Ministerialkontrolle der Urwälder

Umweltministerin Paşca-Palmer kommt ins Banater Bergland

Mittwoch, 16. März 2016

Alarmsignal: Umweltschutzorganisationen mussten feststellen, dass überall in den Urwäldern des Banater Berglands mit Genehmigung der staatlichen Forstbehörde Romsilva Bäume gefällt wurden.
Symbolfoto: Zoltán Pázmány

Reschitza – Aufgrund der zahlreichen Protestaktionen und –schreiben der Umweltschutzorganisationen, allen voran Agent Green und Asociaţia Altitudine, haben Umweltministerin Cristiana Paşca-Palmer und ihre für die Forste zuständige Staatssekretärin Erika Stanciu entschieden, dem Banater Bergland eine Kontrollvisite abzustatten. Die Staatssekretärin ist erst mal vorausgereist. Ziel des Vorhabens ist es, zu prüfen, wie die staatliche Forstbehörde Romsilva, die privaten Waldbesitzer und die Holzeinschlagunternehmen sich seit 2012 verhalten haben, als das Umweltministerium seine Order zum Schutz der Urwälder und quasi-Urwälder (im Ministerialjargon: „Wälder der Kategorie T1“, was heißt: „unter Totalschutz gestellt“) verabschiedet hat.

 

Wie bereits berichtet haben die Umweltschutzorganisationen das Notsignal getätigt, weil sie feststellen mussten, dass überall in den Urwäldern des Banater Berglands mit hochoffizieller Genehmigung der staatlichen Forstbehörde Romsilva Bäume gefällt werden. Gebietsweise so massiv, dass in seit 2012 ausgewiesenen Urwäldern (etwa an den Hängen des Ţarcu-Massivs – unsere Zeitung berichtete darüber) bereits bis zur Hälfte der als Urwald oder quasi-Urwald ausgewiesenen Parzellen „verschwunden“ sind.

 

Das Wendejahr für die Urwälder

Das Jahr 2012 gilt unter Forstleuten und Umweltschützern als Schlüsseljahr für die Urwälder der Karpaten. Damals hat das Ministerium für Umweltschutz die Ministerialorder 3397/2012 verabschiedet, die zur Identifizierung und Spezialschutz-Zertifizierung der Urwälder und quasi-Urwälder Rumäniens dient. Indem sie unter Sonder- und Totalschutz gestellt werden, untersagt die Order kategorisch jedwelches Fällen von Bäumen. Mehr noch: sie untersagt jedwelchen Eingriff in diese Wälder. Das heißt, sie müssen naturbelassen bleiben. Was bislang immer wieder Romsilva und Konsorten als Vorwand diente, um die Motorsägen in solche Wälder reinzulassen – „Schnee-„ und „Windbrüche“, „Säuberungsschläge“ (bei denen die besten Hölzer drangleuben mussten) usw. – wird durch diese Order in T1-Wäldern strengstens verboten. Forsteinrichtungen haben sie seit 2012 unter T1 zu führen.

Doch was geschieht mit jenen Forsteinrichtungen, die vor 2012 durchgeführt wurden und nach denen heute Einschlaggenehmigungen erteilt werden? (Forsteinrichtungen werden in einem Forst alle zehn Jahre durchgeführt und sie schreiben vor, was mit einzelnen Waldparzellen geschehen darf oder gar muss. Sie sind heute das größte Potenzial zum Manipulieren der realen Gegebenheiten vor Ort, denn durch einen Federstrich können Wälder als „schlagreif“ erklärt werden. Und der Forsteinrichter ist auch nur ein Mensch...)

 

Legaler Schutzschirm für Illegalitäten

Genau innerhalb einer solchen Zehn-Jahres-Periode befinden sich die von den Umweltschützern zur Diskussion gestellten, zwischenzeitlich als Urwälder identifizierten Schläge und die Forsteinrichtung von vor 2012  ist der gesetzliche Deckmantel, unter den sich diejenigen Verantwortlichen ducken, die bereits Genehmigungen für das Fällen von Bäumen in inzwischen dem Totalschutz unterliegenden Wäldern erteilt haben: sie hätten strikt nach der Forsteinrichtung gehandelt und seien also gegen jedwelche Anschuldigungen gefeit.

Fakt ist, dass da anscheinend eine Gesetzeslücke genutzt wird. Die aber leicht zu stopfen wäre: durch eine entsprechende Novellierung der Regierungsorder, die diese jetzt kulant ausgenutzte Lücke schließt, bevor alle neu identifizierten Urwälder den Motorsägen zum Opfer fallen. Schnelligkeit im Reagieren ist also geboten, wenn das Ministergespann tatsächlich effizient sein will.

Denn die Umweltschützer lassen nicht locker: „Urwälder im Staatsbesitz werden illegal, aber mit Genehmigung seitens Romsilva, gefällt“, schreibt Agent Green. „Im Ţarcu-Massiv werden in diesem Moment 1386 Hektar Urwälder, die 2005 als solche identifiziert und zertifiziert wurden, ausgebeutet. Mit Genehmigung seitens der Forstdirektion Reschitza. Damit wird das Gesetz flagrant übertreten. Mindestens 28.951 Kubikmeter Holz sind bereits aus diesen Wäldern weggekarrt worden, und zwar alles von einer einzigen Bergflanke und durch ein und die selbe Firma, Susai Servcom SRL“, wird Agent Green ganz konkret.

 

Der undurchsichtige Herr Minuc

Es handelt sich um die Firma eines gewissen Minuc, ein undurchsichtiger Geschäftsmann, dem beste Beziehungen zu Romsilva nachgesagt werden, durch welche er unaufhörlich zu lukrativen Waldparzellen kommt, die er mit seinen Holzfällern und Transportfahrzeugen „reinmacht“. Bezüglich des Vermögens dieses Herrn Minuc und seiner Praktiken, direkt über Romsilva zu Holzschlägen zu kommen, wird auf den Social-Media-Plattformen viel spekuliert. Konkretes aber ist kaum herauszukriegen und auch die Staatsanwaltschaft scheint ihn bisher in Ruhe zu lassen.

Agent Green fordert vom Ministerium für Umweltschutz nicht nur das sofortige Verbot des weiteren Fällens von Bäumen  in T1-Arealen, sondern auch die Verkündung eines Nationalen Moratoriums zum Schutz der Urwälder der Karpaten. Auch die Europäische Kommission wird aufgefordert, entschlossener aufzutreten und Stellung zu beziehen gegen den Naturfrevel, der mit Duldung der staatlichen Forstbehörden in den rumänischen Karpaten passiert, zumal das, was in diesem Teil der Karpaten passiert, auch ein Übertreten der europäischen Direktiven im Bereich Umwelt- und Naturschutz bedeutet. Agent Green nennt auch „die Hauptkunden der Holzeinschlagkompanien, die die Urwälder verwüsten: Kronospan (Österreich), Holzindustrie Schweighofer (Österreich), Losan (Spanien) und Massiv (USA).“

 

Retten, was übriggeblieben ist

„Agent Green kämpft Seite an Seite mit der lokalen Umweltschutzgruppe Asocia]ia Altitudine (mit Sitz in Temeswar – Anm.d.Red.), um zu retten, was von den Urwäldern noch übrig geblieben ist. Gemeinsam unternehmen wir alle legalen Demarchen bei den relevanten Ministerien und bei Romsilva. Gleichzeitig fordern wir die Hauptabnehmer des Holzes, Kronospan, Holzindustrie Schweighofer, Losan und Massiv auf (die Amerikaner haben ihren Hauptsitz in der Gemeinde Buchin, östlich von Karansebesch, sind also dem Ţarcu am nächsten gelegen – Anm. wk), Hölzer, die aus Urwäldern und quasi-Urwäldern stammen, nicht mehr aufzukaufen.“

Die Überprüfungskampagne der Romsilva-Genehmigungen und vor Ort, am Ţarcu, wird von Staatssekretärin Erika Stanciu koordiniert: „Wir überprüfen und werden Maßnahmen treffen“, sagte sie, „Die Schreiben der Umweltschützer über die Illegalität des Fällens der Urwälder an den Hängen des Ţarcu sind bei uns registriert worden. Wenn sich ihre Sorge bestätigt oder auch nur teilweise bestätigt, wird es mit Sanktionen regnen. Urwälder haben seit 2012 einen geschützten Status. Jedwelches Fällen ist dort ausgeschlossen. Unter welchem Vorwand auch immer.“

Die Offiziellen der Forstdirektion Romsiva Karasch-Severin geben sich vorläufig sorglos: alles, was die Umweltschützer geschrieben haben, sei pures Fantasiewerk, ein einziges Fabulieren. Jedwelche Kontrolle in den von ihnen verwalteten Wäldern sei gegenstandslos. Aber eigentlich willkommen, denn dadurch werde ein für allemal dem Gemecker der Umweltschützer ein Ende bereitet: in Karasch-Severin wird kein Baumstunk gekürzt, erst recht keine Urwälder gefällt, wie dies die „Retter der Wälder“ dauernd monieren.

Kommentare zu diesem Artikel

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*