen Netzwerken. „MindNetz“ war geboren – die Redakteure veröffentlichen unter diesem „Markennamen“ regelmäßig aktuelle Artikel, Radio- und Filmbeiträge über die deutschen Minderheiten und die deutsche Sprache aus ihren jeweiligen Heimatredaktionen auf Seiten wie Facebook oder Twitter. So wird ein Nutzer, der sich zum Beispiel für Rumänien interessiert, in Windeseile auch auf die ADZ aufmerksam. Dabei steuern die beteiligten Redaktionen das bei, was sie ohnehin am besten können: Eine Zeitungsredaktion veröffentlicht einen Artikel, Radioredakteure stellen ihre Audiobeiträge ins Netz, und Fernsehjournalisten präsentieren ihre aktuellen Reportagen. Ein Klick, und die Leser, Zuschauer und Zuhörer gelangen zum Internetauftritt der beteiligten deutschsprachigen Medien.
Seit November 2016 ist „MindNetz“ online, und auch die ADZ ist an diesem Netzwerk beteiligt. Beiträge unserer Zeitung finden ihren Weg noch schneller ins Ausland, und deutschsprachige Nutzer in Rumänien erfahren Wissenswertes und Meldungen aus den Nachbarländern.

„Die Nutzerzahlen auf Facebook gehen kontinuierlich nach oben, seit mit Carsten Fiedler ein neuer ifa-Volontär die Seite betreut“, freut sich Marita Grimke. Als Projektkoordinatorin für Jugend, Integration und Medien ist sie seit zwei Jahren federführend am Projekt beteiligt. Mittlerweile sei das Projekt mit reichlich Leben gefüllt: „Als wir zum Welttag der Muttersprache fragten, wann in der Minderheit deutsch gesprochen wird, entspann sich eine lebhafte Diskussion. Ein Video darüber, dass die schwäbische Mundart in Ungarn dieselbe ist wie die im tausende Kilometer entfernten Kasachstan hat im Handumdrehen fast 9000 Menschen erreicht!“




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