Minister nimmt Herausforderung aus der Wirtschaft an

Deutschsprachige Firmen wollen Berufsausbildung fördern

Sonntag, 08. Januar 2012

Aus der Not geboren, hatten Unternehmen auf lokaler Ebene Partnerschaften mit Schulen zur Unterstützung der Berufsbildung geschlossen. So auch der Hersteller von Sitzbezügen, Eybl-Prevent in der Kleinstadt Detta. Im Bild, zu Beginn der Zusammenarbeit vor zwei Jahren: Schuldirektor Ion Jinaru (links) und Betriebsleiter Ernst Holzheimer. Archivfoto: Siegfried Thiel

Der Bildungsminister Daniel Funeriu ist scheinbar auf gleicher Wellenlänge mit dem Deutschsprachigen Wirtschaftsclub Banat – die Initiative der beiden Partner könnte bald zum Meilenstein in der rumänischen Berufsbildung werden. Es geht bei ihrem Projekt nicht nur darum, grundsätzlich die Berufsschulen in Rumänien wiederzubeleben, sondern auch nach westeuropäischem Modell Fachleute für die Unternehmen auszubilden.

„Positiv und sinnvoll“, wertet Peter Hochmuth, Präsident des Wirtschaftsclubs, die bisherigen Treffen mit Minister Funeriu und die Kontakte zum Schulamt des Verwaltungskreises Temesch/Timiş findet er ebenfalls gut. „Die Berufsausbildung war für uns immer schon ein Thema, ist jedoch bisher in Bukarest auf kein Interesse gestoßen“, fällt Hochmuth ein vernichtendes Urteil in Richtung Vorgänger von Funeriu. Noch mehr – nicht nur Reform im Bildungswesen war ausgeblieben, sondern die Berufsschulen wurden vor einigen Jahren komplett aufgelöst. „Wir haben Hochschulabgänger und Unqualifizierte - dazwischen gibt es gar nichts“, resümiert Hochmuth.


Noch ist unklar, wie die neuen Berufsschulen im Detail funktionieren werden, aber mit Beginn des kommenden Unterrichtsjahres sollen erste klare Strukturen erkennbar sein. „Der Minister erwartet nicht, dass im kommenden September, zu Schulbeginn, schon alles haargenau stimmt, aber die gemachten Erfahrungen sollen danach verbessert werden“, sagt Peter Hochmuth. Derzeitigen Planungen nach werden kommendem Herbst im Verwaltungskreis Temesch in 2-3 Klassen Jugendliche in Mechatronik, Metallverarbeitung und im kaufmännischen Bereich ausgebildet.

Diese Klassen haben den Anspruch, nicht nur als Modell zu dienen, sondern auch den derzeitigen Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt zu entsprechen. „Die besten Fachlehrer sollen dafür herausgesucht werden“, versprach Funeriu den deutschsprachigen Unternehmern und richtete gleichzeitig einen klaren Hinweis an den Leiter des Temescher Schulamtes, Marin Popescu. Dieser hatte seinerseits vor einigen Wochen bei einer diesbezüglichen Debatte im Wirtschaftsclub versichert, dass die notwendigen Fachlehrer zur Verfügung stünden.

Als Alternative kann man sich im Wirtschaftsclub gut vorstellen, Fachleute aus Firmen abzustellen und/oder Personal aus Berufsschulen aus den deutschsprachigen Ländern heranzuziehen, die die angehenden Facharbeiter mit der modernen Technologie vertraut machen. Da es als Pilotprojekt gedacht ist, wollen Unternehmer und Schulbehörde das Unterfangen vorerst nicht auf breiter Basis angehen, sondern vielmehr geht es darum, dass das Modell deutscher und österreichischer Berufsschulen als duale Ausbildung übernommen wird.

Bleibt es bei den derzeitigen Vorschlägen, bieten die Firmen im neuen System Ausbildungsplätze an und sichern Partnerschaften. Die Unternehmen wollen durchsetzen, dass sie nicht nur die Schulbildung unterstützen, sondern auch selbst die Auswahl treffen können, wen sie auf welche Schule schicken. Außerdem wünschen sie Mitspracherecht im Prüfungsausschuss und bei der Erstellung der Lehrpläne.


Da es sich um ein Pilotprojekt handelt, besteht zumindest vorläufig nicht die Gefahr, dass das derzeit geltende Auswahlverfahren der Schüler nach der 8. Klasse per Computer komplett durcheinander geraten würde. Und dies in einem gewissen Rahmen später einmal aufzuheben, dürfte bei der Fülle von Änderungen im rumänischen Schulsystem der letzten 20 Jahre auch nicht besonders schwer sein.

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